Einfach? Anders?

Die staatliche Kompanie für Autobahnen und Nationalstraßen CADN hatte im Mai gegenüber Bechtel, dem auf unlautere Art (ohne Ausschreibung) zum Bau der Siebenbürgenautobahn gelangten amerikanischen Konzern, 90,4 Millionen Lei Schulden. Der Konzern, der im Januar seine Arbeiten unterbrach und noch nicht wieder aufnahm, hat seit dem 16. Juni 2004, als seine erste Baustelle eröffnet wurde, rund 80 km (52,5 km zwischen Thorenburg/Turda und Klausenburg/Cluj-West und 41,5 Prozent der 64 km langen Strecke Suplacu de Barc²u-ungarische Grenze bei Bors) fertiggestellt. Zu einem Preis von streckenweise über 20 Millionen Lei/km, das Dreieinhalbfache des europaweit Üblichen. Verkehrsministerin Anca Boagiu versucht nun, „Preisnormalität“ durchzusetzen.
Rumänien liegt unter den EU-Staaten an letzter Stelle bezüglich dem Anteil von Autobahnen am Straßenverkehrsnetz insgesamt und bezüglich der jährlich in Betrieb genommenen Autobahnkilometer: zehn. Gegenüber 50,3 km in Ungarn, 101,3 in Portugal, 440 in Spanien – laut Europäischem Statistikamt Eurostat der Rekordhalter.
Nun sind die Amerikaner bereit, weitere 64 km Siebenbürgenautobahn zu bauen, zum Preis von sechs Millionen Euro/km, wenn der rumänische Staat von den 90,4 Millionen Euro Schulden von CADN abzahlt. Anca Boagiu signalisierte Bereitschaft und der Vertrag wird dieser Tage unterschrieben.
Dass ein Konzern bereit ist, Baukosten um bis zu 70 Prozent zu verringern, zeigt, wie unverschämt die früheren Baukosten aufgebauscht waren. Auch bezahlt wurden. Zum Vergleich: die Firmen der Westautobahn –  Deva/Diemrich-Broos/Orastie, Arad-Temeswar – forderten sieben Millionen bzw. 5,5 Millionen Euro/km.
Die 415 km Siebenbürgenautobahn sollten erst um 2,2 Milliarden Euro gebaut werden. Die geschätzte Summe stieg inoffiziell auf 5,5 Milliarden, um vor dem Einstellen der Bauarbeiten im Januar 2011 gerüchteweise irgendwo bei sieben bis neun Milliarden Euro anzukommen. Boagiu: „Dieser Vertrag hat uns weder Ehre noch Ansehen gebracht, auch keine Gewinne (Anm.d.Red.: die damalige Regierung hoffte, dass Bechtel rumänischen Firmen Unteraufträge beim Wiederaufbau des Iraks zuschanzen würde, wie ihr selbst in Rumänien der Bau der Autobahn praktisch unter der Hand zufiel).“
Die Weltbank schlussfolgert über das rumänische Verkehrswesen: „Das Portefeuille von Projekten im rumänischen Transportwesen widerspiegelt das Fehlen jedwelcher Strategie.“ Eine Bewertung auch der „Profi-Transportminister“ Traian Basescu, Radu Berceanu und Anca Boagiu, die alle wiederholt das Verkehrsministerium leiteten. Oder?
Ein mir bekannten „Profi-Minister“, der viermal in vier verschiedenen Regierungen in Bukarest Minister war, antwortete auf die Frage, wie man in einem Ministerium die Arbeit aufnimmt: „Du bestellst die Staatssekretäre und Abteilungsleiter und lässt dir berichten, was so im Ministerium laufe und wie viel Geld es noch gibt, dann bestimmst du Prioritäten, setzt aber praktisch fort, was deine Vorgänger begannen. So ist es am Einfachsten.“
Macht es Anca Boagiu diesmal anders?
Werner Kremm
 
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3 Antworten zu Einfach? Anders?

  1. Rudz schreibt:

    was ist eine Kompanie???????

  2. Rudy schreibt:

    was ist eine Kompanie????

  3. banaterzeitung schreibt:

    eine Gesellschaft :)

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