Lesetipps für den Urlaub

Gute Lektüre zum Sonderpreis
Bücher von Heinrich Böll und Nora Iuga zu Sonderpreisen
Stehen Sie schon in den Startlöchern für Ihren Sommerurlaub? Sie überlegen immer noch, welche Bücher Sie ganz entspannt in einem Liegestuhl unter der warmen Sonne schmökern können? Die BZ hat sich mal das Angebot in den Temeswarer Buchhandlungen angeschaut und bietet nun einige Lesetipps für den Urlaub. Gute Lektüre findet man sowohl unter den Neuerscheinungen aber auch bei den zahlreichen Sonderangeboten.
Wer Lust auf ausgezeichnete Literatur hat, sollte sich mit Nora Iugas Romane eine gemütliche Leseecke suchen. „Ihre Romane zählen zu den meistverkauften Büchern in den letzten Wochen“, sagt Octavia Sandu, Buchhändlerin bei der Buchhandlung „Joc secund“ in Temeswar/Timisoara. „Berlinul meu e un monolog“ (Mein Berlin ist ein Monolog) wird derzeit am meisten verkauft. Es geht um ein Berliner Tagebuch, in dem die Schriftstellerin und Übersetzerin von Elfriede Jelineks „Die Klavierspielerin“ ihre Eindrücke schildert, sowohl über die deutsche Hauptstadt als auch über ihre Beziehungen zu anderen rumänischen Schriftstellern oder zu den Schriftstellern, deren Werke sie übersetzt hat, darunter auch Herta Müller. Gesucht werden auch ihre zwei anderen Bücher: „Sapunul lui Leopold Blum“ (Die Seife von Leopold Blum) und „Hai sa furam pepeni“ (Lass uns Wassermelonen stehlen). Das Erste kann man im Sonderangebot für 10 Lei erwerben.
Zu den Neuerscheinungen in den Temeswarer Buchhandlungen zählt auch der Roman „Sa nu mori“ (Du stirbst nicht) der deutschen Autorin Kathrin Schmidt, die dafür den Deutschen Buchpreis 2009 erhielt. Eine rührende Geschichte über Heilung, Lebenskraft und Mut. Die Schriftstellerin erlitt 2002, im Alter von 44 Jahren, eine Gehirnblutung und verlor die Fähigkeit, sich zu bewegen und zu sprechen. Der Roman setzt eben an diesem Punkt an. Die Gestalt Helene Wesendahl findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Der Autorin gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zweigt einen Weg der Genesung, der gleichzeitig nach vorn und zurück führt. Der Roman überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neuanfangs.
Ein weiteres Meisterwerk, das derzeit in den Buchhandlungen zu finden ist, ist der Künstlerroman des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq „Harti si teritoriu“ (Karte und Gebiet). Michel Houellebecq, Enfant terrible der Literaturszene, hat hiermit das Buch geschrieben, das eigentlich niemand erwartet hätte: Zum Einen, weil der einstige Provokateur-Autor, der in seinen früheren Romanen („Elementarteilchen“, „Ausweitung der Kampfzone“ u.a.) mal alle moralischen Werte zerstückelte und nun gereift und melancholisch wie nie erscheint. Zum Anderen, weil er sich im Buch seinen eigenen bestialischen Mord inszeniert. Der Roman ist eine ironische und kritische Schilderung über Liebe und Tod, über Kunst und Geld, jedoch mit einer für Houellebecq untypischen Zartheit.
Auch der neueste Roman des peruanisch-spanischen Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa „Visul celtului“ (Der Traum des Kelten) steht derzeit auf den Regalen. Das Buch handelt vom irischen Nationalisten Roger Casement, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Missstände im Kongo angeprangert hatte und wegen seiner Teilnahme an einer Revolte in Dublin später erhängt wurde.
Aber auch bei den Sonderangeboten kann man gute Lektüre finden: Zum Sonderpreis (10 Lei) kann man nun bei den Humanitas-Buchhandlungen den Roman „Maseurul orb“ (Der blinde Masseur) von Catalin Dorian Florescu erwerben. Der Roman schildert die Geschichte eines blinden Büchernarren in einem rumänischen Kurort, der sich dort von den Dorfbewohnern aus den Büchern der Weltliteratur vorlesen lässt. Dabei gelingt es dem in der Schweiz lebenden Autor, ein liebevolles und gleichzeitig sarkastisches Bild des neuen und alten Rumäniens zu schaffen. Auch bei den Sonderangeboten stehen die Romane „Die Ansichten eines Clowns“ und „Billard um halb zehn“ von Heinricht Böll aber auch Dan Lungus „Cum sa uiti o femeie“ (Wie man eine Frau vergisst). Zugleich sind bekannte Werke wie „Lolita“ von Vladimir Nabokov, „Der große Gatsby“ von Francis Scott Fitzgerald oder „Die Stunden“ von Michael Cunningham in der Polirom-Sammlung „Top10+“ erschienen. Die Bücher aus dieser Sammlung werden zu einem billigeren Preis angeboten.
Ana Saliste
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4 Antworten zu Lesetipps für den Urlaub

  1. Seidenbettwäsche schreibt:

    Heinrich Böll ist mein Lieblingsautor….derbe coole Bücher..

  2. Vielen Dank für die tollen Tipps. Jetzt habe ich für meinen Urlaub in zwei Wochen endlich eine Wunschliste für Lektüre. Schade, dass ich immer nur dann richtig ausgiebib zum Lesen komme. Aber um so besser, dass ich jetzt weiss, was sich lohnt durchzuschmökern!

  3. Jens Kielhorn schreibt:

    Liebe Frau Saliste,

    ich finde es schön, dass Sie Leseempfehlungen geben. Aber warum nur rum. Bücher und rum. Übersetzungen deutscher Bücher?
    Wir betreiben seit Februar in Temeswar eine deutsche Buchhandlung, die Buchhandlung am Dom, die den Temeswarer Lesern alle in Deutschland lieferbaren Bücher zum Originalpreis besorgen kann (Ich glaube, Sie waren bei der Eröffnung auch zugegen).
    Es besteht also kein Hinderungsgrund, Ihren Lesern auch Bücher in deutscher Sprache zu empfehlen. Ich würde mich sehr darüber freuen.

    Vielen Dank für Ihr Entgegenkommen.

    MfG,

    Jens Kielhorn

    Büchercafe ERASMUS, Hermannstadt

    • banaterzeitung schreibt:

      Lieber Herr Kielhorn,

      wir verstehen Ihre Verwunderung und teilen natürlich Ihre Ansicht, müssen aber auch bedenken, zu welchen Büchern wir Zugang haben. Natürlich wäre es gut, auch Bücher in deutscher Sprache vorzustellen, können uns aber als Journalisten nicht erlauben, ein Buch nach seinem Umschlag zu beurteilen und nicht nach dem Inhalt. Wir können nur jene Bücher vorstellen, die wir auch gelesen haben, damit wir unsere Leser kompetent informieren. Falls Sie uns aber mit Vorschlägen und dementsprechenden Büchern (auch Leihgaben) entgegenkommen wollen, wären wir natürlich bereit, auch diese vorzustellen.

      Die BZ-Redaktion

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