Von Jugendlichen für Jugendliche: Manyfest 2011

Schüler und Studenten werkelten an Kurzfilmen zum Thema Identität
Mit dem Thema „Identität“ lockte das Jugendfestival Manyfest  Nachwuchskünstler aus dem ganzen Land nach Temeswar/Timisoara. Die fünfte Auflage verlief nach altem Rezept. Nur eine Zutat wurde geändert: Anstelle einer Malwerkstatt fiel der Schwerpunkt in diesem Jahr auf Grafik. Rund 30 Teilnehmer aus ganz Rumänien, darunter Pite{ti, Bac²u, Boto{ani, Bukarest/Bucure{ti und Temeswar, beteiligten sich eine Woche lang an Fotografie, Grafik- und Kurzfilmwerkstätten. Der Jugendverein AT4T veranstaltete zeitgleich auch das englischsprachige Jugendtheaterfestival „Theater for Teenagers“. Seit Jahren überschneiden sich die zwei Festivals, die von Jugendlichen für Jugendliche organisiert werden. Das Durchschnittsalter liegt bei 18 Jahren. Die Organisatoren selbst sind entweder Schüler oder Studenten, die ursprünglich als Teilnehmer begonnen haben. Nur selten mischen sich Erwachsene in die Festivalorganisation ein. Sponsoren schreckt es schnell ab. Aufgrund finanzieller Probleme fiel Manyfest in diesem Jahr kleiner aus. Der deutliche Rückgang der Teilnehmerzahl machte sich besonders in der Grafik- und in der Fotografie-Werkstatt bemerkbar. „Es haben sich fünf eingeschrieben, davon war eine Person über 18“, sagt Flavia Tuna. Die Kunst- und Grafikabsolventin war im letzten Jahr noch Mitveranstalterin, in diesem Jahr hat sie die Leitung der Grafikwerkstatt übernommen. Für die Teilnahme an der Werkstatt mussten Interessenten jeweils zwei Arbeiten einschicken. „Wir erhielten fünf Einsendungen und waren über die Qualität der Arbeiten erstaunt“, sagt Tuna, die auch als Jurymitglied agiert hat.
Bei Alin Cîrsteas Werkstatt war die Teilnehmeranzahl spärlicher. Nur drei von insgesamt acht zum Festival zugelassenen Personen, schafften es nach Temeswar. Auch Cîrstea war über die gelungenen Fotografien, die zum Thema „Identität“ eingesendet wurden, positiv überrascht. Der Absolvent der Temeswarer Kunsthochschule war noch vor drei Jahren selbst Teilnehmer. Inzwischen leitet er seit zwei Jahren die Werkstatt. Was der Manyfest-Veteran bemerkt hat, ist das wachsende Interesse der Jugendlichen an dem Medium Film, das langsam die Fotografie verdrängt. Während in anderen Jahren sich die Zahl an Teilnehmern ausglich, haben sich dieses Jahr die meisten Teilnehmer für die Kurzfilmwerkstätten entschieden.
Darum wurden gleich zwei Werkstätten angeboten. Leiter waren der TV-Journalist Ionu] Suciu und der Fotografie-Professor Onut Danciu. Danciu gilt als ein Veteran im Mediengewerbe, der nach der Wende als Mitbegründer der ersten privaten Fernseh- und Rundfunkanstalt Rumäniens bekannt wurde. Danciu outete sich als Traditionalist. Zu oft meiden Jugendliche heute die direkte Konfrontation und können schwer mit konstruktiver Kritik umgehen. „Ein Manko, das ihre professionelle Entwicklung beeinträchtigen wird“, glaubt Danciu. Aber nicht nur die fehlende Reife der Nachwuchsfilmemacher war ein hemmender Faktor. Auch die fehlende Technik erschwerte den Werkstattleitern ihre Arbeit. Die Videokameras brachten die Teilnehmer selbst mit, was die Trainer brachten, war Erfahrung. Die Bedingungen waren minimal. „Es ist eine Herausforderung, die jeder aufstrebende Filmemacher heute meistern muss“, sagt Suciu. Wer mit wenig Geld einen Film machen kann, der nicht nach Low-Budget schreit, der hat die erste Hürde genommen. Besonders in einem Gewerbe das Knochenhart ist. Zwischen dem Youtube-Upload und dem Certain-Regard liegt ein Riesensprung. Die Meisten scheitern schon beim Anlauf.
Die jüngste Auflage des Jugendfestivals für bildende Künste ging mit einer feierlichen Abschlußfeier zu Ende. In einer Ausstellung wurden die Ergebnisse aus der Foto- und Grafikwerkstatt gezeigt. Auch die entstandenen Kurzfilme wurden vorgestellt. Es wird schon an Auflage Sechs getüftelt: Besser und größer soll Manyfest 2012 werden.
Robert Tari
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