Ingo Glass schafft „Offene Räume“ im Kunstmuseum

Marcel Tolcea (links) und Ingo Glass (rechts) bei der Vernissage der Ausstellung im Temeswarer Kunstmuseum.
Die Ausstellung ist bis Anfang August in Temeswar zu besichtigen
 as. Temeswar – Er lässt dem Geist Raum und gibt dem Raum den Geist, so pflegt Ingo Glass sein Schaffen zu definieren. Ein Werk, das seit Jahrzehnten die gleichen drei Grundformen neu und originell ineinanderfügt, durchbricht und so öffnet: den Kreis, das Dreieck und das Quadrat. Dabei greift er nur auf die drei Grundfarben zurück: rot, gelb und blau. Immer wieder überschneiden sich die drei Formen und Farben. Dabei sei insbesondere der offene freie Raum, der dazwischen entsteht bzw. geschaffen wird, der Kern seiner Werke, so der Künstler.
Von Freiheit, Übergang und Öffnung handeln seine Werke. Und gleichzeitig von Stille und Meditation. Daher auch der Name seiner letzten Ausstellung: „Offene Räume“. Die Schau ist bis zum 7. August im Temeswarer Kunstmuseum zu sehen. Sie ist aus Anlass des 70-ten Geburtstags des Künstlers entstanden und wurde ursprünglich im Münchener Künstlerhaus und anschließend in Budapest präsentiert. „Das Temeswarer Kunstmuseum ohne eine Ausstellung von Ingo Glass? Das wäre wie Temeswar ohne Bega oder Parks“, mit diesen Worten begann Marcel Tolcea, Leiter des Kunstmuseums, seine Eröffnungsrede bei der Vernissage, die vergangene Woche stattfand. „Seine Kunst legt logische Zusammenhänge fest und geht bis auf die Essenz der Dinge zurück. Sein Schaffen zerlegt die Realität und verleiht den Formen die ihnen entsprechende Würde“, so Tolcea.
Der deutsch-rumänische Bildhauer Ingo Glass wurde 1941 in Temeswar/Timisoara geboren. In einem Landstrich, wo mindestens fünf Völkerschaften zusammenlebten – ein „Europa en miniature“, wie er seinen Geburtsort definiert. Daher pflegt er oft zu sagen, er sei direkt als „Europäer“ geboren. Und als Europäer habe er auch gelebt, denn er wurde in Rumänien geboren, lebt aber sowohl in München als auch in Budapest. In drei Donauländern. Aber nicht nur der Geburtsort, sondern auch die Donau, der große völkerverbindende Fluß, bestimmte den Weg von Glass und veranlasste den Künstler dazu, seine monumentalen Stahlskulpturen in Galatz/Galati („Septenarus“), Dunaújváros („Alpha+Omega“), Gundelfingen („Nördlingen 25 A“) und in anderen Donaustädten aufzubauen. Sein Schaffen sei nun um so wichtiger und aktueller, da die EU derzeit eine Donaustrategie entwickeln will, so Christian Glass, der Leiter des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm.  
Trotz einer klassischen Kunstausbildung war Glass´ Absage an die Figurative Kunst eindeutig. Denn nach der eiförmigen Urform von Brâncusi könne man in diesem Bereich, laut Glass, nichts mehr reduzieren. Er wandte sich der Konkreten Kunst zu. Seit Jahren hat er den drei Grundformen bestimmte Farben zugeordnet, mit einer gewissen Abweichung von der auf Kandinsky zurückgehenden Bauhaus-Theorie: Glass akzeptiert es nicht, dass das Quadrat mit Rot, der Kreis hingegen mit Blau assoziiert wird. Für ihn ist ein Kreis immer Rot, da er das Leben, den Kreislauf und die Bewegung symbolisiert. Das Quadrat steht für Ruhe und Meditation, daher teilt er ihm die Farbe blau zu. Dem „aggressiven“ Dreieck gibt er die Farbe gelb.
Seine monumentalen Plastiken stehen im öffentlichen Raum in vielen europäischen Städten und in Museen in der ganzen Welt. Nach zahlreichen Auszeichnungen erhielt Glass 2010 im Münchner Künstlerhaus den jährlich weiterzugebenden Seerosenring. Drei seiner Werke stehen auch in Temeswar in öffentlichen Räumen: Das Denkmal für die Opfer der Revolution von 1989, das er 1991 schuf – eine zehn Meter hohe Stahlplastik. Die Arbeit „Hommage à Vassarely“, die er für den Temeswarer Skulpturenpark spendierte und die Metallplastik „Tor nach Serbien“, die 2009 vor der Michelangelo-Brücke beim Studentenviertel eingeweiht wurde.
Ingo Glass absolvierte die Volkshochschule für Kunst in Lugosch/Lugoj und lernte Bildhauerei bei Elisabeth Popper, die in Wien beim bekannten österreichischen Bildhauer Anton Hanak studiert hatte. Nach dem Abitur folgte das Studium der Bildhauerei und Kunstgeschichte an der Klausenburger Akademie der Bildenden Künste „Ion Andreescu“. Seine erste Wirkungsstätte wurde das damals neu gegründete Museum für Moderne und Zeitgenössische Rumänische Kunst in Galatz. „Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt, frei und uneingeschränkt“, erinnert sich Glass. Hier, bedingt durch die Nähe zur Schiffswerft und zum Stahlwerk, entdeckte er die Metallplastik, die sein ganzes späteres Schaffen bestimmte. 1972 zog er nach Bukarest, als Assistent an der „Ion Mincu“-Architekturhochschule und später als Kulturreferent des „Friedrich Schiller“-Kulturhauses. 1979 wanderte er mit seiner Familie nach Deutschland aus.
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