NEIN zur Konsulatsschließung

Die Banater nehmen Stellung
Der Protest geht weiter: Unternehmer, Kulturschaffende und Politiker empfinden die Entscheidung des Auswärtigen Amtes, das Deutsche Konsulat in Temeswar zu schließen, nach wie vor als falsch. Die Banater Zeitung und die Redaktion der deutschen Sendung von Radio Temeswar sammelten Aussagen von Persönlichkeiten, um auf die Bedeutung des Deutschen Konsulats für diesen Teil Rumäniens hinzuweisen und das Auswärtige Amt von der Notwendigkeit dieser Einrichtung zu überzeugen.
 Ich habe erfahren, dass das Deutsche Konsulat im Banat geschlossen werden soll. Ich finde es sehr, sehr schade und bedauerlich, weil ich in den letzten Jahren, seit 2002, mit dem Deutschen Konsulat und mit den jeweiligen Konsuln gut zusammengearbeitet habe. Wir haben sehr viel machen können für den Erhalt des Banater Kulturerbes und es ist nicht nur das deutsche Kulturerbe gewesen, sondern in vielen anderen Bereichen auch.

Swantje Volkmann, Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm
 Wir haben gehört, dass geplant wäre, das Deutsche Konsulat in Temeswar zu schließen. Wir würden es sehr bedauern, wenn so etwas zustande käme. Wir haben zum Konsulat sehr gute Beziehungen, wir konnten zusammen mit diesem immer wieder Konzerte organisieren. Auch wenn es um Fragen der Wirtschaft ging, konnten wir diese mit dem Konsulat besprechen. Unsere Leute, unsere Gläubige, die ja zu einem erheblichen Teil der deutschen Minderheit angehören, konnten durch dieses Konsulat ihre Probleme erledigen. Heutzutage ist ein Großteil von ihnen deutsche Staatsbürger und wenn sie zurückkommen, brauchen sie einen Ansprechpartner in dieser Gegend und das ist das Deutsche Konsulat.

Johann Dirschl, Generalvikar der römisch-katholischen Diözese Temeswar
Zum Thema Schließung des Deutschen Konsulats in Temeswar muss ich ganz entschieden unseren Protest anmelden. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben ist mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, sie hält sie für kurzsichtig und unbedacht und hat auch entsprechende Schritte eingeleitet, um sie rückgängig zu machen. Wir haben einen Protestbrief an den Bundesaußenminister geschrieben, an den Staatssekretär Dr. Bergner im Bundesinnenministerium und an andere Bundestags- und Landtagsabgeordnete, an unsere Partnerstädte in Deutschland, die sich auch für den Erhalt dieser diplomatischen Einrichtung einsetzen werden. Wir halten sie wichtig für unsere im Banat lebenden Landsleute, aber genau so wichtig für unsere Heimatortsgemeinschaften, die nach wie vor hier aktiv sind.
Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben
 Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) gehört zu den Organisationen, die sich im Auftrag des Auswärtigen Amtes mit der auswärtigen Kulturpolitik Deutschlands beschäftigen, namentlich im DAAD-Hochschulbereich. Wir realisieren also die Aufgaben des Auswärtigen Amtes, die dieses mit großem finanziellen Aufwand netter Weise an den DAAD übertragen hat. Deswegen ist es für die Temeswarer Verträge des DAAD sehr angenehm, mit einem Deutschen Konsulat zusammen arbeiten zu können. Mit kompetenten Vertretern, die uns bei unserer alltäglichen Arbeit massiv unterstützen. Deswegen würden wir es sehr Schade finden, wenn diese Zusammenarbeit künftig nicht mehr oder nur noch mit großen Einschränkungen möglich wäre. Ich bin kein Prophet, aber ich wage, vorauszusagen, dass die Arbeit des DAAD in Temeswar sich durch eine mögliche Schließung des Konsulats sehr schwierig gestalten würde. Deswegen würde ich es seitens des DAAD sehr begrüßen, wenn diese Entscheidung noch einmal überdacht werden könnte.

