„Kurz aber stark“

Timishort-Festivalleiterin Andreea Dinca: „Wir arbeiten hauptsächlich mit der Seele“.
Timishort-Kurzfilmfestival startet heute
Die dritte Auflage des Kurzfilmfestivals „Timishort“ beginnt heute in Temeswar/Timisoara. Eine Auswahl der wichtigsten rumänischen und internationalen Kurzfilme wird auch in diesem Jahr bis am 8. Mai in Temeswar ausgestrahlt. Die internationale Wettbewerbssektion umfasst insgesamt zwölf Kurzfilme. Weitere acht rumänische Filme werden in absoluter Premiere gezeigt. Unter dem Slogan „kurz aber stark“ ist „Timishort“ eines der Kurzfilmfestivals von hoher Qualität landesweit geworden. Über die dritte Auflage des einzigen Filmfestivals in Temeswar führte BZ-Redakteurin Andreea Oance ein Gespräch mit Andreea Dinca, Referentin für Film, Performing Arts & Musik beim Rumänischen Kulturinstitut Berlin und Festivalleiterin bei „Timishort“.
 Was bedeutet „Timishort“ für Temeswar?
„Timishort“ ist eigentlich immer noch das einzige Filmfestival in Temeswar. Ich hoffe, es bedeutet immer noch viel für diese Stadt. Auch wenn das nur ein Kurzfilmfestival ist, denke ich schon, dass dieses Festival eine ständig größere Bedeutung mit der Zeit verdient.
„Timishort“ findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Im vergangenen Jahr wurde eine neue Wettbewerbssektion, das Programm „Videorama“, eingeführt. Bringt auch die dritte Auflage etwas Neues?
In diesem Jahr dachten wir, dass es sinnvoll wäre, einen nationalen Wettbewerb einzuführen. So beinhaltet die neue Sektion acht rumänische Filme. Diese sind von Studenten der rumänischen Filmhochschule U.N.A.T.E.C. „I.L. Caragiale“ in Bukarest gedreht worden.
Was für Künstler bewerben sich für das Festival?
„Timishort“ ist ein Kurzfilmfestival, d.h. es geht letztendlich nur um Kurzfilme. Kurzfilme sind eigentlich der erste Schritt zum Featurefilm. Von daher haben wir sehr junge Regisseure, die sich bewerben und am Festival teilnehmen. Ich würde sagen, wir sind ein sehr junges Festival und wir werden auch so bleiben.
Das Festival ist bereits ein erwartetes Kulturevent in Temeswar geworden. Und weil „Timishort“ auch das einzige Filmfestival in Temeswar ist, wird das Event auch vom Kommunalrat finanziell unterstützt?
Das ist immer die schwierige Sache bei einem Filmfestival. Ich glaube, dass es in Rumänien im Allgemeinen so ist, aber in Temeswar umso schwieriger. Die Stadt bewirbt sich nun für den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt 2020, trotzdem fehlt uns immer noch eine langzeitige kulturelle Strategie und das merkt man. Das sieht man in der Stadt, das spürt man auch in den Menschen, denn die kulturellen Bedürfnisse fehlen immer noch. Daran müssen wir noch arbeiten. Finanziell gesehen, wurden wir letztes Jahr nur logistisch vom Temeswarer Bürgermeisteramt unterstützt. Dieses Jahr ist es so, dass sie sich wirklich bemüht haben, uns mit einer Open-Air-Vorführung am Domplatz zu unterstützen. Das ist sehr hilfreich für uns, sonst hätten wir diese Vorführung gar nicht gemacht. Ich denke, für die Stadt sind solche Events sehr willkommen. Das Festival nimmt sich eigentlich vor, die jüngeren Menschen dieser Stadt zu erziehen und sie einfach dem Medium „Film“ näher zu bringen.
Wie finanziert sich eigentlich das Festival?
Unser Hauptförderer ist das Nationalzentrum für Film in Bukarest. Dies ist eigentlich die einzige Institution in Rumänien, die zuständig für Filmproduktionen, Festivals und Filmworkshops im ganzen Land ist. Sonst würde ich Sponsoren sagen, aber das Wort „Finanzkrise“ ist immer noch sehr aktuell in Rumänien, auch wenn ich das nicht nachvollziehen kann. Obwohl Temeswar eigentlich eine sehr reiche Stadt in Rumänien ist, haben wir sehr viele Schwierigkeiten, Drittmittel von Sponsoren zu bekommen. Es gibt immer Dienstleistungen, aber weniger Geld.
Wie soll sich das Filmfestival „Timishort“ in den kommenden Jahre entwickeln?
Wir versuchen immer noch, mehrere parallele Events zu veranstalten und das, um das Publikum an das Festival zu gewöhnen und im Allgemeinen, damit immer mehr Leute ins Kino kommen. Der Eintritt ist frei, man muss einfach nichts bezahlen, man soll sich einfach nur hinsetzten und alles nach Hause mitnehmen. Die Leute können so das Kino wieder entdecken, wie es eigentlich ist. Filme im Kino zu verfolgen und nicht vor dem Computer oder Fernsehen. Das Festival sehe ich künftig hoffentlich immer größer und, technisch gesehen, auch qualitativer. Wir haben Dank unserem Team in Bukarest eine sehr gute Auswahl an Filmen. Das ist auch nachvollziehbar, dass wir größer werden, weil wir hauptsächlich mit der Seele arbeiten.
Das Wort „Publikum“ wurde genannt. Welche waren die Eindrücke des Publikums nach den Veranstaltungen in den vergangenen Jahren?
Man merkt schon, dass nach dem zweiten Festival im vergangenen Jahr die Leute sehr viel darüber geredet haben. Man merkt schon in der Stadt, dass die Leute sehr interessiert sind. Wir haben viel Feedback bekommen. Leute möchten wissen, was passiert, was kommt Neues. Großes Interesse sieht man auch bei den Freiwilligen, die sich anmelden und die einfach mit uns zusammenarbeiten wollen. Es ist unglaublich, wie viele junge Leute mit uns arbeiten wollen! Obwohl ich sagen muss, wir sind alle freiwillig da. Wir bekommen für unseren Einsatz kein Geld und alles, was wir haben, geben wir für das Festival aus.
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