Automarkt, zwischen Normalpensum und hohen Targets

Show auf zwei Rädern
Auf der Auto-Moto-Tunning-Messe in Temeswar notiert
Von Siegfried Thiel
PKW, Motorräder und Mopeds, aber auch Rennwagen waren vier Tage lang im Regionalen Geschäftszentrum in Temeswar zu sehen. Auto-Moto-Tunning-Salon nannte sich die Fachmesse, die am vergangenen Wochenende stattgefunden hat. Nostalgiker aber auch  Jugendliche blieben verwundert vor dem Opel aus dem Jahr 1958 und dem Fiat – Baujahr 1967 – stehen. Nach dem Modell großer Automessen begann die Ausstellung mit einem sogenannten Pressetag. Das kleine Medienzentrum – in der Halle eingerichtet – fand weniger Anklang, genauso wie ein Zuschaueransturm auf die Messehalle ausgeblieben war.
Auf 3.000 Quadratmetern zeigten die ausstellenden Firmen und Autohäuser ihre Produkte. „Die erste Messe dieser Art in Temeswar ist jedoch keine mit Verkauf, dafür ist die Zeit zu kurz“, sagte Mariana Nicoar², Direktorin des Messeveranstalters der Temeswarer Industrie- und Handelskammer. Eine längere Ausstellungszeit wollte man gerade in der Krise den Austellern nicht zumuten, hieß es unter Insidern. Für die meisten war ein „Präsenz zeigen“ wichtig und deshalb fanden sie die Veranstaltung auch sinnvoll. Großen Anklang fanden die Rennfahrer, die ihre Fahrkünste auf dem freien Platz vor dem Dan-P²ltini{anu-Stadion und vor der Messehalle zum Besten gaben.
 
Am Rande der Messe befragten wir zwei Fachleute aus Temeswarer Autohandel.
Eugen Cocea, Marketingdirektor des Skoda-Dealers Procar Temeswar.  
Wie kann man den Temeswarer Automarkt einschätzen?
Der Temeswarer Automarkt ist in den letzten drei Jahren genauso wie jener im gesamten Land von dramatischen Rückgängen betroffen, was sich auf viele Autohäuser negativ ausgewirkt hat. Zu unserem Glück gibt es in Temeswar ein gewisses Potential, das über dem Landesdurchschnitt liegt und deshalb sahen wir uns nicht gezwungen – wie es mancherorts passiert ist – das Autohaus zu schließen.
Welches ist das Segment, das in Zeiten stetigen Verkaufsrückgangs am meisten gesucht ist? Zu Erklärung: Die, die Geld haben, kaufen sich sowieso teure Autos, oder werden vor allem billigere Autos gesucht?
In erster Reihe waren die billigeren, also die sogenannten Volum-Autos, betroffen, aber bestimmt hat es auch in den gehobenen Segmenten des einschlägigen Marktes, also Premium und Lux, begonnen, Probleme zu geben. Dies geht darauf zurück, dass der Kunde vorsichtiger geworden ist, wenn es sich entschließt, ein Auto zu kaufen. Der größte Rückgang war jedoch – wie bereits erwähnt – im Bereich der billigen Autos zu erkennen. Nach dem großen Boom, sich alles auf Pump zu kaufen, ohne eine reelle materielle Basis zu haben, hat es viele Fälle gegeben, in denen Autos –  im Leasing-Verfahren vergeben – an das Autohaus zurückgegeben werden mussten. Jetzt tun sich die Kunden schwer, eine Entscheidung zu treffen. Das Auto ist ohnehin kein Gegenstand, den man auf Anhieb kauft.
 
Ich dachte immer, die Nachfrage für billigere Marken sei größer, vor allem weil hier das von der Regierung unterstütze Umweltprogramm seine Auswirkungen zeigte…
In den letzten Jahren hat der Markt im Bereich kostengünstiger Autotypen sehr gut von diesem sogenannten Schrottkarren-Programm zur Erneuerung des rumänischen Autobestands gelebt. Doch in dem Augenblick, als Fonds und Gehälter gestrichen wurden, haben dies vor allem die weniger Betuchten zu spüren bekommen. Der Bürger kann eher auf den Kauf eines Neuwagens, als auf Lebensmittel oder auf ein Dach über dem Kopf verzichten. Dies hat auch mit dazu beigetragen, dass der rumänische Automobilmarkt so stark zurückgegangen ist. Der Mittel-Klasse- oder Premium-Wagen hat also die Einschnitte der Rumänen weniger zu spüren bekommen. Ein Wagen mit einem Preis von etwa 250.000 Euro wird eh nur in ganz geringer Menge verkauft – dies mit oder ohne Wirtschaftskrise. Ein sogenanntes Dutzendauto jedoch geht in zu Tausenden im Jahr weg. Wenn also im gehobenen Segment die Wirtschaftskrise zu spüren ist, dann zeigt sich diese in einer ganz anderen Art und Weise.
Inwiefern ist die Hierarchie auf die Wagen Ihres Autohauses zutreffend, wenn man die zuletzt erschienenen Umfragewerte in Betracht zieht, wonach der Kunde zuerst auf den Treibstoffverbrauch und dann erst auf Preis und Komfort schaut, wenn er sich einen Neuwagen zulegt?
Wie in anderen Ländern auch, ist der Preis in Rumänien ein wichtiges Kriterium beim Erwerb eines neuen Autos. Jetzt ist der Preis wohl wichtiger als je zuvor. Der Treibstoffverbrauch beginnt, immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Nicht unwichtig ist jedoch auch, ob das Auto dem Kunden optisch zusagt. In unserem Autohaus, also bei Skoda, gibt es ein weiteres wichtiges Element. Wir erfreuen uns eines guten Rufes, der rumänische Kunde assoziiert den Begriff Skoda mit der deutschen Technologie von Volkswagen, weil Skoda eine Tochter des VW-Konzerns ist. Skoda verfügt über die technische Expertise von Volkswagen.
 
