Zur geplanten Schließung des Deutschen Konsulats Temeswar

Temeswar/Timisoara ist nach Bukarest noch immer die zweitstärkste Wirtschaftsregion Rumäniens, was durch geringe Arbeitslosigkeit und eine große Zahl an Konsumenten deutlich wird.
Nicht nur deutsche Konzerne haben deshalb hier investiert, sondern in deren Sog sind, teils zeitversetzt, viele kleine und mittelständische deutsche Unternehmen (KMU) gefolgt. Es sind dies vor allem Zulieferer, Spezialisten und Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor, die Nischen erkannt haben und ein großes Savoir-faire mitbringen.
Bei der Wahl des Standortes gab den Ausschlag die Lage im Westen und somit die gute Verkehrsanbindung, die Förderung des deutschsprachigen Unterrichts im Hinblick auf Ausbildung und qualifizierte Arbeitskräfte, das gesellschaftliche Leben in Form eines reichen kulturellen Angebotes in deutscher Sprache und nicht zuletzt die deutsche Repräsentanz in Form des Konsulats, das Zugang erschließt zu politisch-administrativen Kontakten – essentiell für die geschäftliche Tätigkeit.
Wie oft wird das Konsulat angerufen, um in Temeswar Türen zu öffnen.
Wer die lokalen Gegebenheiten kennt, weiss, das das Konsulat Dreh- und Angelpunkt des gesellschaftlichen Lebens ist, Rückhalt gibt, um Projekte auf den Weg zu bringen, Kulturgut zu erhalten und wieder zu beleben. Das geht oft nur durch persönlichen Einsatz, weil die Nähe zur deutschen Investorengemeinschaft und zur deutschen Minderheit der Banater Schwaben gegeben ist. Man kennt sich eben.
Das alles soll es in absehbarer Zukunft nicht mehr geben.
Wie kurzsichtig gedacht von der deutschen Politik, auf halbem Wege stehen zu bleiben. Kennen diejenigen, die diese Entscheidung herbeigeführt haben, denn wirklich die tatsächlichen örtlichen Gegenheiten und die Probleme deutscher mittelständischer Investoren? Die sehr oft diesen Schritt tun, um Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Die dies nicht – wie die großen Konzerne durch Macht und Geld – sondern durch ständigen persönlichen Einsatz tun. Die nach wie vor in Deutschland Steuern bezahlen und durch ihre Präsenz auch den rumänischen Markt, seinerseits, als Abnehmer deutscher Exporte, stärken.
Zwar ist der Mittelstand angeblich der Rückhalt der Wirtschaft, aber im Zweifel ist ein Konzern der Politik natürlich lieber als ein kleines mittelständisches Unternehmen.
Die deutschen Mittelständische Unternehmen fühlen sich durch die Schliessung des Konsulats allein gelassen. Kenner des rumänischen Marktes wissen, dass Know-how und ein offensichtlicher Wettbewerbsvorteil nicht ausreichen, Fuß zu fassen und Marktanteile zu erlangen. Mag es Konzernen gelingen, sich Gehör zu verschaffen, sie sind ja groß, so benötigen hauptsächlich KMU Rückenstärkung durch die deutsche Politik und ihre diplomatischen Repräsentanten, nah und zeitnah. Wie nah sind uns denn in Wirklichkeit Bukarest und Hermannstadt/Sibiu?
Ein wahrer Pilgertourismus nach Hermannstadt, vor allem hochkarätiger deutscher Politiker (darunter Ministerpräsidenten, Minister und Europaabgeordnete), ist, auch um das Steuergeld der Unternehmen mit Standort Banat, festzustellen. Schade, dass sie sich nicht die Mühe machen, durch ihre Anwesenheit die wirtschaftliche Schlagkraft deutscher Investoren im Westen und die Identität der Banater Schwaben zu stärken.
Wie leicht ist es auch, mit dem Finger auf eine Nation zu zeigen und als Schmuddelkinder (korrupt, für Schengen ungeeignet) zu brandmarken. Ein eklatanter Widerspruch, zu behaupten, dass einerseits das Land noch nicht die notwendige Reife hat, andererseits jedoch nur noch verminderter deutscher politisch-diplomatischer Vertretung bedarf. Allgemein sollten Konsulate gerade in solchen Regionen erhalten werden, um die in beiden Kulturkreisen beheimateten Investoren und Minderheiten, die einen deutlichen Beitrag zur Aufhebung dieser Missstände leisten, zu stärken. Außerdem: Das Konsulat in Temeswar ist die einzige deutsche diplomatische Vertretung in Rumänien, die sich in unmittelbarer Nähe des (noch) Nicht-EU-Raums befindet.
Mit der Schließung des Konsulats im Temeswar, Westrumänien, öffnet man ohne Not die Flanke und gibt erreichtes Terrain auf. Es wird später wesentlich mehr Geldeinsatz kosten, die deutsche Wirtschaft in diesem Landstrich zu stärken, als den jetzigen Status Quo zu erhalten und für ihren kontinuierlichen Ausbau zu sorgen.
Ich fordere entschieden den Erhalt des Konsulats.
Ramona Lambing,
Deutsche und Temeswarer Unternehmerin Im Tourismusbereich
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3 Antworten zu Zur geplanten Schließung des Deutschen Konsulats Temeswar

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Klasse. Sie sollten den Artikel auch Außenminister Westerwelle zusenden.

    Dr. h.c. Klaus-Peter Marte
    Karnerstrasse 2
    9020 Klagenfurt

  2. Edwin Biehl schreibt:

    Das deutsche Konsulat sollte erhalten bleiben. Ich erinnere nur an die Unterstützung bei der Hochwasserkatastrophe 2005. Auch sonst hat das deutsche Konsulat viele Unterstützung geleistet.
    Ganz abgesehen von den alltäglichen Routineaufgaben.

  3. Jakob. Lehmann schreibt:

    Es ist kaum zu glauben was so ein Politiker imstande ist zu vernichten, nur weil er die Verhältnisse und die Umstände in diesem Land und dieser Region nicht kennt. Lasst den Deutschen im Banat dieses Konsulat un d macht sie nicht noch ärmer als sie jetzt schon sind.

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