„Aufrichtigkeit – Eleganz – Raffinesse – Verführung“

Dr. Iulia Mesea stellt Nicolae Tonitzas Arbeiten vor. Im Hintergrund Museumsdirektor Prof.Dr. Marcel Tolcea
Grafik und Malerei von Nicolae Tonitza im Kunstmuseum Temeswar
Von Iulia Sur
Temeswar – Als die „wohl geheimnisvollsten Augen der rumänischen Malerei“ bezeichnete Museumsleiter Prof. Dr. Marcel Tolcea die runden dunklen Kinderaugen, die aus den derzeit im Temeswarer Kunstmuseum ausgestellten Gemälden von Nicolae Tonitza den Besucher ansehen. „Sie blicken in eine Weite, in eine Art Unendlichkeit, aber besonders in eine Welt, die wir fast nicht mehr wissen, wie sie anzublicken“, so der Museumsleiter in seiner Vernissagerede bei der unlängst eröffneten Tonitza-Ausstellung.
Die über 80 ausgestellten Grafiken und Malereien von Nicolae Tonitza stammen größtenteils aus den Beständen des Brukenthal-Nationalmuseums in Hermannstadt/Sibiu, sieben aus dem Temeswarer Kunstmuseum. Das Event kam als Zusammenarbeit zwischen den beiden Kultureinrichtungen zustande. Kuratorinnen der Ausstellung sind Dr. Iulia Mesea, Leiterin der Galerie für rumänische Kunst des Brukenthal-Museums, und Ramona Orban, Museographin im Kunstmuseum Temeswar.
Über die ausgestellten Werke und den in der Zwischenkriegszeit schaffenden Künstler meinte Dr. Iulia Mesea bei der Vernissage: „Nicolae Tonitzas besondere Persönlichkeit ist von der Art und Weise, wie er die aus der europäischen Kunst kommenden Stilrichtungen filtert, aber auch von seinem besonderen Verhältnis zur altrumänischen Kunst und Volkskunst geprägt. In diesem Sinne weist Nicolae Tonitzas Werk eine Formenreinheit, eine kristallklare Farbe, ein in die Pasta eingebohrtes Licht, eine feine Beziehung zur Wirklichkeit und einen emotionalen Kern auf, wie es noch nie zuvor in der rumänischen Malerei und vielleicht auch bis heute nicht wieder vorgekommen ist.“
Der in Bârlad, im armen Teil des moldauischen Unterlands geborene Nicolae Tonitza (1886-1940) studierte an der Kunstakademie in Jassy/Iasi, konnte jedoch wegen einem Studentenstreik im letzten Jahr sein Abschlussdiplom nicht bekommen. Er bereiste Italien und Frankreich. Es folgten Studien an der Königlichen Bayerischen Akademie für Bildende Künste in München, auch im Studio von Pierre Laprade in Paris. Nachdem er 1911 nach Rumänien zurückkehrte, schloß er ein Jahr später sein Kunststudium in Jassy ab. 1913 lernte er den bereits schwerkranken Stefan Luchian kennen – ein entscheidender Augenblick im Leben des jungen Künstlers. Luchians Einfluss ist unübersehbar in Tonitzas Blumengemälden – einige sind in der Temeswarer Ausstellung zu sehen.
Weitere Themen der zurzeit im Kunstmuseum gezeigten Werke sind die Kindheit, die Dobrudschaer Landschaft, weibliche Aktzeichnungen, Porträts, Blumen und Arbeiten mit orientalischer Note. Modell für die Aktstudien stand oftmals die Frau des Künstlers, Ecaterina Tonitza. In der Ausstellung können auch ein paar Grafikarbeiten sowie Tuschezeichnungen auf Kalkpapier bewundert werden. Die unverkennbare Marke dieses rumänischen Künstlers bleiben aber die runden, dunklen, tiefen, melancholischen Augen seiner Kinderporträts.
Die Ausstellung kann im Kunstmuseum (Domplatz 1) bis am 31. Juli d.J. von dienstags bis sonntags (montags geschlossen) zwischen 10 und 18 Uhr gesehen werden.
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