Heizkosten: Tiefe Einschnitte im Familienhaushalt

Bald könnte für Heizwerke wie jenes in Temeswar (im Bild) Kohle aus Polen und der Ukraine importiert werden müssen, doch die Transportinfrastruktur ist dürftig.
Präsidialamt und Regierung nur mit vagen Aussagen
Von Siegfried Thiel
Der Staat streicht seine Zuschüsse für Heizwärme. Familien, deren Einkommen 850 Lei netto pro Person überschreiten, werden deshalb ab Spätsommer mehr für Heizwärme bezahlen müssen. Dies kann in manchen Fällen ein Anstieg der Heizkosten von bis zu 60 Prozent der derzeitigen Summen bedeuten. Ob die Unterstützung ab der vorgesehenen Summe stufenweise abnehmen wird, oder komplett gestrichen wird, wurde bisher nicht gesagt. „Ab einer gewissen Summe wird die Heizrechnung wahrscheinlich steigen“, wird Premierminister Emil Boc in der rumänischen Presse zitiert. Eines ist für alle sicher: Es wird enger. Der Mittelstand fühlt sich einmal mehr hintergangen, die minder Bemittelten sehen „neue Schikanen in Form von Auflagen aufkommen, damit der Staat etwaige Zuschüsse umgehen kann“.
Mittelstand wieder zur Kasse gebeten
Da das rumänische Ministerium für Arbeit und Soziales derzeit interimistisch geleitet wird, bleibt vieles noch in der Schwebe. Derzeit kennt man nur die Ansage von Premier Emil Boc, dass jene, die 10.000 Lei verdienen, mehr bezahlen müssen, als jene, die ein Einkommen von 1000 Lei pro Monat beziehen. Was aber geschieht mit dem Mittelstand, der 3 – 4000 Lei im Monat verdient? Derzeit geht die leise Hoffnung, dass die Subventionen nur progressiv steigen werden. „Wenn ich jetzt für die Heizkosten 60 Prozent mehr ausgeben muss als bisher, wird es langsam fraglich, warum ich mich noch um etwas bemühen soll“, sagt Ilie M. Er und seine Frau verdienen 3800 Lei im Monat. Bei diesem Einkommen steht der vierköpfigen Familie überhaupt keine Subvention mehr zu. Auch Geringverdiener denken an ihre Situation im kommenden Winter, denn sie fürchten strenge Regeln, die sie mit Schikanen auslegen. „Wenn ich einen halben Hektar Land habe, wird mir wahrscheinlich der Zuschuss gestrichen. Dabei kassiere ich von dem Grundstück wahrscheinlich im ganzen Jahr das, was die Hälfte der Heizkosten für einen Monat ausmacht“, sagt einer, dessen Einkommen Staatshilfe für Heizung zulassen würde. Verwalter von Wohngemeinschaften befürchten, dass es schwer sein wird, genauestens zu prüfen, wer denn was verdient – die Summe könnte sich bei so manchem sogar von Monat zu Monat ändern. Der zusätzliche Arbeitsaufwand der Verwalter gar nicht mitgerechnet.
Auch die Besitzer von Ackerland sind skeptisch, was die ordnungsgemäße Zuteilung von Subventionen betrifft. Rumäniens Staatschef Traian Basescu hatte sich Mitte vergangener Woche in den Medien gefragt, warum jemand, der drei Hektar Land besitzt und diese nicht bearbeitet, Heizzuschüsse erhalten sollte. Auch hier finden die Bürger reichlich Lücken in der Überlegung: Wenn jemand die Möglichkeit hat, sein Land selbst zu bearbeiten, wohnt er vorwiegend nicht in der Stadt und ist deshalb auch nicht an das zentrale Heiznetz angeschlossen und hat dann auch keinen Anspruch auf Subvention. Wenn er aber in der Stadt wohnt und sein Land bearbeiten lassen muss, dann erhält er zwar Rendite, doch die muss er gänzlich zu Heizkosten aufwenden. „Dann kann ich auch auf den Ackerboden verzichten“, sagt ein aufgebrachter Bürger.
Präsident B²sescu ließ erkennen, dass es nicht das Ziel sei, die Subventionen zu streichen. Es ginge einfach darum, den Fokus auf die soziale Komponente zu richten. „Derzeit ist die Art der Sozialhilfe extrem ungerecht verteilt“, sagte Basescu.
Wirtschaftsprofessor: Strategien fehlen
Auf die Bevölkerung habe eine Streichung der Subventionen für Heizkosten seitens der Regierung bestimmt negative Auswirkungen, sagt der Temeswarer Wirtschaftsprofessor Nicolae Taran. Anderseits kann er an dem Ganzen auch positive Seiten erkennen. „Jetzt wird man sich in den Kommunalverwaltungen überlegen müssen, wie es in Zukunft weiter geht“. Taran findet, dass es in Rumänien keine langfristigen Strategien gibt. „So wurden die Wohnblocks Wärme gedämmt, doch die Leitungen wurden nicht so angepasst, damit sie in der neuen Situation weniger Heizwärme liefern“. Außerdem würde wenig Wert auf den Schienentransport gelegt: „Bei den schwindenden Kohlereserven werden wir den Brennstoff bald importieren müssen und dann fehlt dazu die notwendige Infrastruktur“, sagt Nicolae Taran.
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Eine Antwort zu Heizkosten: Tiefe Einschnitte im Familienhaushalt

  1. WERNER HOFMANN schreibt:

    BROWNS-GAS,das jeder Haushalt mit sehr wenig Aufwand und Kosten selber erzeugen kann(durch ein einfaches Elektrolysegerät);kann die Heizkosten bei ÖL-und Gasheizungen um bis zu 50% SENKEN!!!!www.browns-gas-technology.de

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