Stöckelschuh` und Siebenmeilenstiefel

Bei der Einweihung (!?!) der Renovierungsarbeiten des Landsitzes im Brâncoveanu-Stil von Potlogi im Verwaltungskreis Dâmbovita ließ Ministerin Elena Udrea, deren hohe Stöckel im Schotter und Dreck des Zugangswegs versanken, wie nebenbei wissen: „Hier gehört Asphalt hin! Hättet ihr mir das beizeiten gesagt, hätte ich Euch den Weg hierher asphaltieren lassen!“ Was als humorige Rüge gegenüber den Kommunalbossen gemeint war – natürlich implizite auch als Unterstreichung der Macht der fastallmächtigen Chefin über Infrastrukturbelange, der Ministerin mit dem höchsten Budget, das dieses Ministerium jemals hatte – das muss auch verstanden werden als unbewusstes Zugeben der Plan- und Perspektivlosigkeit, mit der Steuergeld aus allen Fenstern geschmissen wird.
Denn wenn es in diesem Land eine mittel- und langfristige Planung von Infrastrukturarbeiten gäbe, dann müsste man einer Ministerin nicht zuflüstern, wo ein Stückchen Asphalt gegossen werden muss – oder man würde es vergebens versuchen. Weil die strikte Planung der Investitionen in die Infrastruktur Interventionen bei der Ministerin vergeblich werden ließe. Weil eine strikte Planung auch ausschließen würde, dass einmal verplantes Investmentgeld abgezwackt und anderwärts eingesetzt werden könnte. Etwa, um ein Wegstück zum Brâcoveanu-Palast in Potlogi grad mal schnell zu asphaltieren, damit die Stöckelschuhe der liebsten Frau Ministerin des Staatspräsidenten während ihrer historischen Anwesenheit dort nicht versinken.
Während also hierzulande ein Wort an die Ministerin genügt, um ein Stückchen Asphalt gießen zu lassen, bevor sie vorbeischaut, haben unsere ungarischen Nachbarn ihre Ost-West-Autobahn M43 bis zur rumänischen Grenze geführt und die komplizierte Brücke über die Theiß eingeweiht. Nichts steht nun einer noch zügigeren Fahrt aus dem Banat ins wahre Mitteleuropa – nach Wien, Preßburg oder Budapest, aber auch nach Kerneuropa – entgegen – außer dem Grenzübergang.
Oder außer einer aus Planungs- und Finanzierungsgründen immer noch im Bau befindlichen Autobahn.
Mit der historischen Absage des seinerzeitigen Transportministers Traian Basescu an die EU – „Das Verkehrsaufkommen in Rumänien ist zu gering, um hier jetzt schon Autobahnen zu bauen“, sagte der weise Ex-Schiffskapitän Mitte der 90er Jahre in Brüssel – hatte sich Rumänien selber Schranken gegen eine Kofinanzierung von Autobahnen durch die EU in den Weg gestellt. Absagen in Zusagen umzukippen ist immer schwieriger als einfach Zusagen anzunehmen.
Trotzdem: von der Zusage bis zur Gegen- und Kofinanzierung, geschweige denn zu den zwingend nötigen Planungsarbeiten sind Siebenmeilenschritte nötig (von der möglichst einvernehmlich festgelegten Trassenführung über notwendige Ankauf- oder Enteignungsmaßnahmen, geologisch-arhäologischen Studien und bautechnischen Planungs- sowie Logistikarbeiten und letztendlich zur Planung von Eröffnungsfeierlichkeiten, die kein Lächerlichkeitsgestus sein sollen – siehe Siebenbürgenautobahn).
Uns fehlen die Siebenmeilenstiefel dazu.
Werner Kremm
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