Leserbrief

Manfred Engelmann, Vorsitzender des Deutsch-Rumänischen Wirtschaftsvereins in Arad und Sekretär des Deutsch-Rumänischen Forums wandte sich mit folgendem Schreiben an den Bundesaußenminister  Deutschlands:
 An den
Bundesminister des Auswärtigen,
Herrn Bundesaußenminister Guido Westerwelle
 Sehr geehrter Herr Bundesaußenminister Westerwelle!
 Der Deutsch-Rumänische Wirtschaftsverein Arad, im Westen Rumäniens gelegen, besteht seit 1994. Es ist ein Zusammenschluss von deutschen, österreichischen und rumänischen Firmen, die laut Satzung einen Beitrag zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien leisten wollen.
Wir haben derzeit 52 Mitgliedsfirmen aus allen Wirtschaftsbereichen.
Ebenso vertreten sind die Vereine der deutschen Minderheit, d.h. das Demokratische Forum der Deutschen aus Arad, der Arbeitskreis Banat-JA als Jugendorganisation, das Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum als deutsche Schule sowie die deutschen Sendungen von TV Arad und Radio Temeswar.
Seit der Gründung des Vereins arbeiten wir eng mit dem Deutschen Konsulat aus Temeswar/Timisoara zusammen, auf dessen Unterstützung wir angewiesen sind und mit dem regelmäßig auch Konsultationen in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, Sport und Soziales stattfinden.
Erst kürzlich besuchten uns der Deutsche Botschafter aus Bukarest und der Konsul aus Temeswar, Klaus-Christian Olasz, mit denen ein reger und konstruktiver Gedankenaustausch stattgefunden hat.
Mit Verwunderung, Unverständnis und Bestürzung haben wir aus der Presse erfahren, dass das Auswärtige Amt plant,  die konsularische Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, in dessen Zuständigkeitsbereich auch der Kreis Arad mit seiner deutschen Minderheit gehört, aus Kostengründen schließen zu wollen und es durch ein ehrenamtlich geführtes Honorarkonsulat ersetzen zu wollen, das weder eine politische Vertretung der Bundesrepublik Deutschland noch eine Anlaufstelle in Konsulatsfragen wie zum Beispiel Diebstahl von Ausweisen, Streitfälle zwischen deutschen und rumänischen Firmen, Autounfälle etc. sein kann.
Wir sind mit solchen Angelegenheiten mehrfach konfrontiert worden, da der Verwaltungskreis Arad über zwei Grenzübergänge nach Ungarn verfügt. Da wir nicht helfen konnten, mussten wir an das Deutsche Konsulat verweisen, das stets hilfsbereit und pragmatisch zur Seite stand. Ebenfalls geschah das in Schlichtungsfällen oder ähnlich gearteten Angelegenheiten.
Aus unserer Sicht ist es unzumutbar, einen deutschen Staatsbürger in derartigen Notfällen und bei der vorhandenen defizitären Infrastruktur in Rumänien an das Generalkonsulat in Hermannstadt/Sibiu oder die Deutsche Botschaft in Bukarest zu verweisen. Das wären jeweils mindestens Zweitagesreisen einschließlich Übernachtungskosten, abgesehen von den unzumutbaren sonstigen Kosten.
In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass im Zuständigkeitsbereich des Konsulats von Temeswar vier Außengrenzen (Ukraine, Ungarn, Serbien, Bulgarien) zu betreuen sind. Die erst 2012 fertig gestellte Autobahn führt über Arad aus Ungarn kommend Richtung Temeswar, Lugosch/Lugoj. Diese wird das Interesse an der Region zusätzlich steigern.
Für uns sind solche  Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand nicht vertretbar! 
Wir protestieren heftigst gegen diese Maßnahme, da sie nicht nachvollziehbar, ungerecht und zur Minderung der Wertschätzung der Bundesrepublik Deutschland in der Nordwest- und Westregion Rumäniens beitragen würde.
Daher bitten wir Sie, die Entscheidung zurück zu nehmen bzw. zu revidieren!
Wir laden Sie bei einem Ihrer nächsten Rumänienbesuche herzlich ein, die Region zu besuchen, um sich von der Richtigkeit einer positiven Entscheidung in dieser Richtung persönlich zu überzeugen.
Ein sinnvoller und konstruktiver Kompromiss, den wir Ihnen hiermit vorschlagen, wäre die Erhaltung der Vertretung der Bundesrepublik Hermannstadt/Sibiu als Konsulat bei Beibehaltung der konsularischen Vertretung in Temeswar.
Diese Maßnahme würde auch der deutschen Minderheit in der West- und Nordwestregion mehr als gerecht. Es ist die, laut Volkszählung, zahlenmäßig weitaus stärkste deutsche Volksvertretung in Rumänien. Und sie liegt im Zuständigkeitsbereich des Konsulats Temeswar.
Auch möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass viele unserer Mitgliederfirmen bevorzugt Vertreter der deutschen Minderheit nicht nur wegen der Sprachkompetenz, sondern auch wegen der Mentalitätsnähe einstellen.
Rumänien ist zwar Mitglied der Europäischen Union, wirtschaftlich, verwaltungstechnisch und infrastrukturell jedoch noch längst nicht auf dem Standard, den man sich vielleicht in der Bundesrepublik Deutschland  vorstellt.
Erfahrungsgemäß wenden sich vor allem mittelständische deutsche Unternehmen primär aus informationstechnischen Gründen an das Konsulat in Temeswar, ehe sie in der Region investiv tätig werden – und damit auch in Deutschland Arbeitsplätze erhalten.
Sehr geehrter Herr Minister, wir hoffen sehr, dass sich in der Angelegenheit eine positive Lösung finden wird und verbleiben im Namen der 52 Mitgliedsfirmen
 hochachtungsvoll und mit freundlichen Grüßen
 Manfred Engelmann, M.A.,
Präsident des DRW Arad
 
 
 
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allerhand abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s