Die Botschaft und das Gold

Gabriel Ressources, das Unternehmen, das im Westgebirge Gold fördern möchte, kommt in den Wikileaks-Enthüllungen aus der Korrespondenz der Bukarester US-Botschaft nur zweimal vor. Dass das Unternehmen in Rosia Montana mit dem Preis der Zerstörung einer einzigartigen Bergbausiedlung sowie der weltweit wenigen erhaltenen original-römischen Spuren des Goldbergbaus, im Tagebau und unter stark umweltgefährdenden Bedingungen Gold fördern möchte, wird nicht weiter vorgestellt.
Das erste Mal kommt Rosia Montana 2006 in der Affaire des bulgarischen Consulters/“Spions“ Stamen Stantscheff und seinen beiden – inzwischen vor Gericht stehenden – Minister-Gewährsleuten Ioan Codru Seres, dem Ex-Wirtschaftsminister, und Zsolt Nagy, dem Ex-Informations- und Technologieminister, vor. Die US-Botschaft vermerkt, dass die beiden Minister „assoziiert“ werden mit dem der Spionage verdächtigten Bulgaren und dass die Medien diesen „mit kontroversierten Geschäften in Zusammenhang bringen, Alro Slatina, Rosia Montana und der von Marc Rich kontrollierten Glencore Ltd.“ In einem separaten Telegramm von 2008 geht die Botschaft auf Marc Rich, „ein internationaler Schwindler“, ein.
Rosia Montana ist Teil einer umfangreicheren Analyse der US-Botschaft betreffend die Vergabe von Ressourcen an internationale Konzerne, wo Gabriel Ressources neben Sterling Ressources auftaucht, dem Skandalunternehmen, das, neben Petrom, Schürfrechte für Erdöl und Erdgas im Kontinentalsockel des Schwarzen Meeres – im Bereich der damals nicht geklärten rumänischen oder ukrainischen Zuständigkeiten für die Schlangeninsel – unter untransparenten Umständen zugesprochen bekam. Die Botschaft unterstreicht den verdachterregenden Aspekt, dass die Schürfrechte neben Transparenzlosigkeit auch unter für Rumänien nachteiligen Bedingungen Sterling zugesprochen wurden. Im Wortlaut geht es dann 2009 so weiter: „Die kürzlich aufgedeckte Beziehung des Besitztums zwischen dem Mehrheitsaktionär von Sterling Ressources und dem kontroversierten Abenteuer der Goldgewinnung in Rosia Montana“, der kanadischen Investmentfirma Sprott Asset Management, die auch Interessen bei der anderen Goldgewinnungsfirma aus dem Westgebirge, der Carpathian Gold (mit bereits vorhandenen Gold-Abbaulizenzen) hat, sollten weiter unter Beobachtung bleiben.
Die US-Botschaft kabelt keine Werturteile über dieses Gespinnst nach Washington. Aber durch aufmerksame Nutzung der öffentlich zugänglichen Quellen filtert sie ein Netzwerk von Korruption in der Regierung Rumäniens und im Umfeld des Präsidenten, von Spionage und Geldanlegern heraus, das durchaus auch für den Steuerbürger interessant wird. Für die USA scheint sich das Interesse daran auf die Konstatierung zu beschränken. Kaum anders, als wir es aus Äquatorial-Afrika, der Türkei oder Nordafrika kennen. Vielleicht ist dies auch das Niveau, auf welches die US-Botschaft den EU-Mitgliedstaat Rumänien heruntergestuft hat. Dank Wikileaks sollte man sich keine weiteren Illusionen machen.
Werner Kremm
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Meinung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s