Buchtipp des Sommers

Sarahs Schlüssel von Tatiana de Rosnay
 as. TemeswarIm Zentrum des Romans „Sarahs Schlüssel“ (rumänischer Titel: „Se numea Sarah“) steht die Zusammenarbeit der französischen Polizei mit den Nazis im Zweiten Weltkrieg. Die französische Polizei wurde zum willigen Helfer der Judendeportation – ein langjähriges Tabu-Thema in Frankreich.
Man könnte glauben, der Roman würde mit dem Höhepunkt beginnen: Eine Pariser Wohnung im Juli 1942. Die 10-jährige Sarah und ihr Bruder schrecken auf, wenn die Polizei vor ihrer Wohnungstür steht, um sie und ihre Eltern zu verhaften. Sarah ist vollkommen erschrocken, trotzdem bleibt sie ruhig und versucht ihren kleinen Bruder zu retten: Sie sperrt ihn in einen versteckten Wandschrank ein, versorgt ihn noch mit Wasser und verspricht, ihn so schnell wie möglich wieder herauszuholen, wenn die Gefahr vorbei ist.
Die Kleine ist fest davon überzeugt: Es ist nur ein irrtümlicher Fehler, sie würden bald zurückkommen. Denn es handele sich ja um die französische Polizei, die würde ihnen nichts antun. Sie hält den Schlüssel des Schranks fest und wartet darauf, dass sich die Behörden ihres „Missverständnisses“ bewusst werden. Nicht einmal der bösartige Blick ihrer Hausmeisterin erschüttert das Mädchen. Auf dem Weg zum Lager, gesteht sie dem Vater das Geheimnis, in der Hoffnung, ihn aufzumuntern. Doch dessen Tränen, Schmerz und Verzweiflung erschüttern die Kleine: es wird ihr klar, sie werden nie nach Hause zurückkehren, denn sie fahren in ein Konzentrationslager.
Es ist der 16. Juli 1942 – ein dunkler Tag in der Geschichte Frankreichs.  An diesem Tag durchkämmt die französische Polizei ganz Paris nach Juden. Rund 13000 Juden – darunter mehr als 4000 Kinder – aus Paris und den Vororten werden verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Das Pariser Vélodrom d’Hiver dient dazu, die zusammengetriebenen und von der französischen Polizei  – auf Befehl der NS –  verhafteten Juden unter schweren menschenunwürdigen Bedingungen bis zur Deportation festzuhalten. Auch Sarah kommt in das Übergangslager, aus dem sie jedoch fliehen kann. Sie gelangt auf einen Bauernhof, deren Besitzer, ein älteres Ehepaar, ihr zu helfen versuchen.
Der Roman spielt in zwei Erzählebenen, die erste beginnt im Juli 1942 und die zweite im Mai 2002. Die Hauptfiguren sind, einerseits, das jüdische Mädchen Sarah Starzynski, und andererseits Julia Jarmond, eine amerikanische Journalistin, die seit 25 Jahren in Paris lebt und mit einem egozentrischen Pariser verheiratet ist. Anlässlich des 60. Jahrestages des Vélodrome d’Hiver, muss sie darüber einen Artikel schreiben. Bei den Recherchen entdeckt sie, dass die Wohnung ihrer Schwiegereltern die gleiche ist, in der Sarah gelebt hat. Julia geht diesem Familiengeheimnis nach und sorgt dafür, dass diese Tragödie nicht in Vergessenheit gerät. Ein psychologischer und historischer Roman, zu einem schmerzhaften Thema. Das Werk lässt sich schnell lesen und bietet eine erfolgreiche Verflechtung von Gegenwart und Vergangenheit.
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