Konsulat auf der Kippe

Deutschlands Konsulat in Temeswar (im Bild) ist in Frage gestellt. Die baldige Schließung ist angesagt.
Die Reaktionen aus Temeswar
 Die baldige Schließung des Deutschen Konsulats in Temeswar/ Timisoara wird in Westrumänien als unangebracht gewertet. Banater Schwaben, Kulturschaffende, Unternehmer und Politiker reagieren negativ auf diese angesagte Maßnahme. In der Folge bringen wir einige Aussagen, von Personen, die wir zu diesem Thema per E-Mail befragten. Gesagt sei, dass sich ausschließlich alle Befragten gegen eine Schließung des Konsulats aussprachen. (st)
 Mit Bestürzung vernehmen wir – die Interessenvertreter der deutschen Investoren im Banat/Westrumänien – von den Plänen des Auswärtigen Amtes, nun das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland hier in Temeswar zu schließen und stattdessen „symbolisch“ einen Honorarkonsul zu ernennen.
Als Gründe werden wohl Sparzwänge genannt. Grundsätzlich begrüßen wir sehr wohl Ausgabenreduzierungen der öffentlichen Hand; jedoch hier in Westrumänien benötigen wir weiter die Unterstützung eines Berufskonsuls – zur Wahrung unserer berechtigten Interessen. (Auszug aus einem Schreiben des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat)
 Mit der beabsichtigten Schließung des Deutschen Konsulats verlöre die Deutsche Gesellschaft in Westrumänien, ein traditionell guter Wirtschaftsstandort, ihren wichtigsten Partner. 
Die Schließung in Temeswar und die Beibehaltung des Generalkonsulats in Hermannstadt würde Unfrieden in Deutschland und Rumänien zwischen den Banater Schwaben, der zahlenmäßig größeren Volksgruppe, und den Siebenbürger Sachsen schaffen. 
Schlauer wäre: eine Botschaft (in Bukarest) und zwei Konsulate (in Temeswar und Hermannstadt) statt wie vorgesehen, eine Botschaft und ein Generalkonsulat. Das würde die gleiche Einsparung bewirken, aber unter Bewahrung der Ausgeglichenheit zwischen den Volksgruppen. (Herbert Habenicht, Architekt)
 Die Schließung des Konsulates bedeutet für Westrumänien automatisch weniger Rechtssicherheit für deutsche Investoren sowie keinen Ansprechpartner vor Ort bei Beratungen. Durch fehlende Kontakte zur Politik, zur rumänischen Wirtschaft vor Ort, sind deutsche Unternehmen benachteiligt.
Es ist auch daran zu denken, wie kann das Konsulat Einnahmen generieren? Wie können wir dabei helfen? (Jürgen Schunn, Jürgen Schunn GmbH)
 Die Mitglieder der deutschsprachigen Radiosendung von Radio Temeswar erklären sich zutiefst entrüstet über die Entscheidung des Auswärtigen Amtes, das deutsche Konsulat in Temeswar zu schließen. Wir sind dagegen, weil diese Außenstelle sowohl für die deutschsprachigen Medien und Einrichtungen als auch für die Minderheit ein direkter Ansprechpartner und Unterstützer war und ist, der einen wesentlichen und unersetzlichen Beitrag zur deutschsprachigen Kultur-, Wirtschafts- und politischen Landschaft in Westrumänien leistet. (Astrid Weisz, Redaktionsleiterin der deutschen Sendung von Radio Temeswar)
 Die WERZALIT Lemn Tech SCS ist eine mittelständische Investition der Holzindustrie in Westrumänien. Vor über 10 Jahren wurden in Lugoj über 17 Mio.Euro investiert und 250 Arbeitsplätze geschaffen. Der Standort wird weiter ausgebaut.
Der Erfolg des Standortes beruht unter Anderem auf der guten Zusammenarbeit mit den Behörden und dem Informationsaustausch mit anderen Investoren in der Region. Hier ist und war das Konsulat Temeswar ein aktives Bindeglied, das nicht mehr wegzudenken ist.
In Zukunft wird die Funktion, die Interessen deutscher Investoren zu vertreten, in der aufstrebenden Region Westrumäniens, sicherlich noch wichtiger werden. Eine Schließung des Konsulates in Temeswar würde die falschen Zeichen setzen. Es wäre ein großer Rückschlag für die Interessenwahrung der hier lebenden Deutschen und deutschen Unternehmen. (Stephan Rambacher, Geschäftsführer Werzalit Lemn Tech SCS)
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2 Antworten zu Konsulat auf der Kippe

