Oschanitzkys post mortem Debüt

Eingespieltes Trio (v.l.n.r.): Herbert Christoph (Bratsche), Franz Metz (Orgel), Wilfried Michl (Bariton)
„Sieben Gesänge“ zum ersten Mal gespielt/ Von Robert Tari
Das Licht, das doppelt so hell brennt, brennt nur halb so lang, meinte der chinesische Philosoph Lao-Tse. Eine Wahrheit, die auf den Jazzmusiker Richard W. Oschanitzky zutrifft, der im Alter von nur 40 Jahren an Leberzirrhose verstarb. Als Banater Schwabe hatte es Oschanitzky im sozialistischen Rumänien nie leicht gehabt. Viel zu talentiert war der Pianist, Arrangeur und Komponist, um ihn Hotels aus Bukarest, Kronstadt/Brasov und Mamaia zu vergammeln. In Rumänien wurde dieses Talent zwar anerkannt und oft auch ausgebeutet, doch gleichzeitig wurde Oschanitzky auch oft in eine Sackgasse getrieben. Ob Ausreiseverbot oder Verweis von der Hochschule: Oschanitzky wurden ständig Steine in den Weg gelegt. Dabei hatte der gebürtige Temeswarer nicht nur an Jazzwerken gefeilt, sondern sich auch an Kirchenmusik herangewagt. „Sieben Gesänge um Wort, Licht und Heil“ wurden von Richard Oschanitzky geschrieben.
Mit dem Konzert von Franz Metz, Wilfried Michl und Herbert Christoph in der Elisabether Kirche in Temeswar/Timisoara wurde ein Kapitel aus dem Leben des Künstlers neu aufgeschlagen: Die Sieben Gesänge wurden erstmalig gespielt. Verdanken kann es Oschanitzky besonders dem Musikwissenschaftler Franz Metz, der zusammen mit dem Bruder des verstorbenen Musikers auf seine verschollenen Werke stieß. Metz hat Oschanitzky niemals persönlich kennengelernt, hat sich aber mit dem talentierten Musiker und Komponisten auseinandergesetzt. Die Sieben Gesänge unterstreichen erneut Oschanitzkys Talent. Dabei heben die Kirchenlieder nicht nur sein musikalisches Können hervor, sondern enthüllen auch einen geschickten Texteschreiber. „Er war damals angesagt, aber wir waren zusammen mit ihm abgeschottet“, sagt Franz Metz. „Er durfte sich im Westen nicht vermarkten, ansonsten wäre er heute weltweit bekannt“, fügt er hinzu.  
Hier scheint Oschanitzky das gleiche Schicksal mit den alten Banater Orgeln zu teilen, die heute in den Banater Kirchen keine Verwendung mehr finden. Aus den Königinnen der Instrumente sind graue Eminenzen geworden. Es sind inzwischen Relikte aus einer anderen Ära, die nur noch als Behausungen für Mäuse und Tauben dienen. Franz Metz faszinieren die alten Banater Orgeln. Wie vernachlässigt die Orgeln sind, hört man an den verstimmten Tönen heraus. Da spielt die Orgel der katholischen Kirche in der Elisabethstadt keine Ausnahme. „Es fehlen Tasten, es fehlen Register, es fehlt die nötige Pflege“, so Metz.
Temeswar war die zweite Station nach Lugosch/Lugoj auf der Banater Tournee des Trios. Bereits zum zweiten Mal veranstalten Franz Metz, Wilfried Michl und Herbert Christoph eine Konzertreihe durch alte Banater Gemeinden und Städte. Für Herbert Christoph war es ein aufwühlendes Erlebnis gewesen, als er nach 36 Jahren wieder in der Kirche spielen durfte, wo er aufgewachsen war. „Mein Geburtshaus liegt nur 200 Meter von hier entfernt“, sagt Christoph. Auch für den Bariton Wilfried Michl bedeuten die Konzerte ein Wiedersehen mit der alten Heimat. Für die Tournee ist der Urlaub draufgegangen, doch das stört die drei wenig. Sie überlegen sich bereits auch im nächsten Jahr eine Tournee zu organisieren.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Neuigkeiten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s