„Am liebsten singe ich Musical“

Freddy Stauber kehrt ab und zu nach Lugosch zurück, um Verwandte und Freunde zu besuchen und um zu musizieren.
Interview mit dem Musiker Freddy Stauber
 Logic, Stelele, Julian Sanders, Freddy Stauffer. Alle haben etwas gemeinsam: den Künstler Freddy Stauber. Der 53-jährige Lugoscher hat sich als Musiker sowohl in Rumänien, als auch in Deutschland bewährt, allerdings unter verschiedenen Künstlernamen. Der nun in Deutschland lebende Maschinenbauingenieur kehrt ein paar Mal im Jahr in seine Heimatstadt zurück. Hierher kommt er jedoch nicht nur auf Besuch, sondern auch, um Musik zu machen. Vor Kurzem bestritt Freddy Stauber ein Konzert in Lugosch. Astrid Weisz von Radio Temeswar war dabei und führte mit dem Musiker folgendes Gespräch.
 Sie sind gebürtiger Lugoscher, leben aber schon seit Jahren in Deutschland. Wie kommt es, dass Sie heute wieder in ihrer Heimatstadt sind?
Ich freue mich sehr, dass ich wieder in meiner Heimatstadt bin. Meine Schwiegermutter lebt noch hier und wir besuchen sie ein- bis zweimal im Jahr. Außerdem habe ich auch viele Freunde hier, Musiker, mit denen ich immer so einen musikalischen Abend gestalte.
 Ihre musikalische Karriere hat hier begonnen. Können Sie Sich noch an die Anfänge erinnern?
Ich habe die deutschsprachige Abteilung am Coriolan-Brediceanu-Lyzeum besucht und da habe ich begonnen, Gitarre-Unterricht zu nehmen. Mein ehemaliger Mathe-Lehrer, Herr Martin Mettler, war sehr begeistert und darüber hinaus auch ein sehr großer Theaterfan. Er förderte mich. Es war ein Theaterstück, das hieß „Der Lehrer und der Teufel“ und bei Stop-Szenen durfte ich die Szene kommentieren. So habe ich angefangen, meine eigenen Sachen zu schreiben und es war wirklich sehr aufregend. Wir hatten auch eine Vorführung in Herkulesbad für Deutsche aus Deutschland. Es war sehr spannend und aufregend. Das war der Anfang. Danach habe ich weiter Folk-Musik gemacht. Bei der Kreisphase des Musikfestivals „Cântarea României“ habe ich den ersten Platz in Temeswar belegt. Ich hatte aber das Gefühl, dass bei meiner musikalischen Entwicklung etwas fehlte und da habe ich meine erste Band gegründet. Die hieß Omicron L, mit L von Lugosch. Wir haben allerhand Cover gespielt, aber auch ein bisschen die Phoenix nachgeahmt. Die waren ja sehr „in“ damals und wir haben auch ähnliche Songs gespielt wie „Tiganiada“ oder „Ciobanul amarât“. Danach habe ich Maschinenbau am Polytechnischen Institut studiert und bin zu der Gruppe „Stelele“ gekommen.
 Was für Musik hat Stelele gemacht?
Weil wir in der Kneipe aufgetreten sind, haben wir Cover gespielt, Unterhaltungsmusik. Aber danach, weil ich mit der deutschen Sendung, mit dem Regisseur Valentin Perciun, eine enge Verbindung und dadurch sehr oft Auftritte im Fernsehen gehabt habe, habe ich auch die Band mit reingezogen. Wir haben sehr tolle Sendungen gemacht. Wir waren dann sogar am Deutschen Staatstheater angestellt und haben zwei Mal die Woche unsere Show gemacht. Wir hatten Tourneen durch die deutschsprachigen Regionen Rumäniens, durch Siebenbürgen und durchs Banat, selbst in Bukarest waren wir. Es war eine recht schöne Zeit.
 Was für Lieder waren es?
Wir hatten mit Electrecord in Bukarest auch eine LP produziert. Das waren dann deutsche Lieder, teilweise waren es Lieder von Peter Maffay, aber auch eigene Songs. Wir haben uns auch kulturell entwickelt, wir haben versucht, einen eigenen Stil zu generieren.
 Wie entstand Logic Lugoj?
Als ich die Hochschule fertig hatte, war ich als Maschinenbauingenieur in Lugosch eingestellt. Da musste ich aus der Gruppe „Stelele“ austreten und habe mir eine eigene Band aufgebaut: Logic Lugoj.
