Linda-Saskia Menczels „Geständnisse“

Die Bronzeplastik „Die Beichte“ in Linda-Saskia Menczels Ausstellung „Geständnisse“
Foto: Cornel Putan
Bronzeskulpturen und Porträts in der Temeswarer Helios-Galerie
Von Iulia Sur
„Geständnisse“/„Marturisiri“ heißt die neueste Ausstellung der Temeswarer Künstlerin Linda-Saskia Menczel. Über 80 Arbeiten, Porträtzeichnungen und Bronzeplastiken zur orthodoxen Spiritualität, werden derzeit in der Helios-Galerie des hiesigen Berufskünstlerverbands gezeigt. Spiritualität ist ein Thema, mit dem sich die Künstlerin mit Vorliebe auseinandersetzt, und zwar in verschiedenen Formen: Buddhismus, Daoismus, Kabbala oder Christentum. So entstanden Kabbala-Ausstellungen, eine davon unter dem Namen „Shemot“, die 2009 in der Helios-Galerie präsentiert wurde. Es handelte sich um rund 100 in Bronze gegossene Reliefs und Skulpturen mit kabbalistischen Symbolen.
Die 1972 in Temeswar/Timisoara geborene Künstlerin lebte mehrere Jahre in Israel und Südafrika, bevor sie sich endgültig in ihrer Heimatstadt niederließ. An einer Kunstschule in Johannesburg lernte sie Bildhauerei, Fotografie und Design. Die Auswahl der Fächer stand den Schülern frei, so Menczel über eine Zeit, an die sich gern erinnert. Anfang der 90er Jahren kehrte sie in die Stadt an der Bega zurück. Hier studierte sie sechs Jahre an der Kunsthochschule der West-Universität mit dem bekannten Bronzeplastiker Peter Jecza (1939-2009). Mit der 2001 auf Anregung des deutschen Kunsthändlers Günther Thomas ins Leben gerufenen Dor-Künstlergruppe, deren Gründungsmitglied sie ist, stellte sie in Freiburg, Nürnberg, Bamberg, Kiel und Frankfurt, sowie in den Schlössern Giechburg und Parsberg, aus. 2005 vertrat sie Rumänien beim Europäischen Parlament im Rahmen einer Gruppenausstellung mit Bronzeskulpturen zum Thema Kabbala.
Außer an in- und ausländischen Ausstellungen beteiligte sich Menczel an Kunstlagern und -symposien. Sie schuf Kleinplastiken, Aktion-Bildhauerei, auch Monumentalkunst. Zur letzteren zählen: der Brunnen „Die Lektion über den Kubus“/„Lectia despre cub“ am Plevnei-Platz in Temeswar, die Steinskulptur „Adam“ im Triade-Skulpturenpark und die Büste des Prinzen Eugen von Savoyen im Central-Park. Sie führte auch Restaurierungsarbeiten von Skulpturen und Gemälden durch. Über ein Stipendium konnte sie beim Bundesdenkmalamt in Wien Restaurierungen durchführen.
Linda-Saskia Menczels der Orthodoxie (jüdischer Abstammung, konvertierte sie vor 20 Jahren zur Orthodoxie) gewidmete jüngste Ausstellung umfasst 74 Porträtzeichnungen von Heiligen und Geistlichen, etwa Dumitru Staniloaie (1903-1993), Constantin Galeriu (1918-2003), Teofil Paraian (1929-2009) oder die Heilige Maria Magdalena. Die an Ikonen erinnernden Bildnisse entfalten sich gleich einem Fries an den Galeriewänden. Sie zeigen einfache, tief gläubige Menschen vom Lande, etwa der Greis Gheorghe Lazar, der im 18. Jahrhundert gelebt hatte, oder der fast hundertjährige Bulgare Dobri Dobrev, der heute auf den Straßen von Sofia bettelt und den Erlös anschließend der Kirche spendet. Was allen Porträtierten gemeinsam ist: der auf das Leben der Künstlerin ausgeübte Einfluss. Jeder Einzelne habe ihr zu einem tieferen Verständnis der Orthodoxie verholfen. Somit konnte sie deren Schönheit, Freude, Frieden und die Rolle der Demut besser in sich aufnehmen. Unter jedem Bild ein Zitat. Die Bronzeplastiken verkörpern die sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte (Buße), Ehe, Weihe und Krankensalbung.
Die Ausstellung kann als Geständnis der präsentierten Heiligengestalten, und zugleich als ein Geständnis der Künstlerin selbst zu ihrer Wahlreligion betrachtet werden. Den musikalischen Rahmen zur Ausstellungseröffnung boten zwei Solisten der Temeswarer Staatsphilharmonie: Cosmin Balean (Duduk) und Doru Roman (Marimba). Cosmin Balean ist der einzige Musiker in Rumänien, der am Duduk, auch „armenische Flöte“ genannt, spielt. Die auf dem 3000 Jahre alten Holzblasinstrument gespielten armenischen Melodien sowie eine von Băleans Eigenkompositionen hoben die mystische Stimmung der Vernissage hervor.
Die Bildhauerin Linda Saskia Menczel in ihrem Wohnzimmer. An den Wänden die Bronzereliefs aus den Kabbala-Ausstellungen.
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