Das Bakkalaureat geht in die zweite Runde

In den Sommerferien gepaukt: Schüler erhalten eine zweite Chance.
Über 100.000 Schüler haben sich für die Herbstprüfung eingeschrieben/ Von Robert Tari
Damit Herr Goe nicht auch zum zweiten Mal durch die Reifeprüfung prasseln sollte, musste er auf den Badeurlaub verzichten und sein Kopf in die Bücher stecken. Es handelt sich um keine Nacherzählung des bekannten Caragiale-Werks, sondern um die bittere Realität. Witzig fand es niemand, als Ende Juni die Abiturergebnisse bekannt gegeben wurden. Es handelten sich um die schwächsten Ergebnisse der letzten 20 Jahre in Rumänien. In 30 Unterrichtseinrichtungen des Landes schaffte es kein einziger Schüler die Reifeprüfung zu bestehen. Mit dem Finger wurde auf den Große Bruder gezeigt: Überwachungskameras sollten verhindern, dass niemand auf die Idee kommen würde abzuschreiben. Noch während den Prüfungen schrien Eltern und Schüler gegen die Maßnahme, die in ihren Augen zu kommunistisch schienen. Die katastrophalen Ergebnisse zeigten, dass der Entschluss auf schärfere Kontrollmaßnahmen zu setzen, richtig war. Auf die faule Haut durften sich in diesem Sommer nur wenige legen.
Fast 110.000 Jugendliche haben sich für die zweite Prüfungsphase eingeschrieben. 40.000 mehr als im vergangenen Jahr. Leichter sind die Prüfungsthemen nicht ausgefallen, dafür sind aber die Überwachungsmaßnahmen strenger geworden. Wer beim Abschreiben erwischt wurde, durfte erst wieder in 2013 die Bakkalaureatsprüfung ablegen. 
Der rumänische Bildungsminister Daniel Funeriu möchte schlechte Gewohnheiten abschaffen. Funeriu möchte mit härten Maßnahmen durchgreifen. Die Schließung von 1500 Schulen im Land war nur eine von vielen Eingriffen, die das rumänische Bildungssystem aus der Krise rauslotsen soll. „Es herrscht ohnehin eine Inflation an Lehrkräften“, meint Funeriu. Das kann niemand abstreiten, wenn selbst bei der Verbeamtungsprüfung geschummelt wird. Im Kreis Temesch/Timis wurden fünf Lehrer beim Abschreiben erwischt. 181 von 980 eingeschriebenen Kandidaten meldeten sich nicht einmal zur Prüfung. Es ist ein Teufelskreis, der bei der schwachen Ausbildung der Schüler beginnt. Deswegen soll im neuen Schuljahr der Fokus besonders auf sie fallen.
Schluss mit Schwänzen lautete die erste Botschaft des Bildungsministeriums. Jüngste Statistiken haben ergeben, dass rumänische Schüler immer seltener zum Unterricht erscheinen. Wenn man sämtliche Fehlstunden zusammenzählen würde, würde man auf erstaunliche 3457 Jahre kommen. Kein Wunder, dass Schüler Mihai Eminescu mit Nichita Stanescu verwechseln und Marin Preda mit einem Straßenmusikanten. Ausnahmen, wie das deutschsprachige Nikolaus-Lenau-Lyzeum bestätigen die Regel: Nur zehn Prozent der Zwölftklässler haben das Bakkalaureat nicht bestanden. Fünf Schüler sind im Fach Mathematik durchgeprasselt und einer im Fach Deutsch.
Es gibt aber auch noch die andere Seite der Medaille: Schüler, die zwar das Abitur bestanden haben, sich aber über die Endnote unzufrieden zeigten. Hier machten besonders viele Eltern ihrer Unzufriedenheit Luft. Bildungsminister Daniel Funeriu findet, dass das veraltete Benotungssystem in rumänischen Schulen daran Schuld sei. Es ist nur natürlich, dass Eltern sich Fragen stellen, nachdem ihre Tochter einer Zehnerschülerin war, bei der Reifeprüfung aber nur für eine sechs in Mathe geschrieben hat. Es geht um eine Diskrepanz zwischen den strengeren Prüfungskriterien und den nachsichtigen Benotungen während des Unterrichts.
Die Endergebnisse der Herbstprüfung werden am siebten September bekannt gegeben. Danach fangen die Einschreibungen an den Hochschulen an. Die meisten Universitäten aus Temeswar haben noch immer zahlreiche gebührenfreie Plätze zu vergeben.
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