Vermittler des Unaussprechlichen – Gabriel Bodnariu

Niemand köpft leichter als jene, die keine Köpfe haben: Bodnarius „Abgeordnetenkammer“
Ein Crossover-Künstler, der die Grenzen der modernen Kunst sprengt
Gabriel Bodnariu ist ein raffinierter Erfinder.  Er ist weder ein Hyperrealist, noch ein Surrealist oder Popart-Künstler, sondern ein geschickter Pendler, der sich die Vorzüge der jeweiligen Kunstströmungen zu Nutze macht. Bodnariu schwimmt nicht mit dem Strom, sondern legt jenseits davon einen neuen an. Dafür wird der Temeswarer Künstler gefeiert, der schon in zahlreichen Einzelausstellungen im In- und Ausland ausgestellt hat. Besonders aufgrund seiner Crossover-Kunst hat der Gegenwartskünstler auf sich aufmerksam gemacht. Bodnariu hat die dünne Wand zwischen Realität und Traum eingerissen und die enstandene Fuge für sich beansprucht. Einfließende Eindrücke zweier gegensätzlicher Dimensionen verschmelzen auf seinen Bildern zu einem Amalgam, das besonders der Logik unserer heutigen Gesellschaft trotzt, obwohl es seinen Ursprung darin findet. Die Kleinigkeiten fallen ins Gewicht. Hyperrealistische Menschen verirren sich auf surrealen Landschaften. Er versteht es wie ein Meister, sie gegeneinander auszuspielen und tut es dabei mit humoristischer Raffinesse. Zugegeben, es ist ein eigenwilliger Humor, den man aus einem Bodnariu-Gemälde herausliest.
Doch wenn man sich das Gemälde des 35jährigen betitelt „Die Abgeordnetenkammer“ anschaut, kann man nur unfreiwilig schmunzeln, nachdem man den visuellen Schock überwindet. Die Message zumindest wird vom aktuellen Weltgeschehen bestätigt. Darum finden seine gesellschaftskritischen Arbeiten besonders beim ausländischen Publikum Anklang.
Im Januar hielt Bodnariu eine Einzelausstellung im Europäischen Parlament in Straßburg. Die Ausstellung wurde von einem Skandal überschattet, der seinen Künstlerkollegen Ovidiu Vuia betraf. Der Bildhauer sollte mit Bodnariu gemeinsam in Straßburg ausstellen, doch der Europaabgeordnete Cristian Busoi fand Einwände in der Auswahl der Werke, die Vuia zeigen wollte und schloss ihn aus der Ausstellung aus. Der Politiker zeigte sich empört über die Falus- und Vulvasymbole, die in Vuias Werken vorherrschen. Obwohl dessen abstrakte Skulpturen weder explizit noch obszön sind, schreckten sie den prüden Europaabgeordneten ab. Bodnarius Bilderserie „Crossing“ löste zum Glück keine Skandale aus. Bodnarius „Abgeordnetenkammer“ hätte allerdings in die Ausstellung als Widmung locker noch hineingepasst, denn wie sagte Dürrenmatt so schön:“ Niemand köpft leichter als jene, die keine Köpfe haben.“
Mit „Crossing“ wird der Crossover-Charakter seiner Kunst gekonnt unterstrichen. Schnell skizziert Bodnariu einen minimalistischen Hintergrund: Ein Auto vor einem Ampelübergang mit einem empörten Fahrer hinterm Lenkrad. Auf diesem comicartigen Hintergrund fügt Bodnariu diverse teils absurde, teils komische Personen ein, die im Kontrast zu dem skizzierten Hintergrund übertrieben fotorealistisch dargestellt werden. So führt zum Beispiel ein Mann in einem Frauenkleid seinen Goldfisch über die Straße. Dabei schleichen sich nicht ausschließlich hyperrealistische Figuren in diese Bilderreihe ein. Stattdessen unternimmt Bodnariu auch einen Exkurs durch andere Strömungen und provoziert konstant zum stummen Dialog.
Robert Tari
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