Acht Regionen voller Honigtöpfe

Dass die gegenwärtigen territorialen Verwaltungsformen nicht nur uneffizient sind sondern auch einem politischen und (angeblichen) Stabilitätsimperativ des Beginns der Ceausescu-Ära entsprachen – er wollte die alten Strukturen der KP zerschlagen und neue, nur ihm ergebene, schaffen – das dürfte nichts Neues sein. Dass man in weiten Teilen der Bevölkerung den Verwaltungskreisen nachtrauert, das hat mit Mentalitäten, aber auch mit Ressentiments zu tun. Im Banat etwa, dass Temeswar schon immer ein Krake war, der alles an sich zog und nichts in seinem Umfeld aufkommen ließ – was mit der Schaffung der Verwaltungskreise 1968 angeblich eingedämmt, wodurch auch „anderen“ eine Chance geboten wurde: im Banat zum Beispiel Arad und Reschitza.
Wieso allerdings gerade zu diesem Zeitpunkt, wo die Regierungspartei PDL irgendwo im Keller der politischen Sympathie herumtrudelt, wo das Szeklerland sich eine eigene Vertretung in Brüssel geschaffen hat, wo der Staatspräsident etwa so viel Sympathie genießt wie die Regierungspartei, die er immer offener und immer verfassungsbrecherischer gängelt und wo ein neuerlicher Anlauf zum Bedienen der Allvater-Nostalgie die BocBasescu-Herrschaft retten soll, wieso gerade zu einem solchen Zeitpunkt die Diskussionen in diese Richtung gelenkt werden, das ist schon durch die Fragestellung ziemlich offensichtlich.
Umso befremdlicher, dass gerade jene Politiker, die vor 12-15 Jahren die ersten Regionalisierungsversuche aufs Schärfste verdammten und den Initiatoren mit Gefängnisstrafen drohten – leider erinnert man sich (wohlweislich?) kaum daran, dass Mitte der 90er Jahre im Banat, unter Federführung der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen und, teilweise, auch der „Friedrich Ebert“-Stiftung, eine Serie von politischen Seminaren lief, deren Ziel es war, in jedem Banater Verwaltungskreis (denen sich dann auch Hunedoara anschloss) eine Wirtschaftsförderungsagentur aufzubauen, die von einer Regionalen Wirtschaftsförderungsagentur geleitet werden sollten und deren Leiter reihum von den beteiligten Verwaltungskreisen gestellt werden sollte. Dass Ganze war so weit gediehen, als es von Bukarest verboten wurde. Nicht lange danach und unter massivem Druck aus Brüssel schuf Bukarest die acht Wirtschaftsförderungsregionen – und die Westregion genau so, wie vorher verboten…
Jetzt sollen plötzlich halbausgegorene Regionen entstehen. Dadurch wird das politische Interesse abgelenkt und die Diskussionen auf ein Thema fokussiert, das unter Umständen Sympathien bringen kann. Denn die Regierungspolitiker winken plötzlich mit dem Mammon Geld – die Regionen könnten besser und effizienter die Rumänien zustehenden Summen aus Brüssel abzapfen, heißt es schnöde. Dass dem Abzapfen auch so nichts als lokale und zentrale Bürokratie und Denkfaulheit im Weg stehen, davon weiß niemand was.
Die Maxi-Verwaltungskreise sind die Allwetterlösung. Der Regenschirm für den Sonnenschein. Und die Wahlrettung für eine allzu machtverliebte Partei, die überhaupt nicht weg will von den Honigtöpfen.
Von der Imkerei – bis aufs Honigschleudern – aber wenig versteht.
Werner Kremm
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