Viele Aspekte erschweren die Bedingungen im Straßenbau

 
Florian Hengl – Geschäftsführer der Rumänien-Niederlassung der österreichischen Hengl-Gruppe
„Es ist sehr wichtig, dass die Infrastruktur hergestellt wird, weil dieser Aspekt uns alle betrifft“, sagt Florian Hengl, Geschäftsführer der Rumänien-Niederlassung der österreichischen Hengl-Gruppe, die in Rumänien Steinbrüche und eine Edelsplittanlage betreibt. Zum Teil wird der 27 Jahre alte Hengl mit Mentalitätsunterschieden konfrontiert, doch „je länger ich da bin, umso mehr gewöhne ich mich daran“. Der Fokus der Hengl-Gruppe richtet sich als Zulieferer für Baufirmen, vor allem auf die zukünftigen Projekte in Sachen Autobahnbau in den Verwaltungskreisen Arad und Temesch/Timi{, beliefert eine ungarische Firma und hat auch ein Auge auf den Kreis Karasch-Severin/Caras-Severin gerichtet. Über die Situation im Straßenbau, über Aquirierung von EU-Fonds und Marktstrategien sprach Maria Ungar mit Florian Hengl.
 Wie glücklich sind Sie, dass die Hengl-Gruppe Sie nach Rumänien geschickt hat?
Ich bin sehr glücklich, mir gefällt das Land, die Leute sind sehr herzlich und das Wetter ist besser als bei uns, es ist für mich ein bisschen wie ein Abenteuer. Ich beabsichtige hier bis Ende 2012 zu bleiben. Das ist derzeit mein Ziel, wir werden sehen was die Zukunft bringt.
 Man sagt, es gäbe in Rumänien sehr viele Steinbrüche, wie wollen Sie gegen diese Konkurrenz bestehen?
Es ist langfristig nur möglich, mit Qualität gegen die Konkurrenz  zu bestehen. Wir haben einerseits die Qualität des Materials, das wir produzieren, andererseits unsere Kundenbeziehungen und unser Auftreten. Außerdem ist es wichtig, alle die vom  rumänischen Staat vorgeschriebenen Gesetzte und Normen einzuhalten und eben ein hochqualitatives Produkt herzustellen.
 Was braucht man bei einem Steinbruch, über das Glück hinaus, dass man im Boden gutes Rohmaterial findet?
Wir haben auch Glück gehabt, aber solche Initiativen gehen auf langfristige und sehr teure Untersuchungen und Forschungsbohrungen zurück. Man braucht gute Geologen, eine gut ausgebildete Mannschaft und Erfahrung.
 Wie schwer wiegt, dass Rumänien nur sehr mühsam die EU-Fonds für den Straßenbau akquiriert?
Es ist in erster Linie für den rumänischen Staat traurig, dass er die Gelder nicht in entsprechender Zeit abrufen kann und dass die Gegebenheiten nicht geschaffen werden, Geld zu akquirieren. Das betrifft uns direkt, denn mehr Geld würde mehr Arbeitsplätze schaffen. Außerdem ist die Infrastruktur in Rumänien im Moment in einem sehr schlechten Zustand. Aber das ist nicht nur beim Straßenbau der Fall.
 Inwiefern werden Qualitätsnormen besser eingehalten, wenn ein Straßenbauprojekt mit EU-Geldern verwirklicht wird?
Man erwartet, dass ein Bau mit EU-Geldern, auch unter europäischen Normen und Qualitätszertifikaten ausgeführt wird. Wir erwarten hochqualitative Bauvorhaben und Infrastrukturinvestitionen.
 Glauben Sie an folgende Theorie? Straßenbauer aus den westeuropäischen Ländern bauen hierzulande Straßen mit minderwertiger Qualität, als sie z.B.  in Österreich oder in Deutschland bauen würden?
Ich glaube nicht, dass sie absichtlich schlechtere Straßen bauen. Hier in Rumänien gibt es viele Aspekte die die Bedingungen erschweren im Vergleich zu anderen EU-Ländern. In Österreich ist das System schon viel älter und hat sich bewährt und die Leute arbeiten seit Jahrzehnten mit neuen Maschinen. Sie dürfen nicht vergessen, dass Rumänien hier einen Sprung gemacht hat. Früher hat es keine modernen Maschinen gegeben und jetzt auf  einmal müssen sie sofort alles wissen. Es gibt in Österreich auch einen besseren Normwert: Man sagt, eine Straße muss so ausschauen und dann wird sie auch so gebaut.
Was meinen Sie mit den genannten Bedingungen?
Unsere Kunden, die Baufirmen, müssen ihrerseits sehr lange auf ihr Geld warten, was sich dann auch auf uns negativ auswirkt. Ein weiteres Problem ist, dass viele europäische Normen in Rumänien noch nicht vollständig eingeführt worden sind bzw. oft auch noch parallel dazu alte rumänische Normen gelten.
 Wie kommen Sie mit der Bürokratie in Rumänien zurecht?
Es ist schon sehr viel Bürokratie mit allem verbunden. Es wird sehr viel geändert und adaptiert, aber solche Prozesse werden auch von der EU vorgeschrieben. Es wäre wichtig, dass die EU-Normen auch hier eingeführt werden, denn die sind in Europa schon erprobt. Das wären meine Erwartungen für die nächsten Jahre. Die CE-Zertifizierung erfüllt immer die gleichen Voraussetzungen – genau wie in Österreich, Spanien, Portugal oder Deutschland. Das wäre dann auch einfacher für die Baufirmen. Es ist immer das gleiche Produkt, egal wo ich es kaufe. Im Moment ist das hier noch nicht der Fall. Deshalb ist es auch für westeuropäische Baufirmen sehr schwer, Materialien einzukaufen, weil sie sich nicht auf diese Zertifizierungen verlassen können. Sollte das verbessert werden, dann kann auch auf einem höheren Niveau gebaut werden. Wenn auch dann nicht auf dem erwarteten Niveau gebaut wird, hat der Staat die Verpflichtung, diese Firmen nachher für mangelnde Qualität zur Verantwortung zu ziehen.
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