„Trotz Verschiedenheit, von Einheit sprechen“

Seit einem Jahr im Amt: Generalvikar Johann Dirschl
Interviewbericht mit Johann Dirschl, Generalvikar der römisch-katholischen Diözese Temeswar
 Von Maria Ungar (Text und Foto)
Ein Jahr nach seiner Ernennung als Generalvikar sitze ich Johann Dirschl  beim Gespräch gegenüber. Er empfängt mich im „Priesterzivil“, zeigt sich umgänglich und beantwortet ausführlich die Fragen. In einer Dreiviertelstunde erfahre ich einiges über Johann Dirschl – über sein Theologiestudium während des Kommunismus, seine berufliche Laufbahn, eigentlich über seinen Weg von der Kindheit in Slatina Timis (Verwaltungskreis Karasch-Severin/Caras-Severin) bis hin zu seinem Amt als Generalvikar der Diözese Temeswar/Timisoara.
 Johann Dirschl (51) ist seit einem Jahr in das Amt des Generalvikars berufen geworden, ein Amt, das er nie angestrebt hat. „Auch heute ist es grundsätzlich mein Wunsch den Gemeinden zu dienen, Messen und Religionsstunden zu halten“, sagt der 1985 geweihte Geistliche. „Wir sind nicht im Mittelalter, sondern man wird immer wieder gefragt“, beantwortet Johann Dirschl die Frage auf den Wechsel aus den Pfarreien in Freidorf und der Josefstadt in die Kanzlei des Generalvikars der Diözese Temeswar. „Generalvikar zu sein, das hat sich so ergeben. Der Bischof sucht sich einen Mann aus, mit dem er arbeiten will, der in seinem Sinne arbeitet“, so einfach beschreibt der in Karansebesch/Caransebes (Verwaltungskreis Karasch-Severin) geborene Dirschl seinen Umzug ins Büro des Generalvikars. Als Karrieremensch in der Hierarchie der Kirche sieht er sich nicht. Auch was seine anderen Kollegen betrifft, scheint überall dieselbe Meinung verbreitet zu sein. „Ich glaube nicht, dass sich jemand von den Priestern so etwas wünscht, oder dass einer das Theologiestudium mit dem Wunsch macht, eines Tages Generalvikar zu werden“, sagt der ehemalige Pfarrer.
Der Generalvikar Johann Dirschl hat seiner Mission in der Kirche, in Tipari (Verwaltungskreis Arad) begonnen. Er war  Kaplan in der Fabrikstadt (Temeswar), Pfarrer in Perjamosch/Periam (Verwaltungskreis Temesch) und dann in Freidorf und in der Josefstadt (beide in Temeswar). Gleichzeitig ist er seit Jahren Diözesan-Schulinspektor und Caritas-Direktor. Durch diese Ämter kann er seinen Mitmenschen vieler Altersgruppen konkret helfen.
Die Berufung kam schon früh
Über sein Theologie-Studium in Karlsburg/Alba Iulia in der kommunistischen Zeit erzählt Johann Dirschl: „Man  hat Fachbücher nicht so frei wie jetzt bekommen, aber das Notwendige hatten wir. Außerdem gab es da eine sehr gute Bibliothek“.
Schon als Kind hat er den Wunsch gehabt, Priester zu werden. „Was dazu beigetragen habe?“, frage ich. Die Freude, mit der er diese Frage beantwortet, ist nicht zu übersehen: „Alles, meine Eltern, der Pfarrer, die Gemeinde und natürlich auch die Erziehung in  Alba Iulia“. Zu seinem um drei Jahre jüngeren Bruder, der ebenfalls Priester geworden ist, hat der Geistliche einen guten Kontakt und es gibt auch einen Austausch hinsichtlich ihres Berufs und ihrer Berufung. 
Nach der Revolution, bekam die römisch-katholische Kirche, viele ehemals enteignete Immobilien rückerstattet. Was außerhalb der Kirche wie ein Gottessegen aussieht, wird innerhalb dieser Institution mit anderen Augen gesehen. Johann Dirschl weist auf die Schwierigkeiten hin, die so ein Problem mit sich bringt: „70 Jahre wurde an diesen Häusern kaum etwas gemacht oder nur notdürftig repariert und nach so vielen Jahren muss man sie komplett sanieren“. Die Renovierung dieser Häuser erweist sich als ein teures und komplexes Unterfangen. „Die neuen Vorschriften sind in dieser Hinsicht sehr strikt. Man muss die Statik dieser Gebäude überprüfen und so etwas ist nicht billig. Es wird versucht, zumindest das Dach zu reparieren, damit das Gebäude keine weiteren Schäden nimmt. Für andere, komplexere Reparaturen, fehlt oft das Geld“.
Zahl der Gläubigen stark gesunken
„Die Gläubigen sind weniger geworden“, weist  der Generalvikar auf ein anderes Problem hin, das auch in Verbindung mit der Sanierung dieser Bauten steht. Die Anzahl der römisch-katholischen Gläubigen in der Diözese Temeswar ist – in Folge der Deportation (in die ehemalige Sowjetunion und später in den Baragan) und der Auswanderung (insbesondere nach Deutschland) – stark zurückgegangen. „Angefangen mit den 70-er Jahren, wo pro Jahr paar Tausende von unseren Gläubigen sich eine neue Heimat gesucht haben, hat sich dieses Phänomen verstärkt“. Ein weiterer Aspekt dieser Problematik  ist,  seit einigen Jahren, die Arbeitsmigration ins Ausland.  
Nach den kirchlichen Statistiken von 2010 verzeichnete das Bistum Temeswar ungefähr 90.000 römisch-katholische Gläubige. „Ungefähr 300.000 Gläubige haben wir vor allem an Deutschland, aber auch an andere Länder verloren. Durch die massive Auswanderung aus den ehemals deutschen Dörfern mussten die Pfarreien umgestaltet oder an andere angeschlossen werden. Die Zahl der Pfarreien in der Temeswarer Diözese, ist nach der Wende ebenfalls stark zurückgegangen: von 150 auf 77“, beschreibt der Geistliche diese Situation.
Trotz dieser Abstriche verlagert Johann Dirschl gerne seine gesamte Aufmerksamkeit auf die Tätigkeit im Dienst der Kirche. Vor allem die Arbeit mit den Kindern bereitet ihm immer wieder große Freude: „Es ist insbesondere bei den Firmungen schön, da sich die Gemeinde in feierlicher Stimmung befindet. Es heitert mich auf, die Kinder mit ihren Gesichtsausdrücken zu erleben. Kinder sind unsere Zukunft“.
Der innigste Wunsch des Generalvikars Dirschl ist die Einheit der Christen. Er spricht über die Tatsache, dass die Leute verschiedener Konfessionen ohnehin gut miteinander auskommen. „Es wäre schön, wenn wir trotz Verschiedenheit von Einheit sprechen könnten“. Und er schließt optimistisch: „Ich glaube, diese Zeit wird kommen“.
 
 
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