Vermittler des Unaussprechlichen: Nada Stojici

Die Fibonacci-Folge als  Motiv, um das Wirken des Universums zu verstehen
Von der Seelenfindung und der mathematischen Realität
In einem heruntergekommenen Krankenhaus ist sie zur Welt gekommen. Eine Frühgeburt. Die ersten Wochen verbrachte sie in Gesellschaft von Ratten, Kakerlaken und ihrer fürsorglichen Mutter. Sie nimmt es nicht ernst, ist viel zu verspielt und zu offen, um daraus ein Melodrama zu spinnen. Es ist nur eine nette Tatsache, eine Randbemerkung, die aber klar hervorhebt, was Nada Stojici so besonders macht. Dass sie die Dinge gerne anders anpackt, hat die Bildhauerin auch während ihres Studiums bewiesen. Als es darum ging, sich ein menschliches Organ auszuwählen und sich als Künstler für die passendste Form zu entscheiden, wählte sie sich das Unvorstellbare aus. Wo andere sich Leber, Lungen, Herz oder Nieren aussuchten, deren Formen spätestens seit Vesalius kaum ein Geheimnis mehr sind, entschied sich Stojici etwas darzustellen, das nicht Darstellbar ist. Selbst Philosophen und Wissenschaftler gehen hier oft auf die Barrikaden und streiten sogar eine mögliche Existenz ab. Nada Stojici zweifelt nicht daran, dass es eine Seele gibt. Nur wie man die Seele darstellen kann, fragt sich die Künstlerin. Eine anhaltende Frage die sich durch sämtliche ihrer bisherigen Einzelausstellungen hinzieht. Mit ihrem „Röntgenbild der Seele“ legte sie den Grundstein ihrer Suche fest und sucht seitdem ständig nach der idealen Form. Inzwischen kann sich die Bildhauerin mit rund 600 Werken rühmen.
2002 fand ihre erste Einzelausstellung im Art Club statt. 2005 folgte eine Ausstellung im Deutschen Kulturzentrum betitelt „Fenster“ und eine Ausstellung in der Bukarester Artis-Galerie namens „Geheimnisse und verborgene Schätze“, die sie auch nach Temeswar/Timisoara brachte.  Anlässlich ihres 27. Geburtstags veranstaltete die Bildhauerin eine Einzelausstellung in der Axa-Galerie Temeswar, wo ihr Leben im Mittelpunkt stand. In „27-7-27“ wurden 27 Kisten ausgestellt, die jeweils ein Jahr aus dem bisherigen Leben der Künstlerin darstellten, wobei in der ersten Kiste, sämtliche Schlüssel der anderen 26 Kisten aufbewahrt wurden. Wer die erste Kiste aufmachte, konnte sich dann daraus einen Schlüssel auswählen, der eine der anderen Kisten, also einen anderen Lebensabschnitt der Bildhauerin, öffnete.
Ihre jüngste Ausstellung „Metaformen“, die in der Calina-Galerie stattgefunden hat, setzte sich mit der mathematischen Ordnung des Universums auseinander. Trotz ihrer heiklen Beziehung zur Mathematik, hat sich die Wissenschaft in ihr Leben und ihrer Kunst eingeschlichen. Wo sich die Mathematik und ihre Kunst treffen, ist in der Ansicht der Bildhauerin, dass das Universum nicht vom Chaos bestimmt wird, sondern gemäß der Fibonacci-Folge und dem goldenen Schnitt, einer strikten mathematischen Logik unterstellt ist. Das einzige Element in der Gleichung, das für Chaos sorgt und an Chaos gebunden ist, bleibt der Mensch.
Im April 2012 soll die nächste Ausstellung folgen. Sechs Jahre hat die Künstlerin darauf gewartet.  
Als aufstrebende Schülerin des verblichenen Bildhauers Peter Jecza wurde ihr  eine Ausstellung in der Triade-Galerie versprochen. Aufgrund des gesundheitlichen Zustands Peter Jeczas musste die Ausstellung ständig verschoben werden. Nun ist der Zeitpunkt endlich da. Im nächsten Jahr wird die lange verzögerte Ausstellung schließlich stattfinden. Seelenfindung wird erneut eine zentrale Rolle spielen. Die ungelöste Frage treibt Nada Stojici weiter an.  
Robert Tari
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