NEIN zur Konsulatsschließung

Der Kampf um das Bestehen des Deutschen Konsulats in Temeswar/Timisoara geht weiter. Der Temeswarer Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu hat diese Problematik mit den deutschen Partnerstädten Gera und Karlsruhe aber auch mit anderen deutschen Partnern diskutiert und sie um Hilfe in dieser Hinsicht gebeten. Somit haben neulich sowohl der Bürgermeister der Stadt Gera, als auch der Bürgermeister von Karlsruhe für das Deutsche Konsulat Fürsprache erhoben. Heinz Fenrich, Bürgermeister von Karlsruhe hat einen Brief an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt. Das Rathaus Temeswar hat der Banater Zeitung folgenden Briefwechsel zukommen lassen, die Erhaltung des Konsulats Deutschlands im Temeswar betreffend. Die BZ veröffentlicht im Folgenden den Wortlaut des Briefwechsels.
An Herrn Oberbürgermeister Dr. Gheorghe Ciuhandu, Temeswar Rumänien
 27. Juli  2011 
 Sehr geehrter Herr Kollege,
 für Ihr Schreiben vom 12. Juli 2011 danke ich Ihnen herzlich. Auch mir ist es ein Anliegen, dass das deutsche Generalkonsulat in Temeswar weiterhin fortbesteht und gerne unterstütze ich Sie in dieser Angelegenheit. Ich habe einen Brief an die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, geschrieben. Eine Kopie dieses Schreibens liegt diesem Brief zu Ihrer Kenntnis bei. Des Weiteren habe ich die Karlsruher Abgeordneten des Bundestages über den Sachverhalt informiert und um Unterstützung gebeten.
Ich hoffe, dass wir gemeinsam das Fortbestehen des deutschen Generalkonsulats in Temeswar bewirken können.
 Mit freundlichen Grüßen
 Heinz Fenrich

Oberbürgermeister, Karlsruhe

 

An Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Berlin
27. Juli 2011
Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin,
erlauben Sie mir, dass ich mich mit einem besonderen Anliegen an Sie wende. Die Stadt Karlsruhe pflegt seit dem Jahr 1992 eine lebendige und intensive Städtepartnerschaft mit der rumänischen Stadt Temeswar. Im kommenden Jahr können wir das 20-jäge Jubiläum unserer Beziehungen feiern.
Nun hat mich mein Kollege aus Temeswar, Herr Oberbürgermeister Dr. Gheorghe Ciuhandu, über die Absicht des Auswärtigen Amtes informiert, das deutsche Generalkonsulat in Temeswar nach 20-järiger erfolgreicher Tätigkeit und hervorragender Kooperation mit der örtlichen Stadtverwaltung in absehbarer Zeit zu schließen. Er hat mich gebeten, mich für den Erhalt des deutschen Generalkonsulats in Temeswar einzusetzen. Sehr gerne unterstütze ich unsere Freunde aus der Partnerstadt bei diesem Anliegen, leben doch in der Stadt und Region Karlsruhe tausende Menschen aus dem Banat.
Deutschland ist der wichtigste EU-Partner Rumäniens und ich befürchte, dass diese enge Zusammenarbeit im ,,boomenden“ rumänischen Westen nach Schließung des Konsulats empfindlich leiden wird. Von dieser Zusammenarbeit ist aber die weitere positive Entwicklung gerade auch Temeswars als der zweitgrößten Stadt in Rumänien, der Hauptstadt des gleich nach der Region Bukarest wirtschaftlich erfolgreichsten rumänischen Landkreises, in hohem Maße abhängig.
Wie ich erfahren habe, besteht nach der Schließung des deutschen Konsulats Temeswar die Absicht, vor Ort einen Honorarkonsul für Deutschland zu ernennen. Dies wäre sicherlich eine freundliche Geste, die den Wegfall einer kompetenten und professionellen Behörde aber nicht kompensieren wurde. Deutschland wäre im westlichen Rumänien, wo wirtschaftlich ,,die Musik spielt“, meines Erachtens mit einem Honorarkonsul nicht angemessen vertreten und würde absehbar einen Verlust an Ausstrahlung und Einfluss hinnehmen müssen.
Dies ist vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Deutschland gerade im Banat im Wesentlichen durch die seit 300 Jahren ansässige deutsche Volksgruppe tief verwurzelt ist, nicht zu verstehen. Gemäß den Planungen soll nach der Schließung des Konsulats in Temeswar das Generalkonsulat in Sibiu/Hermannstadt unverändert beibehalten werden. Es ist mir nicht nachvollziehbar, dass demgegenüber Temeswar aus deutscher Sicht so viel weniger relevant sein soll, dass dort ein Konsulat entbehrlich erscheint – im viel näher an der Landeshauptstadt Bukarest gelegenen Hermannstadt dagegen ein Generalkonsulat notwendig ist. Im Banat, im Amtsbezirk des Konsulats Temeswar, leben heute noch 33.000 ethnische Deutsche – in Siebenbürgen, im Amtsbezirk des Generalkonsulats Hermannstadt sind es dagegen nur rund 20.000.
Die meisten deutschen Firmen haben ihren rumänischen Sitz in unserer Partnerstadt (abgesehen von Bukarest) und Temeswar ist nach Bukarest, nicht zuletzt wegen der vielen deutschen Investoren, die wirtschaftlich aktivste Stadt Rumäniens. Die Region Temeswar ist nach Bukarest der größte Handelspartner Deutschlands – über 40% des Bruttosozialprodukts der Region wird durch deutsche Investoren erarbeitet.
Temeswar, mit einem Anschluss an das europäische Autobahnnetz ab 2012 und mit dem zweitgrößten internationalen Flughafen Rumäniens, wird in den nächsten Jahren noch attraktiver für deutsche Investoren werden. Zudem wird Temeswar durch die geplante administrative Neuordnung absehbar zum Verwaltungszentrum für Westrumänien.
Unter diesen Umständen und bei diesen Entwicklungsperspektiven bitte ich Sie aus Karlsruhe sehr herzlich, sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin, zu prüfen, ob es doch noch eine Möglichkeit für das Fortbestehen des deutschen Generalkonsulats in unserer Partnerstadt Temeswar gibt.
Mit freundlichen Grüßen
Heinz Fenrich
Oberbürgermeister, Karlsruhe
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