Blick in das Atelier von Stefan Jäger

In der schwäbischen Stube wird das, was der Jäger gemalt hat, Wirklichkeit.
Museum in Hatzfeld ist dem Banater Maler gewidmet/ Von Raluca Nelepcu
 Das Gepäck drückt schwer auf die Schultern, der Stock dient als Stütze beim Gehen, das müde gewordene Kind muss nun auch getragen werden. Es ist eine lange Reise, auf die sie sich begeben haben, doch die Hoffnung steht ihnen trotz Müdigkeit ins Gesicht geschrieben: Die Deutschen wandern ins Banat ein. Wir schreiben das Jahr 1722. Es ist ein 1,5 x5 Metergroßes Ölgemälde, das die Einwanderung der Banater Schwaben detailgetreu darstellt. Wer das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar/Timisoara besucht, der wird das imposante Werk im Flur ganz bestimmt nicht übersehen. Das Triptychon, das den Namen „Die Einwanderung der Schwaben ins Banat“ trägt, wurde vom Banater Maler Stefan Jäger geschaffen.
Nur wenige Touristen, die das Banat besuchen, wissen, dass es nicht weit von Temeswar eine Kleinstadt gibt, die für ihre zahlreichen Museen bekannt geworden ist. Es ist Hatzfeld/Jimbolia, die viertgrößte Stadt im Verwaltungskreis Temesch, etwa40 Kilometervon Temeswar entfernt. Die Kleinstadt in der Banater Heide beherbergt unter anderen auch das Stefan-Jäger-Museum.
Der bekannteste Maler des banatschwäbischen Volkslebens ist das zweite Kind von Franz Jäger und seiner Frau Magdalena geb. Schuller. Zur Welt kommt er in der Gemeinde Tschene/Cenei am 31. Mai 1877. Zusammen mit seinem um zwei Jahre älteren Bruder verbringt er die Kindheit in seiner Geburtsortschaft. Nach der vierten Klasse, im Alter von zwölf Jahren, geht er auf die Öffentliche Private Knaben-Bürgerschule zu Temeswar, eine zu jener Zeit hoch geschätzte Bildungseinrichtung. Von der zehnten bis zur zwölften Klasse besucht der junge Stefan die Szegediner Städtische Knaben-Bürgerschule. Hier wird er durch den Lehrer Obendorf inspiriert und entdeckt seine Neigung zur Malerei. Der Mittelschulabsolvent wird in der Budapester Modellzeichenschule und Zeichenlehrer-Bildungsanstalt aufgenommen. Hier tritt er in Kontakt mit seinen Mentoren: die Professoren Ede Balló und Bertalan Székely. Von dem aus Klausenburg stammenden Künstler Székely erhält Jäger Unterricht in anatomischem Zeichnen. Nach Abschluss des Studiums ist Stefan Jäger zunächst als freier Künstler in Budapest tätig, von wo er Studienreisen nach Deutschland, Österreich und Italien unternimmt. Er arbeitet auf Bestellung für den Kunsthändler Almásy und verdient relativ gut. Stefan Jäger kehrt 1910 ins Banat zurück und siedelt sich in Hatzfeld an. Hier lebt er als freischaffender Künstler bis zu seinem Tod am 16. März 1962.
In der Stadt Hatzfeld gibt es seit 1996 ein Museum, das dem Banater Maler gewidmet ist. Dieses entstand mit Unterstützung des Kulturministeriums des Landes Bayern – da, wo früher das Haus von Stefan Jäger gestanden war. Das Museum umfasst fünf Räumlichkeiten. In einem der Räume können Besucher elf Öl-Werke, Skizzen und Aquarellen von Stefan Jäger bewundern. Ausgestellt sind auch viele der Dinge, die der Maler in seinem Atelier gehabt hat: Pinseln verschiedener Arten und Größen, Stifte, Leinwand, Staffeleien, u.a. Die Werke und Skizzen dokumentieren das Leben der Banater Schwaben, ihre Sitten und Bräuche wie auch Alltagsgeschehen auf den banatschwäbischen Dörfern. Sie sind praktisch auch Zeugnisse einer Zeit, die viele Jugendliche heutzutage nur aus den Geschichten ihrer Großeltern kennen. Im Hatzfelder Museum gibt es auch ein schwäbisches Zimmer mit authentischem Mobiliar und Haushaltsgegenständen. Das Museum in der Tudor-Vladimirescu-Straße Nr. 90 kann von Dienstag bis Sonntag zwischen 9 und 17 Uhr besichtigt werden, allerdings nur nach vorheriger Anmeldung. Infos unter Tel. 0040256360764.
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