Buchtipp des Sommers

Das Buch ist im Polirom-Verlag erschienen und kostet 17 Lei.
Kazuo Ishiguro: „Alles, was wir geben mussten“
 Wie kann das sein, mit einer einzigen Bestimmung geboren zu werden: Auf gesunde Ernährung achten, einen gesunden Körper pflegen, bis der Zeitpunkt kommt, wenn man die Organe, eins nach dem anderen, abgeben muss. Ein langsames Aussterben. Nur weil das eigentlich die einzige Bestimmung von Klonen ist. Doch was, wenn es sich herausstellt, dass Klonen selbst Geist und Seele haben? Einen Klonroman hat Kazuo Ishiguro mit „Alles was wir geben mussten“ (rumänischer Titel: Sa nu ma parasesi) abgegeben. Das Thema wirkt technisch und kalt, der Roman ist aber genau das Gegenteil: Ishiguro schafft eine warme, jedoch traurige und  bewegende Erzählung.
Eine Kantine, ein Sportplatz und getrennte Schlafsäle – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches Internat für Jungen und Mädchen zu sein. Doch dann fügt Schriftsteller Kazuo Ishiguro in seinen Roman „Alles, was wir geben mussten“ schrittweise immer neue und komische Details ein: Die Lehrer, so nett und engagiert sie auch sind, werden „Aufseher“ genannt und lassen die Kinder früh spüren, dass ihnen ein besonderes Schicksal auferlegt worden ist. Eine Lehrerin schreckt immer wieder auf, wenn ihr die Kinder zu nahe kommen und vermeidet es, sie anzufassen. Da tauchen unbeantwortete Fragen auf, die die drei Hauptgestalten Kathy, Ruth und Tommy verbindet. Alle Kinder dieser Erziehungsanstalt sind elternlos und zu einem ganz bestimmten Zweck auf der Welt. Doch trotz ihrer Isolierung von der Außenwelt, im lieblichen Hügellandschaft gelegenen Internat, bleiben den Kindern die Gefühle der Liebe und Leidenschaft nicht fremd. In der gleichen Zeit aber beginnen die drei Freunde, sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen und verstehen ansatzweise, was es mit ihrem Lebensinhalt, dem „Spenden“ und „Vollenden“, zu tun hat.
In einer schlichten Sprache aber mit erzählerisch raffinierten Mitteln webt der in Japan geborene und heute in England lebende Kazuo Ishiguro den Leser in seine Geschichte ein. Sachter kann man nicht hineingeführt werden in eine scheinbar idyllische Welt, die sich zunehmend als bedrückende Zukunftsvision entpuppt. In den Rückblicken Kathys wird alles noch einmal lebendig: Ruth, Kathys beste Freundin. Der rebellische und von allen verspottete Tommy, der Kathy vertraut, letztendlich jedoch eine Beziehung mit Ruth eingeht. Der Schulalltag und die rigorosen Überwachungsmechanismen. Die unausgesprochenen Fragen. Die seelische Rebellion, die eigentlich nie ausbricht. Die Liebe fürs Leben, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
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