  1. Dr. h.c. Klaus-Peter Marte (2001 - 2004 Deutscher Konsul in Temeswar) schreibt:

    Dr. h.c. Klaus-Peter Marte Klagenfurt, den 01. Juli 2011

    Karnerstrasse 2 Handy: 0043 – (0) 650 – 2 516 333
    A 9020 Klagenfurt E-Mail: cpmarte@daerr.com

    An die
    Vereinigung Deutscher Auslandsbeamter
    c/o Auswärtiges Amt

    Werderscher Markt 1
    D 10117 BERLIN

    Konzept des beigeordneten Beamten bei einem Honorarkonsul
    Mitgliederzeitschrift 1/11

    Von 1981 – 1988 hatte ich das zweifelhafte Vergnügen als beigeordneter Beamter bei einem Honorarkonsul in Klagenfurt Dienst zu tun. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich nur deutlich sagen, dass ich die berichtete Idee eines Revival dieser Konstruktion nur als unausgegorenen Unsinn bezeichnen kann.

    Das Auswärtige Amt hatte damals allein in Österreich 3 solcher Konstruktionen (Linz, Bregenz und Klagenfurt). In allen Fällen hat das Amt sämtliche Kosten, wie Unterbringung und Löhne für die Ortskräfte in voller Höhe übernommen. Die Herrn Honorarkonsuln haben keinen Pfennig beigetragen, sie haben vielmehr die eingenommen Gebühren erhalten! Welchen Vorteil diese Lösung bieten soll, blieb und bleibt mir absolut schleierhaft. Der abgeordnete Beamte konnte und hat die laufende Arbeit ohne Hilfe eines Ehrenbeamten geleistet, dessen Erscheinen hin und wieder in den Amtsräumen war vollkommen entbehrlich und im Arbeitsablauf eher hinderlich.

    Wenn Sparzwänge bestehen, kann man ein Generalkonsulat schließen und dieses ohne wesentliche Einschränkungen seiner Funktionsfähigkeit in eine, mit einem gehobenen Beamten besetzte, Außenstelle umwandeln. Nach außen ändert sich hierdurch nichts, während die Bezeichnung Honorarkonsulat durchaus auch negativen Geruch haben kann.

    Überhaupt müsste man m.E. die Ernennung von Honorarkonsuln grundsätzlich überdenken. Während meiner Zeit in Island (1974-77) gab z.B. dort in einem Land mit damals etwas über 200 000 Einwohnern 6 deutsche Honorarkonsuln, die teilweise nicht einmal der deutschen Sprache mächtig waren. Auch wenn man sie heute auf 3 reduziert hat, stellt sich für mich doch die Frage, welche Aufgaben hat ein deutscher Honorarkonsul in Akureyri mit nur 17 000, in Isafjördur mit 4 000 und Seydisöfrdur mit nur 700 (siebenhundert) Einwohnern.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Uwe Wolfgang Zorn schreibt:

    Ich gehe davon aus, daß der Zwang zum Sparen für die Entscheidung des Auswärtigen Amts ausschlaggebend war. Wenn aber ein Konsulat aus diesem Grund geschlossen werden muß, sollte doch zunächst festgestelt werden, auf welches der beiden man am ehesten verzichten kann. Allein die Nähe zur immer noch vorhandenen Grenze mit Ungarn (mit Grenzkontrolle) spricht für einen Erhalt von Temeswar. Hier kann man deutschen Reisenden bei einem Verlust der Reisepapiere oder bei anderen Problemen schnell helfen. Sollen die künftig bis Sibiu oder Bukarest reisen müssen? Die größere Anzahl von Volksdeutschen wird ebenfalls vom Konsulat Temeswar betreut.
    Deutsche Wirtschaftsunternehmen gibt es in beiden Regionen.
    Es spricht also bei einem solchen Vergleich nichts für eine Schließung des Konsulats in Temeswar. Dabei gehe ich davon aus, daß es keine Rolle spielt, daß ein Beamter des höheren Dienstes in Sibiu den Leiterposten innehat.
    Uwe W. Zorn
    (ehemals Konsul in Temeswar)

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