Über „Don Carlos“ mit Alexander Hausvater

Alexander Hausvater leitete auch mehrere Theaterhäuser in Kanada.
Zuschauer konnten Regisseur über Inszenierung befragen
as. Temeswar –  Wie geht ein Regisseur an seine Inszenierung heran? Wie setzt er seine Ideen um? Die Fragen stellten Theaterzuschauer dem Regisseur Alexander Hausvater bei einem Publikumsgespräch im Deutschen Staatstheater Temeswar. Das Gespräch fand im Anschluss der Vorstellung „Don Carlos“ von Friedrich Schiller statt. Zwar zeigte sich Hausvater bereit, mit den Zuschauern über sein Schaffen zu sprechen, jedoch weigerte er sich, in Einzelheiten einzugehen. Denn: „Eine gute Theateraufführung fängt erst am Ende an. Wenn das Publikum auch später eine Verbindung mit den Gestalten hat“, erklärt er.
Die Idee zum Stück geht auf mehr als zehn Jahren zurück, als Hausvater  Shakespeares „Hamlet“ inszenierte. Gesprochen wurde damals darüber, dass Hamlet in gewisser Weise wie Don Carlos sei. Da begann Hausvater, sich Gedanken zu machen: Wie sieht das Schicksal eines Menschen aus, der schon seit der Geburt her, eine politische Funktion bekommt? „Das heißt, du darfst kein Talent haben, du bist geboren, um König zu sein. Was passiert, wenn eine solche Person in einen Konflikt gerät: zwischen seiner Funktion und seiner Identität“, sagt Hausvater. In Schillers Werk entdeckt er das dynamische Gedicht der Handlung, wie bei Shakespeare. Denn auch wenn die Gestalt nicht handelt, so ist sie trotzdem facettenreich. Der als „dramatisches Gedicht“ untertitelter Fünfakter „Don Carlos“ thematisiert die politisch-gesellschaftlichen Konflikte – die Anfänge des Achtzigjährigen Krieges, in dem die niederländischen Provinzen ihre Unabhängigkeit von Spanien erkämpften – und die familiär-sozialen Intrigen am Hofe des Königs Philipp II. (1556–1598).
Die Gestalten des Stücks gehören zu einer Generation, die verantwortlich wird. Verantwortlich für eine Revolution, für eine oder für keine Änderung. „Alle, die den Despotismus, die Autokratie und eine grausame Gesellschaft tolerieren, sind Komplizen des Systems. Es geht um eine Generation, die erkennt, dass sie für Politik geschaffen ist, auch wenn sie eigentlich an Kunst oder an Liebe denkt“, erläutert Hausvater die Message seiner Inszenierung.
Viele Fragen der Zuschauer blieben aber weiterhin offen: Warum trägt die Sängerin (Dana Borteanu) einen Maulkorb? Warum scheint der Schwerpunkt auf Bühnenbewegung zu liegen und nicht auf das Spiel der Schauspieler? Es sind aber Fragen, mit denen der Zuschauer nach Hause gehen und diese selbst beantworten soll. Hausvater wurde in Bukarest geboren und wanderte 1959 nach Israel aus. Er studierte in Tel Aviv und in Dublin und inszenierte an zahlreichen in- und ausländischen Bühnen.
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