Peter Erli, DAAD-Lektor an der TU Politehnica in Temeswar
 Ich bin bestürzt und empört über die Entscheidung des Auswärtigen Amtes in Berlin, über die Tatsache, das Deutsche Konsulat hier in Temeswar schließen zu wollen. Als Verein können wir mit so einer Entscheidung nicht einverstanden sein, weil sie absolut fern der Realität ist. Das Konsulat in Temeswar ist zuständig für vier Außengrenzen: Serbien, Ungarn, Ukraine und Bulgarien. Von daher, wenn einem deutschen Bürger oder einem Mitarbeiter ein Pass geklaut wird, muss er neun Stunden nach Bukarest fahren oder fliegen und eine Unmenge an Geld ausgeben. Hermannstadt soll als Generalkonsulat erhalten bleiben, was wir einfach so nicht hinnehmen können und wollen. Wir werden mit aller Vehemenz dagegen protestieren. Wir werden alle Schritte auch beim Europaparlament, bei den Abgeordneten, die zuständig sind für Rumänien, Partei ergreifen wollen, dass so eine Ungerechtigkeit nicht noch einmal passiert. Wir haben das schon einmal durchgespielt und ich war damals schon unmittelbar involviert und ich werde auch in diesem Fall diese Ungerechtigkeit so nicht hinnehmen wollen. Ich hoffe sehr, dass die Entscheidung zurückgenommen wird und dass wir eine paritätische Lösung finden werden, d.h. Hermannstadt Konsulat und Temeswar Konsulat. Das finde ich so gerecht und in Ordnung, weil wir in Nordwest- und Westrumänien viel mehr deutsche Firmen haben, wir haben einen viel größeren Anteil an deutscher Minderheit, wir haben einen viel größeren Anteil an Deutsch sprechenden Rumänen, wir haben einen größeren Anteil an der Nähe zum deutschsprachigen Raum und es kann nicht angehen, dass Italien und Serbien Generalkonsulate in Temeswar erhalten und die BRD aus Armutsgründen ein Konsulat in Temeswar schließen will und wir uns auf das Niveau eines Honorarkonsulats bewegen. Hier muss jemand in Berlin entschieden haben, der von der Realität überhaupt keine Ahnung hat und ich stehe auch gerne den Leuten in Berlin Rede und Antwort.

Manfred Engelmann, Vorsitzender des Deutsch-Rumänischen Wirtschaftsvereins in Arad
 In Sachen der geplanten Schließung des Deutschen Konsulats sind wir enttäuscht und verbittert über diese Pläne, weil das Deutsche Konsulat all die Jahre nach der Wende 1989 schlicht der Ansprechpartner für uns war, wenn es um Belange ging, die mit  den deutschen Behörden etwas zu tun hatten. Es ist für uns quasi unvorstellbar, dass eine solche Geste erfolgen soll und wir wünschen uns sehr, dass diese Sache revidiert wird, schon aus dem Grund, dass das Deutsche Konsulat von der Nähe her an der Grenze zu Ungarn, Serbien und auch im nördlichen Teil in Sathmar an der Grenze zur Ukraine viel besser die grenzüberschreitenden Beziehungen vermitteln kann und dies auch ehrenhaft getan hat. Wir wünschen uns, dass diese Einrichtung beibehalten bleibt, weil sie nach wie vor eine hervorragende Funktion in den Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland darstellt und es wäre einfach Schade, eine funktionierende Sache aufzulösen. Im berühmten Interview im Wagen, den gleich nach der Wende der Chefredakteur von Radio Temeswar dem damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher genommen hat, meinte der Minister: „Ab sofort ist die Türe für Deutschland offen und sie wird auch für immer offen bleiben“. Falls nun das Konsulat geschlossen wird, wäre dies auch ein Schließen der Tür und das war nicht so gemeint, oder?

Michael Szellner, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Arad
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Eine Antwort zu NEIN zur Konsulatsschließung

  1. Dr. h.c. Klaus-Peter Marte (2001 - 2004 Deutscher Konsul in Temeswar) schreibt:

    Sehr gut, aber Sie sollten Ihre Schreiben auch an Außenminister Westerwelle und Bundeskanzlerin Merkel richten.
    Dr. h.c. Klaus.Peter Marte, Deutscher Konsul in Temeswar von 2001 -2004

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