Büromiete ist nicht nur eine Geldfrage

Drei von fünf Gebäuden des Business Centre sind fertig.
Neues Gebäude der A-Klasse in Temeswar
Von Siegfried Thiel und Raluca Nelepcu
 Keine Frage – Laptop, Internet und Messenger haben die Kommunikation vereinfacht. Im Zeitalter steigender Rohstoffpreise, verstopfter Straßen, fehlender Parkplätze und hoher Mieten ist die Frage berechtigt, ob ein Bürojob noch im „Office“ oder zu Hause auf der Couch getätigt werden kann. Während sich viele Arbeitnehmer eine Arbeit von zu Hause wünschen, bauen Immobilienentwickler ganze Bürokomplexe.
 Büroensemble trotz Wirtschaftskrise     
Ein viertes Bürogebäude der A-Klasse soll im Juni2012 inTemeswar/Timisoara in Betrieb genommen werden. Der Grundstein des neuen City Business Centre, der sich auf 9.500 Quadratmetern erstrecken wird, wurde letzte Woche am 700-er Markt gelegt. Das Bürogebäude wird über ein Konferenzzentrum und All-Inclusive-Büros verfügen, teilte Ovidiu Sandor, Geschäftsführer von ModaTim Investment, der den Business-Komplex in Temeswar aufbauen wird, mit. „In dem Gebäude sollen etwa 900 Personen arbeiten. 300 neue Arbeitsplätze werden entstehen“, sagte Ovidiu [andor.
Das neue Bürogebäude, das im Juni 2012 fertig gebaut wird,  hat einen Gesamtwert von elf Millionen Euro – fast die Hälfte der Summe kommt von der EU. „Wir setzen auf kleine und mittelständische Unternehmen aus der IT-Branche. Anfragen sind aber auch von Unternehmen gekommen, die im Ingenieurwesen tätig sind“, sagte der ModaTim-Geschäftsführer. Neu an dem vierten Business Centre sind die Büros mit All-Inclusive-Angebot. Auf dieses Prinzip bauen die Bürohäuser in der ganzen Welt bereits seit mehr als 30 Jahren. Die Idee, Büroräume und -ausstattung als Dienstleistung für Unternehmen anzubieten, kommt aus den USA und hat sich auch in Europa etabliert. Sie entspricht den Anforderungen an einen flexiblen Arbeitsplatz und setzt gleichzeitig auf die Professionalität eines klassischen Büros.
Ein-Personen-Betriebe, kleinere Unternehmen sowie überregionale Firmen nutzen die Business Centres als gute Alternative zu einer eigenen Büroinfrastruktur. Diese eignen sich für Projektarbeiter, die nur „einen Schreibtisch auf Zeit“ benötigen, aber auch für größere Unternehmen, die sich nicht sofort einen Sitz bauen lassen wollen. „Es sind Firmen, die drei bis sechs Monate hier Personal beschäftigen“, sagte Ovidiu Sandor.
Insgesamt fünf Bürogebäude der A-Klasse sollen im Jahr 2013 im Zentrum von Temeswar stehen. Diese werden sich auf einem Grundstück von 43.000 Quadratmetern erstrecken. Die drei Business-Zentren, die bereits in Betrieb sind, sind zu 90 Prozent ausgelastet.
Umfrage: Rumänen wollen Heimjob
Etwa 80 Prozent der Rumänen sind der Meinung, dass es nicht notwendig sei, ihre Arbeit im Büro zu erledigen. Dies geht aus einer Umfrage des weltweit führenden Anbieters von Kommunikationsnetzwerken „Cisco“ hervor. Flexible Arbeitskräfte seien ohnehin der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit. Außerdem, würden die Arbeitnehmer eine bessere Balance zwischen Job und Privatleben erhalten, so die Auswertung der Studie.
Bei solchen Umfragen wird wohl jedem Investor in Bürohäuser mulmig: Eine Meinungsumfrage ergab, dass 60 Prozent von weltweit befragten Konzernchefs vermuten, dass die Nachfrage für Büroräume zurückgeht, da sich die Arbeitsweise in Zukunft ändern wird. Nur sieben Prozent rechnen damit, dass die Nachfrage für Büroräume zunehmen könnte. Knapp über die Hälfte der Befragten glauben, Büros werden in Zukunft nur noch gelegentlich genutzt.
