Vermittler des Unaussprechlichen: Sorin Vreme

Sorin Vremes Selbstbildnis mit 30 ausgestellt in der Dalles Galerie, Bukarest
Mit Installationskunst das normale Alltagsgrau färben
Er wollte eigentlich in Bukarest Grafik studieren, ist jedoch auf Umwegen zur Video- und Installationskunst gekommen. Die Aufnahmeprüfung am Nicolae Grigorescu Institut für bildende Künste hatte Sorin Vreme mühelos bestanden, doch studieren kam Anfang der 1980er nicht in Frage. Vorrang hatte der Militärdienst. Weil der begehrte Grafikstudiengang nur alle zwei Jahre angeboten wurde, musste Vreme nach Abschluss seiner Militärzeit zur Monumentalkunst wechseln, die er 1987 absolvierte. Er musste nach C²l²ra{i umsiedeln, folgte aber bald seiner damaligen Frau nach Großwardein/ Oradea, wo er Mitglied der Künstlergruppe Atelierul 35 Oradea wurde. So schaffte es Vreme, die Nähe zu seiner Heimatstadt Temeswar/Timisoara zu bewahren. Monumentalkunst blieb für Vreme nur während seines Studiums interessant. Besonders nach der Wende machte sich der Künstler mit Installations- und Videokunst einen Namen. Weder in die Fußstapfen seines Vaters, dem Maler Leon Vreme, noch in die Fußstapfen seiner Mutter Xenia Eraclide Vreme ist der Videokünstler getreten. Dafür aber sein Bruder, der eine kleine Grafikdesign Firma leitet.
Sorin Vremes Projekte sind nur selten für Galerieräume gedacht. Seine beeindruckendsten Arbeiten fand man in Treppenhäusern oder auf Straßen wieder. Das macht der Reiz der Installationskunst aus. Hier wird der urbane Alltag zur Leinwand, wo der Künstler die Realität aufpeppt. Ein wenig kindliche Fantasie gepaart mit einem Schuss Wahnsinn soll das normale Alltagsgrau färben. Vreme betrachtet seine Kunst da bescheidener.
1997, auf der Biennale di Venezia, installierte Vreme in einem Treppenhaus ein komplexes Kabelsystem mit Verteilerboxen. Die Geschichte der rumänischen Volksmärchenfigur Fat-Frumos erklang aus den Boxen und wanderte durch das ganze Haus, sodass die Information fragmentarisch wiedergeben wurde. Vreme nannte das Projekt „Ewige Jugend und Leben ohne Tod“. Für das Projekt erhielt er Unterstützung von der rumänischen Telefongesellschaft Romtelecom und von Radio Temeswar. Von Sponsoren hängt seine Arbeit immer ab, weil er für die aufwändigen Installationen immer Material braucht. „Ein Künstler arbeitet nicht ausschließlich mit Ideen,“ erklärt Vreme. „ Es kommt auch auf das Material an, das ihm zur Verfügung steht.“
Nicht anders ergeht es dem Schriftsteller, der mit Worten arbeiten muss oder dem Maler, der mit Pinsel und Farben seine Ideen auf eine weiße Leinwand projiziert.
„Auch Gabriel Liiceanu meint über den Vogelflug, dass er von der Schwerkraft abhängt,“ meint Vreme. „Ohne Schwerkraft würde man ziellos herumschweben.“
Man lässt sich als Künstler leiten und hofft auf keinen Blindflug. Aber ein gescheitertes Projekt ist für Vreme kein Weltuntergang, sondern der Beginn von etwas Neuem.
1993 überraschte Sorin Vreme in Bukarest Kritiker mit seinem „Selbstbildnis mit 30“. Hier brachte der Künstler Video- und Installationskunst zusammen.  Sieben Bildschirme in einer sarkophagähnlichen Box zeigten sieben geometrische Figuren, die Ausschnitte eines menschlichen Körpers darstellten. Das chinesische Legespiel Tangram diente als Vorlage für Vremes unkonventionelles Portrait.
Im Herbst 2012 soll in der Jecza Galerie eine Einzelausstellung folgen. Im Mittelpunkt wird Sorin Vremes Videokunst stehen.
Robert Tari
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