 Sie haben auch Musicals komponiert.
Ich habe zwei Musicals komponiert. Eines heißt „Zwischen Himmel und Erde“ und ist ein Musical für Kinder und Kind Gebliebene, aber auch für Erwachsene, denn die Musik ist ein bisschen anspruchsvoller, so in Richtung Andrew Lloyd Webber. Ein Musical heißt „Ego Fritz“, das ist richtig für Kinder. Es ist mehr Tanz- und Kindermusik. Ich werde demnächst auch dieses Musical in meinem jetzigen Heimatort neben Böblingen aufführen.
 Hauptberuflich sind Sie aber nicht Musiker.
Nein, leider nicht. Obwohl ich als Julian Sanders die Chance gehabt hätte, habe ich mich nicht getraut, meinen Job aufzugeben. Ich schaffe bei einer sehr großen Automobilfirma und auch in der Firma bin ich mit Musik verbunden – ich mache die Abnahme der Soundsysteme für die Fahrzeuge.
 Ihr Stil hat sich mit der Zeit geändert. Welche Musik liegt Ihnen besonders am Herzen?
Ich habe mich halt mit der Zeit auch weiterentwickelt. Als Schlagersänger wurde ich produziert, also ich hatte einen Produzenten. Ich habe die Chance genutzt und bin den Weg gegangen, aber mein Herz schlägt nicht so wirklich für diese Musik. Am liebsten singe ich Musical: „Cats“, „Phantom der Oper“. Danach kommt die Musik, die ich mit Logic gemacht habe – so einer Art Blues, ein bisschen psychedelische Music.
 Die CD „Im Regenbogenland“ ist mit ihren Zwillingstöchtern aufgezeichnet worden. Was wollen ihre Töchter in Zukunft machen?
Wie gesagt, ich habe drei Töchter. Die älteste ist 18 und hat auch eine Zeit lang gern gesungen. Ich habe auch zwei CDs mit ihr produziert, aber leider ist sie davon nicht mehr so angetan, obwohl sie trotzdem noch singt. Die beiden Zwillinge sind mittlerweile voll dabei, sie sind 11 Jahre alt und eine von beiden, Rebecca, hat es wirklich im Blut, sie würde es gerne auch beruflich machen. Ich werde sie bestimmt unterstützen.
 Sie haben vor einem Jahr auch ein Buch herausgebracht…
Das Buch hat Cristian Ghinea von der Lugoscher Zeitung „Redesteptarea“ herausgebracht. Es heißt „Freddy Stauber – Logic… si pasiunile vietii“ und es geht im Prinzip um die Geschichte, wie es sich mit Logic entwickelt hat, danach mit Stelele. Es ist eine Art Biographie von mir mit vielen netten Geschichten, die wir während dieser Zeit selbst erlebt haben. Das Buch ist auch mit Bildern bestückt, die CD habe ich beigetragen. Sie ist auch anthologisch, denn sie enthält Lieder aus der Zeit mit Logic und Stelele.
Wie wurde Julian Sanders in Deutschland aufgenommen?
Das war nicht so einfach. Erstmals habe ich mit meinen Musikern, mit denen ich da Musik gemacht habe, eine Band aufgebaut. Wir waren auch in Finnland und Schweden auf einer Traumschifffahrt. Wir haben „Angeline“ auf eigene Kosten produziert. Danach wurde ich von dem Tonstudio Leonberg entdeckt, wo ich mit Mara Kayser zwei Lieder aufgenommen habe. Durch Auftritte wurde ich langsam bekannt. Mit dem Produzenten Walter Leykauf habe ich die erste CD unter dem Namen „Freddy Stauffer“ herausgebracht. Danach hat mich Robert Jung entdeckt. Sie haben nach einem weichen Namen gesucht, irgendwas, was auf der Zunge vergeht. So kam es zu Julian Sanders.
Das Gespräch wurde von Raluca Nelepcu transkribiert.
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Eine Antwort zu „Am liebsten singe ich Musical“

  1. Juli schreibt:

    Hallo lieber Fredy,
    habe Dein Interview gelesen. War positiv überrascht und wünsche Dir daß Du Deinen Weg so weitergehen kannst.
    Liebe Grüße Juli aus Sindelfingen

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