Kommt jetzt die Hochschulkrise?

Die jämmerlichen Ergebnisse der Bakkalaureatsprüfung der Absolventen des Jahrgangs 2010/11 reflektieren sich jetzt in schwachen Besetzungen der subventionierten Studienplätze an vielen kleinen und mittleren Hochschulen. Die Hermannstädter „Lucian-Blaga“-Universität konnte in der ersten Aufnahmesession 47,5 Prozent der staatlich subventionierten Studienplätzen belegen (53,3 Prozent der Kandidaten hatten das Bakkalaureat bestanden). Die Temeswarer West-Universität schaffte es, 68,5 Prozent der Studienplätze des Wintersemesters 2011/12 zu besetzen, hat aber traditionell ein viel weiteres Einzugsgebiet der Studenten (in Temesch bestanden 32,9 Prozent das Bakkalureat, in Karasch-Severin 26,2 Prozent, in Arad 37,4 Prozent und in Hunedoara 38,1 Prozent). „Babes-Bólyai“ in Klausenburg und „Alexandru Ioan Cuza“ in Jassy/Iasi haben nahezu die 100 Prozent (mit einigen Fakultäten als Ausnahme) geschafft, ebenso die Hochschule für Wirtschaftswissenschaften in Bukarest – aber das sind schon die Ausnahmen in einer sich ausdünnenden Hochschullandschaft.
Im Banater Bergland schafften 26,2 Prozent der Kandidaten die Prüfung – an der Reschitzaer „Eftimie Murgu“-Universität sind 28 Prozent der Studienplätze des ersten Jahrgangs belegt. An der Universität Pite{ti sind 42 Prozent der Studienplätze belegt – bei einer Versetzungsquote beim Bakkalaureat von 37,1 Prozent.
Das Unterrichtsministerium hat das Hochschulwesen Rumäniens ins Wanken gebracht, indem es bei der Nationalen Prüfung erstmals das Abschreiben fast unmöglich gemacht hat. Gegen Monatsende wird die Klassifizierung der Hochschulen veröffentlicht – wo der realen wissenschaftlichen Forschung ein entscheidender Rang zugeordnet wird. Das dürfte die Hochschullandschaft Rumäniens stark verändern. Denn die staatlichen Gelder für eine durchschnittlich untermittelmäßige Hochschulbildung werden neuverteilt – eine andere Lösung bei der bis 2014 geltenden Budgetbeschneidung für das Unterrichtswesen, von sechs auf 3,8 Prozent kann es gar nicht geben – und die so lukrativen honorarpflichtigen Studienplätze werden bei vorauszusehend ähnlichen Prüfungsergebnissen der bald beginnenden Herbstsession des Bakkalaureats verschwinden.
Clevere Hochschulleitungen haben bereits klein beigegeben und kunkeln in diesen Hochschulferien eifrig Zusammenschließungspläne aus. Suceava ist da, laut Pressemeldungen, weit fortgeschritten und dabei, die Bukowina als Hochschullandschaft auf sich zu fokussieren. Auch in Südrumänien ist einiges im Gang. Die großen Hochschulen (Rektor Vasile Isan aus Jassy: „Schriftliche Aufnahmeprüfungen sind zur Hypokrisie geworden, die nichts in kollektivistischen Hochschulwesen lösen können!“) suchen „Differenzierungen der Eliteuniversitäten, der dezenten Unis und der drittrangigen Hochschulen“ (Isan).
So antidemokratisch der Unterrichtsminister mit den neuen Schulgesetz vorgegangen ist – es zeitigt Ergebnisse. Ob sie die idealen sind?
Werner Kremm
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