Über Pressefreiheit in Europa debattiert

Medienanalytikerin Mariana Cernicova (links) hielt den Auftaktvortrag über Pressefreiheit in Rumänien.
Die „Medien-Mittler“ hielten ihr Alumnitreffen in Temeswar
Von Andreea Oance
 „Europas Medien in Gefahr?“ Dies war die Hauptfrage der 13 europäischen Journalisten und Journalistinnen aus Deutschland, Litauen, der Republik Moldau, Rumänien, Tschechien und Ungarn, die am Wochenende in Temeswar/Timisoara zusammenkamen. Wie frei ist eigentlich die Presse in Osteuropa? Welche Folgen hat das ungarische Mediengesetz für Öffentlich-Rechtliches Fernsehen und Rundfunk? Gibt es Fälle, in denen ein Journalist seine Quelle verraten soll/muss? Auf diese Fragen versuchten die Journalisten eine Antwort finden und mit konkreten Beispielen die Lage der Pressefreiheit in ihren jeweiligen Ländern vorzustellen. Temeswar war also am Wochenende der Ort, an dem die 13 Presseleute, alle Alumni des Programms „Medien-Mittler zwischen den Völkern“, zu ihrem Jahrestreffen kamen. Die Journalisten aus Mittel- und Osteuropa sind ehemalige Stipendiaten des Programms, das seit 2003 von der Robert-Bosch-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Berliner Journalisten-Schule durchgeführt wird. Die staatliche Einflussnahme und neue Herausforderungen durch soziale Netzwerke wurden innerhalb des Treffens diskutiert.
„Pressefreiheit – das Thema rückt näher. Erstmals in der Geschichte des Programms hat ein ehemaliger Stipendiat in diesem Jahr seinen Job ausschließlich wegen des öffentlichen Protests gegen ein Mediengesetz verloren. Und das in dem Land, das noch bis Monatsende im Rahmen der Ratspräsidentschaft die Europäischen Werte weltweit repräsentieren soll“, sagt Clemens Schöll, der Leiter des Journalistenprogramms in Berlin.
Ins Gespräch kamen somit unter anderen die Folgen des ungarischen Mediengesetzes auf das ungarische Fernsehen, die Pressefreiheit in Rumänien und in der Republik Moldau, der staatliche Einfluss durch Jugendschutzgesetze auf Medien und Blogger in Litauen u.a. Die Diskussionen in der Mansarde des Nikolaus-Lenau-Internats fanden in deutscher Sprache statt und starteten mit dem Auftaktvortrag der rumänischen Journalistin, Buchautorin und Hochschullehrerin Mariana Cernicova. Die ungarische Fernsehjournalistin Dóra Diseri war in diesem Jahr Stipendiatin, als Hospitantin bei rbb Berlin. „Ich habe nicht mehr über Zensur, Medienrat und Geldstrafe gesprochen, weil diese schon öfter in den Medien thematisiert wurden. Schwerpunkt meines Vortrags war die Umstrukturierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, weil mich dies persönlich betrifft. Es ist leider noch alles ganz chaotisch und niemand weiß, ob er entlassen wird oder nicht“, erklärt die 24-Jährige. Frischer Alumni der Robert Bosch Stiftung war in diesem Jahr auch der Journalist Petr Horký aus Tschechien. „Ich konnte bei diesem Treffen andere tschechische Journalisten kennenlernen, die ich eigentlich nur virtuell kannte, d.h. ich las ihre Beiträge regelmäßig, aber ich kannte sie persönlich nicht“, sagt er.
Das dreimonatige Stipendienprogramm richtet sich an Journalisten aus Mittel- und Osteuropa (aus Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Estland, Georgien, Lettland, Litauen, Polen, Republik Moldau, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Ungarn). Seit 2003 ist das Programm ständig gewachsen. Wenn es sich am Anfang bloß an polnische Journalisten richtete, können sich nun auch andere Journalisten daran beteiligen und sich sowohl mit der deutschen Kultur, als auch mit anderen Kulturen vertraut machen. 2006 wurden die ersten entscheidenden Schritte unternommen, als zum ersten Mal deutsche Journalisten Stipendien für Hospitationen in mittel- und osteuropäischen Medien erhielten. 2010 ging das Programm auch über die EU-Grenzen hinaus. Mittlerweile gibt es insgesamt 150 Alumni des Stipendienprogramms für Journalisten, von denen jeweils 15 bis 20 seit fünf Jahren an einem Wochenende im Frühsommer zu einem Jahrestreffen in jeweils einer europäischen Stadt zusammenkommen. Temeswar stand damit in einer Reihe mit Berlin, Budapest, Ljubljana und Vilnius, den Orten der bisherigen Treffen. „Bisher hatten sich die Alumni immer in einer anderen Stadt getroffen – da, wo ehemalige Stipendiaten mit der Organisation helfen konnten. Im nächsten Jahr steht aber ein ganz besonderes Ereignis auf dem Programm. Die Medien-Mittler werden nach Berlin eingeladen, denn das Stipendienprogramm feiert sein 10-jähriges Jubiläum“, schließt Programmleiter Clemens Schöll.
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