Buchtipp des Sommers

 
 
Orhan Pamuks „Museum der Unschuld“
Die Saftflasche, aus der sie getrunken hat, trägt am Flaschenrand noch ihren süßen Lippengeschmack, die Zigarettenreste erinnern an die Liebe, die Tasse Kaffee an einen gemeinsamen Morgen. Manchmal sind es eben die kleinen Sachen, die uns mit den Erinnerungen und Gefühlen aus der Vergangenheit für immer verbunden halten. Und wie schafft man am besten eine Reise durch Vergangenheit und Gefühle, durch Alltag und Einfachheit? Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk hat sich dazu etwas einzigartiges ausgedacht: ein Museum. „Museum der Unschuld“ heißt der Roman des türkischen Schriftstellers, die eine Liebesgeschichte und gleichzeitig ein Spiegel der heutigen Türkei ist. Ein Buch über Leidenschaft und Melancholie, aber auch über Trauer und Schmerz.
Der Roman setzt den 30-jährigen Kemal Besmaci in den Mittelpunkt, der 1976 kurz vor der Verlobung mit der schönen Sibel steht, sich aber in die 18-jährige entfernte Verwandte Füsun verliebt. Er will beides, sowohl die Ehe, als auch die Liebesgeschichte mit Füsun. Nur dieses Doppelleben könnte ihn glücklich machen. Denn zwar wirkt Kemal so amerikanisiert freiheitsliebend, er fühlt sich aber doch dem alten, patriarchalischen Ehrenkodex seiner türkischen Heimat verpflichtet, eine anständige reiche Frau zu heiraten. Aber gleich nach der Verlobungsfeier verschwindet Füsun. Kemal muss jahrelang mit dem Liebeskummer kämpfen. Er trennt sich letztendlich von seiner Verlobten und begibt sich auf der Suche nach Füsun. Er trifft sie Monate später, doch sie ist bereits verheiratet. Der Schmerz und die Eifersucht können ihn aber nicht davon abhalten, sie zu sehen. Kemal besucht sie und ihren Mann acht Jahre lang, nur um seine Geliebte zu sehen und zu spüren. Dabei sammelt er kleine Sachen und Objekte von ihr, die er später im Museum ausstellen wird. Eine Handberührung ist das Einzige, das er von ihr bekommt, bis sich Füsun letztendlich entschließt, seine Frau zu werden. Doch auch dann bleibt ihm der Schmerz nicht erspart.
Pamuk schafft eine fast epische Geschichte, in der der traditionelle türkische Alltag immer wieder zwischen westlicher Freizügigkeit und alter Tradition, zwischen Regeln und verführerischer Sehnsucht schwankt. Pamuk, bekannt durch seine Romane „Rot ist mein Name“ und „Schnee“, wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2006 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
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