Wie hat sich das Target bei Procar Temeswar/Timi{oara in den letzten Jahren verändert?
Procar Temeswar gibt es seit über einem Jahrzehnt. Die Spitzenjahre für uns waren 2007 und 2008 gewesen, wobei etwa 1.000 Stück/Jahr abgesetzt wurden. Dies war übertrieben für einen Autohändler wie wir es sind – nicht nur in Rumänien, sondern auch in anderen Ländern. Der Normaldurchschnitt liegt bei etwa 300 Einheiten/Jahr. In den vergangenen beiden Jahre haben wir je etwas mehr als 300 Stück verkauft. Letztendlich kann man sagen, dass für Procar  der Rückgang eigentlich einem Einpendeln in der „Normalzone“ gleichkommt. Wichtig ist, dass wir das derzeitige Niveau beibehalten.
 
 
 
 
 
 
Robert Krafft, Direktor des Autohauses Banat Car, das Wagen der Marke BMW absetzt.
Welche sind Ihre Auflagen und Erwartungen und auch Ihre Verkaufszahlen? Welche Dynamik haben diese in den letzten Jahren durchgemacht?
2006 und 2007 waren die besten Jahre, ab Mitte 2008 fing es an, auch bei uns zu kriseln. Dementsprechend sind auch die Targets herabgesetzt worden. Trotz allem sind diese immer noch relativ hoch. Letztes Jahr hatten wir ein Target von 100 neuen Fahrzeugen, in diesem Jahr haben wir als Ziel, 120 Neufahrzeuge und 50 Gebrauchte zu verkaufen. 95 Prozent unserer Gebrauchtfahrzeuge, die wir absetzten, sind Buy-Backs.
 
Wer kauft überhaupt BMW? Die Betuchten, die gar nicht soviel Wert auf den Sprit legen?
Bei unseren Kunden wird zu allerletzt nach dem Verbrauch gefragt. Das interessiert die so gut wie gar nicht, wobei man in den letzten zwei Jahren eine leichte Änderung in Erwartungshierarchie erkennt. Mittlerweile wird als erstes nach dem Preis gefragt. Unsere Kunden wissen zu 90 Prozent, was für ein Automodel sie haben wollen. Preis und Leistung sind das Entscheidende. Die Frage nach dem Verbrauch liegt nach wie vor an letzter Stelle.
 
 
Man erwartet ja, dass das deutsche Auto sehr viel in Richtung Umweltfreundlichkeit tut. Trotzdem hat die Firma Jato-Dynamiks auch BMW, aber auch drei weitere deutsche Automarken unter die ersten fünf gewertet, die den höchsten CO2-Ausstoß aufweisen. Kommentieren Sie…
 
Ich denke, diese Firma hat vor der Bekanntgabe dieser Wertung bestimmt geprüft, ob das so ist – es könnte also stimmen. Was ich aber dazu sagen kann, ist, dass der Hersteller gerade in den letzten drei, vier Jahren wirklich viel im Bereich Motoren getan hat. So z.B. war der Vier-Liter-Motor bis vor zwei Jahren ein V8-Motor, mittlerweile ist er auch ein Sechs-Zylinder-Motor und das mit derselben Leistung. Dementsprechend ist dann auch der CO2-Ausstoß zurückgegangen.
 
Kann man das auch so deuten: Ein BMW fährt gewöhnlich länger über die Straßen als viele andere Modelle, deshalb könnten die Werte auf viele Baujahre verteilt werden.
Das ist schon richtig so. Bei einem BMW, Audi oder Volkswagen ist die Standfestigkeit bestimmt höher als bei anderen Autos.
 
Es geht immer mehr in die Richtung Billigautos. Auch bei den Zulieferern. Was haben Sie als BMW-Dealer dieser Konkurrenz entgegenzusetzen?
Der Kunde, der sich für einen BMW entscheidet, der ein Premium-Auto kaufen will, der kauft einfach eins. Wir haben da nicht so große Probleme mit dem Billigauto. Unsere Kunden wissen schon genau, was sie wollen.
 
War die Beteiligung Ihres Autohauses am Auto-Motor-Tunning-Salon eine Verzweiflungstat in der Krise oder eine Möglichkeit, Präsenz zu zeigen?
Es ging uns darum, Präsenz zu zeigen und uns mit den direkten Konkurrenten Audi, Mercedes usw. zu messen.
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