Jedes Rezept hat seine eigene Geschichte

Der Koch „uica Mihai“
Der Koch Mihai T. Ioan erzählt über seine Leidenschaft
Von Ana Saliste
Die Reschitzaer kennen ihn vom Restaurant „Puiul de aur“, das er früher in Reschitza betrieben hat. Die Temeswarer haben ihn auf den verschiedenen Kochmessen getroffen. Doch die meisten kennen ihn von der Fernsehsendung „Ca la mama acas“ („Wie bei Mutter zu Hause“), die bei TVR Temeswar und TVR3 ausgestrahlt wird. Eigentlich will der Koch Mihai Ioan, bekannt als „uica Mihai“, das „slow food“ fördern, also das Gegenteil von “fast food“, wie er zu sagen pflegt. Er präsentiert traditionelle Gerichte auf besondere Art. Der Koch ist aber nicht nur kreativ in der Küche – seit Jahren forscht er in über 200 Jahre alten Rezepten
Mihai Ioan bereitet gerade eine neue Portion Pflaumeklöße vor. Auf seinem dunkelfarbigen Hemd klebt Mehl. Schnell reicht er dem nächsten Kunden drei Stück von den leckeren Delikatessen, nachdem er diese sorgfältig mit saurer Sahne und hausgemachtem Fruchtsirup belegt. Ein bisschen Müdigkeit lässt sich in seinem Blick entdecken. Sonst bewegt sich der Koch aber weiterhin energisch um seinen Stand und unterhält sich mit den zahlreichen Bekannten, die vorbeischauen. Etwa 800 Stück hat er bereits an diesem zweiten Tag der Kochmesse „Cupa-Banatului“ geschafft. Viele Temeswarer stehen bereits Schlange und warten gespannt auf eine Portion Pflaumenklöße. Manche schauen sich neugierig um und wissen nicht, was sie vor sich haben, andere begrüßen den Mann ganz freundlich, manche umarmen ihn, andere machen mit ihm Witze. Denn für viele ist uica Mihai eine beliebte Persönlichkeit im Banat, insbesondere in Temeswar.
 Jedes Rezept mit seiner Geschichte
Ob frittieren, garen, backen oder kochen, der Koch ist für seine unzähligen Rezepte bekannt und beliebt geworden. 200 E-Mails am Tag bekommt er. „Entweder sind es Feedbacks von meinen Zuschauern, die meine Rezepte ausprobiert haben, oder sie schlagen selbst ihre eigenen Rezepte vor“, erklärt uica Mihai stolz.
Sein Blog (www.uicamihai.blogspot.com), wo er zahlreiche Rezepte in Form von Kurzgeschichten aufschreibt, zählt wöchentlich über 2.000 Besucher. Ob Wintersuppe mit Schweinespeck, „Kartoffeligel“, Suppe in drei Farben oder Hochzeitssuppe – auf seinem Blog lassen sich sogar Rezepte für ungewöhnliche Speisen finden. „Viele Rezepte habe ich aus ganz Banat gesammelt. Ich war früher Volksmusiker und konnte dadurch in vielen Banater Ortschaften auftreten. So bin ich auch auf viele Kochrezepte gestoßen“, erzählt Mihai Ioan, der jetzt in Busiasch/Buzias lebt und dort einen kleinen Imbissstand betreibt. Bei manchen Speisen erzählt er, wie er auf die Idee gekommen ist: So sind ihm eines Tages, bei der Zubereitung von Aprikosenkompott, das im Banat oft mit Fleischbraten serviert wird, zahlreiche Aprikosenkerne übrig geblieben. Da ist ihm aufgefallen, dass der Mandelgeschmack der Kerne eigentlich mit Reis gut zusammenpasst. Daraus ist letztendlich das Rezept entstanden: grüne Paprika, gefüllt mit Reis, gebratenen Aprikosenkernen, Tomaten und Zwiebeln. „Eine Speise mit dem Geschmack der Kindheit“, beschreibt sie uica Mihai.
Seine Lieblingsspezialität: Brot mit Geräuchertem
Die Leidenschaft fürs Kochen hat Mihai Ioan bereits mit 11 entdeckt. Da verbrachte er viel Zeit in der Küche des Restaurants in Franzdorf/Valiug – ein Familienunternehmen. Das richtige Kochen erlernte er aber in Nürnberg, wo er vier Jahre gelebt hatte. Am liebsten mag der Reschitzaer Koch, Brot zu backen. Da sei er Spezialist, sagt er. Seine Lieblingsspezialität: „pita boanfa“, ein Brot, das mit Geräuchertem gefüllt wird. Kuchen und Süßwaren seien nicht seine Stärken. „Die sollte man besser Frauen überlassen, sie machen es besser“, sagt Mihai Ioan lächelnd. Zu seinen Lieblingsspeisen nennt er den Auberginensalat und das Paprikasch. Gern kocht er auch verschiedene Speisen vom Hühnchen. Vor einigen Jahren betrieb er das Restaurant „Puiul de aur“ in Reschitza, die Speisekarte umfasste über 25 Gerichte mit Hühnerfleisch. Das kleine Geschäft musste er aber vor etwa einem Jahr aus Gesundheitsgründen schließen.
Nun hat der Koch aber andere Pläne: Künftig soll uica Mihai öfter in der Temeswarer Innenstadt zu treffen sein. „Ab Anfang Dezember werde ich jährlich drei Kochmessen am Temeswarer Opernplatz veranstalten, mit Unterstützung der Temeswarer Stadtverwaltung“, sagt er. In den kommenden Monaten werden auch drei Kochbücher von ihm mit der Zeitung „Jurnalul National“ erscheinen.
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