Rundgang durch das Wasserwerk aus Urseni

Wie neu: Die alten Behälter gibt es seit 1914.
Das erste Wasserwerk Temeswars hat den Test der Zeit bestanden
Täglich versorgen drei Wasserwerke die Stadt Temeswar/Timisoara mit frischem Trinkwasser. Bereits 1914 verfügte Kleinwien über ein ausgeklügeltes Wasserversorgungs- und Kanalisationssystem. Die Wassergesellschaft Aquatim ist über die Jahrzehnte mit der Stadt gewachsen. Heute werden 40 Gemeinden aus dem Kreis Temesch von der Aquatim versorgt. Der Bedarf ist besonders in den letzten 50 Jahren ständig angestiegen. Momentan können in Temeswar 400.000 Einwohner mit Wasser versorgt werden. Keine kleinen Mengen, bei einem Verbrauch von 119 Liter pro Person pro Tag.
Wo das erste Wasserwerk der Stadt steht, gab es vor zwanzig Jahren noch keine Häuser. Vor mehr als fünfzig Jahren gab es in der Umgebung kein Stadtviertel. Inzwischen wird das Wasserwerk Urseni von der Stadt Temeswar allmählich verschluckt. 1990 wurde die Arbeit an einem neuen, modernen Gelände des Wasserwerks fertiggestellt, um den wachsenden Bedarf zu decken. Trotzdem spielt das erste Wasserwerk Klein Wiens heute eine zweitrangige Rolle, da 70 Prozent des gelieferten Versorgungswassers aus der Bega stammt. Das Wasserwerk Nr. 1 schöpft das Wasser aus dem Untergrund und versorgt die Stadtteile Girocului, Soarelui und Buzia{ului mit frischem Quellwasser. Andere Stadtteile erhalten eine Mischung aus Quell- und Oberflächenwasser, während andere Peripherien der Stadt nur mit Oberflächenwasser versorgt werden. Das Wasserwerk aus Urseni deckt somit nur 30 Prozent des gesamten Bedarfs ab.
Was besonders die Nachbarn, die in dem neuentstandenen Viertel an dem Gelände der Aquatim interessiert, sind die Grünflächen und das alte Wasserwerk, das heute nicht mehr im Betrieb steht. Von oben wirkt besonders das alte Pumpwerk wie eine außerirdische Untertasse. Die kuriosen Satelitaufnahmen des alten Gebäudes haben schon öfters die Presse angelockt. Die Wassergesellschaft musste allerdings die Journalisten enttäuschen: Hier sind keine Außerirdischen gelandet. Pech, meinten damals die Journalisten und übersahen dabei den eigentlichen Wert des Grundstücks. Nicht bloß die Tatsache, dass es sich bei dem Wasserwerk um das erste der Stadt handelt, ist interessant, sondern auch der guterhaltene Zustand der Anlage. Zwar pumpen die 60 bis 80 Meter tiefen Pumpen kein Quellwasser mehr an die Oberfläche, doch dafür sind sie zu Sehenswürdigkeiten der Aquatim geworden.
Nur leider kann sich die Öffentlichkeit an diesen verborgenen Schätzen nicht erfreuen. Besonders rechtliche Probleme hindern die Aquatim daran, aus dem alten Wasserwerk, das von dem ersten rumänischen Bürgermeister der Stadt, dem Ingineur Stan Vidrighin, erbaut wurde, ein Industriemuseum zu machen. Restaurations- und Sanierungskosten fallen weniger ins Gewicht, da die alten Gebäude gut erhalten geblieben sind. Hier scheint die Zeit mit den alten Wasserpumpen stehengeblieben zu sein. Als „Kathedrale“ wird das alte Pumpwerk in einem Informationsbuch der Aquatim beschrieben. So dichterisch es auch klingen mag, wer einmal drin gewesen ist, wird sich mit der Umschreibung schnell anfreunden.
Da verblasst das neue Wasserwerk gleich daneben, das Ende der 1980er Jahre gebaut und Anfang der 1990er fertiggestellt wurde. Zwischen Neu und Alt liegen architektonische Welten. Nur an den Verfahren zur Aufbereitung und Bereitstellung des Trinkwassers hat sich kaum etwas verändert. Das eisen- und manganhaltige Quellwasser muss zuerst gefiltert und dann mit Chlor desinfiziert werden. Marius Popescu überwacht das Wasseraufbereitungsverfahren beim Wasserwerk Nr. 1. Das Wasserwerk zählt 30 Mitarbeiter. Heute wird alles auch per Computer überwacht.
„Auf diesen drei Monitoren kann ich verfolgen, ob die einzelnen Prozesse reibungslos verlaufen,“ erklärt Popescu während er auf die Bildschirme in seinem Büro zeigt. Er hat ursprünglich Umweltschutz studiert. Auch er ist von dem alten Wasserwerk fasziniert und wie qualitatitv hochwertig sie sind. „Früher wurde nur so gebaut,“ meint Popescu.
Anders verhält sich Popescu bei der Frage nach der Qualität des Wassers. Er streitet die Behauptungen ab, dass das Quellwasser aus Urseni gesünder ist, als das Wasser aus der Bega. Weder das eine noch das andere, wäre im ursprünglichen Zustand trinkbar, erklärt er. Hier hat der stärkere Chlorgeschmack des Wassers in manchen Stadtteilen, die mit Oberflächenwasser versorgt wird, den Leuten einen Streich gespielt. 
Robert Tari
Marius Popescu bei der Arbeit: Auf den Monitoren kann er den Wasseraufbereitungsvorgang kontrollieren.
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