Wenn die virtuelle Welt weiterhin an Interesse zulegt, werde sich auch die Art der Arbeit verändern. Als wichtiges Argument sei, die Nutzung der Geschicklichkeit anzusehen, sagt Bob Gaudreau, stellvertretender Geschäftsführer der Firma Regus, die die Statistik aufstellte. „Die Zukunft im Bereich der Beschäftigung wird Firmen implizieren, die ein flexibleres Arbeitsmodel anstreben, indem die Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, wählen zu dürfen, wie das Geld für ihren Arbeitsraum ausgegeben wird“, sagt Gaudreau. Die Studie hat ergeben, dass 62,5 Prozent der Großbetriebe, die in die Studie aufgenommen wurden, bereits neue Arbeitsmethoden eingeführt haben. Im Gegensatz dazu wünschen sich nur zwölf Prozent der Befragten, von zu Hause arbeiten zu können. Etwas über Dreiviertel der Umfrage-Teilnehmer glauben, dass sie an ihrem Arbeitsplatz die notwendige Ausstattung vorfinden, um effizient arbeiten zu können. Sie sind auch der Meinung, dass sie über immer mehr Technologien verfügen können, die eine Arbeit erlauben, egal ob diese nun im Büro oder von zu Hause erfolgt. Trotzdem sind nur knapp die Hälfte der Meinung, dass sie über alles Notwendige verfügen, während 42 Prozent über „einige Ausstattungsgegenstände verfügen“ und behaupten, dass die technischen Möglichkeiten verbesserungsbedürftig sind. Es wird kritisch für die Firmen, eine neue Maßeinheit für die Kosten zur Sicherung von Arbeitsbedingungen zu finden. Die traditionellen Konzepte mit Flächen anmieten gehören der Vergangenheit an. Nicht zuletzt werden im Durchschnitt weltweit nur 45 Prozent der Büroräume genutzt. Solche, als leerstehend bezeichneten Büros machen heutzutage keinen Sinn mehr, in einer Zeit, in der Mobilität als effizienteste und dauerhafteste Arbeitsweise angesehen wird, sagt Philip Ross von der Firma Unwired, Miterarbeiter der Statistik. 
Nicht unwichtig sind bei solchen Überlegungen die Zeit, die die Arbeitnehmer damit verschwenden, zu ihrer Arbeitsstelle zu reisen.
Büroatmosphäre macht den Unterschied
Was den Zeitaufwand für die Reise zur Arbeitsstelle angeht, behaupten 64 Prozent, dass die Idealzeit zum Pendeln unter 20 Minuten liegen würde. Und rund ein Viertel aller Befragten wollen in weniger als zehn  Minuten ihren Arbeitsplatz erreicht haben. Derzeit legen 32 Prozent der Befragten zwischen 40 und 60 Minuten zurück, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, andere, knapp 30 Prozent, müssen mehr als eine Stunde lang zum Arbeitsplatz fahren. Fachleute unterschiedlichster Sparten sehen solche Statistiken verschieden. So glaubt manch einer, dass zumindest in Rumänien dieses Bild etwas verzerrt wird. Schlechte Straßen und Gleise, Bummelzüge, verstopfte Straßen und meist fehlende Autos würden gerade in Rumänien die Anfahrt wesentlich verzögern.
Für die Studie wurden 600 Firmenleiter weltweit befragt. Ihre Aussagen brachten Aufschluss über die gegenwärtige Situation der verfügbaren Arbeitsflächen. In einer Online-Umfrage wurden die Manager über die Möglichkeit eines virtuellen Arbeitsplatzes der Mobilität und der Nutzung der Büroräume befragt.
Ein erster Schritt in dieser Richtung hat manch Temeswarer Unternehmer schon getan: Er wechselte in kleinere, weniger anspruchsvolle Büroräume und freute sich, wenn der ein oder andere den Wunsch äußerte, von zu Hause arbeiten zu dürfen.
Sinn und Trend vom klassischen Bürojob in Richtung home-office finden jedoch nicht überall Anklang. „In Europa gibt es schon seit 20 Jahren die Diskussion über Arbeit von zu Hause. Mittelfristig bereiten mir diese Gespräche keine Sorgen. In Rumänien gibt es sowieso zu wenig Firmen, die eigene Büroräume belegen – die Nachfrage für Büros wird in Zukunft steigen. In der Stadt Temeswar müssen noch Bürohäuser gebaut werden“, sagt ModaTim-Geschäftsführer Ovidiu Sandor.
Auch über Immobilienentwickler hinaus gibt es viele, die gerne ein Büro führen. Der Architekt Herbert Habenicht sieht eine ganz andere Arbeitsathmospähre im Büro. „Der Austausch mit und unter den Mitarbeitern ist wichtig“, sagt Habenicht. Er hat erkannt, dass der direkte Kontakt zu den Mitarbeitern wichtig ist. Wenn er sich nämlich für einige Zeit in Deutschland aufhält, läuft die Arbeit im Büro weniger gut. Grund sei der ständige Austausch, „auch wenn über Internet einiges an Kommunikation laufen kann“. Und den Unterschied professionellen Auftretens zwischen Büro und Wohnung schildert Habenicht bildhaft: „Stellen Sie sich ein Arbeitsgespräch zu Hause im Wohnzimmer vor…“
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