Arader AMG-Lyzeum vor einem Neustart

Die Lyzealschüler mussten in diesem Winter umziehen. Blick auf eine Unterrichtsstunde.

Deutsch folgt dem Englischen, was die Hierarchie der gelernten Fremdsprachen im Kreis Arad betrifft. Bei der Pressekonferenz (v.l.n.r.): der stellvertretende Generalschulinspektor Nicolae Pellegrini, die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung im Stadtrat, Mariana Cismasiu, Michael Szellner und Lavinia Chis.
Bildungsangebot ist bestimmt kein Hindernis
Von Siegfried Thiel
Umdenken und Umzug waren im vergangenen Winter angesagt, als das Arader AMG-Lyzeum zur gleichen Zeit zwei seiner bisherigen Gebäude an die katholische Kirche rückerstatten müsste. Mitten im Schuljahr war dann den Umzug fällig, doch bereits im vergangenen Sommer hatte das deutsche Lyzeum in Arad durch Zusammenschluss eine erste neue Location erhalten. Zuvor war nämlich ein erstes Gebäude an die Kirche zurückgegeben worden. „Jedes Kind, das die deutsche Sprache erlernen will, soll bei uns die Möglichkeit dazu haben“, hatte die Direktorin der Schule, Lavinia Chis, immer wieder hervorgehoben. Es war dabei auch eine gehörige Portion Angst um einen Image- und Schülerverlust präsent. Statt Umzug hatten manche von Auflösung der Schule gesprochen, andere fanden es abwertend, dass einige Klassen in einen Flügel des ehemaligen Forstlyzeums übersiedeln sollten. Mit ihrer Pressekonferenz hat Lavinia Chis, ihre Stellvertreterin Maria Borlea und der Zuständige für Kommunikation in der Schule, Physiker Michael Szellner, das Bild der Schule dargestellt und Schülern und Eltern die Ängste weitgehend genommen.
„In den zehn Jahren seitdem ich in der Presse arbeite, hat noch keine einzige Schule eine Pressekonferenz veranstaltet“, lobte eine Arader Journalistin den Vorstand des AMG-Lyzeums. Eine Diaprojektion zeigte Bilder während des Treffens aus dem Schulalltag des AMG-Lyzeums, ein Alltag der auch von Freizeitveranstaltungen im Umfeld der deutschen Gemeinschaft geprägt ist. Unter dem Motto „Wir sind in ein neues Haus eingezogen“, stellten die Arader ihren Umzug vor und Michael Szellner sprach nicht unverhofft die Tatsache an, dass das AMG-Lyzeum bei manch einem schon abgeschrieben war. „Der Phoenix des deutschen Bildungswesens ist in  Neuarad aus seiner Asche auferstanden“. 285 Jahre deutschsprachiger Unterricht in Arad, damit wirbt gerne das Arader Lyzeum für seine Tradition – und für Schüler. Dokumente sollen zeigen, dass in einem anderen Stadtviertel von Arad noch etwas früher eine deutsche Schule errichtet wurde – doch dies ist weder Gesprächsstoff noch eine Imagefrage. In seinen derzeit drei Gebäuden – zwei auf der Timisorii- und eines auf der Posada-Straße in Neuarad – wird das Neuarader Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum zumindest in den kommenden Jahren auskommen müssen. In jedem der Gebäude gibt es etwas, das auch für solche Kinder attraktiv ist, die nicht in der Muttersprache Deutsch lernen möchten. Deutsch als Fremdsprache bereits von der ersten Klasse beginnend, intensiv deutsch und englisch ab der 5. Klasse und am Lyzeum Klassen mit intensiv deutsch oder eine Bilingual-Klasse rumänisch-deutsch. Attraktiv dürfte für derzeitige oder angehende AMG-Schüler sein, dass eine sogenannt 13. Klasse im Fernunterricht angeboten wird, aber auch viele nationale und internationale Projekte sprechen für ein Studium am deutschen Lyzeum in Neuarad, so die Redner.
Allein das „Pausenradio“ hinkt dem Umzugsabschluss hinterher. Nicht nur Probleme mit den Stromleitungen haben im neuen Gebäude das Projekt vorerst auf Eis gelegt, sondern auch die Tatsache, dass das Forstlyzeum sein eigenes Projekt für Pausenmusik hat und über einen Außenlautsprecher Musik abspielt.
„Wir haben gute Räumlichkeiten, haben ein gutes Einvernehmen mit den Kollegen und Schülern aus dem Forstlyzeum“, sagt heute sichtlich erleichtert Direktorin Chis. Wahrscheinlich war sie sich dessen vor dem Umzug gar nicht so sicher. Zwar bleibt die Schule weiter auf mehrere Gebäude verteilt, im neuen Gebäude gibt es Einigkeit mit Schülern und Lehrern der Forstschule. „Totgesagte leben länger“, philosophiert Michael Szellner erneut. Ein wenig Deutschtum hat das Arader Lyzeum bei seinem Umzug „geschenkt“ bekommen. Vor dem Gebäude das sich nun AMG-Lyzeum und Forstschule teilen thront die Büste des Arbeiterdichters aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, Nikolaus Schmidt. Neben dem Torbogen prangt heute – trotz einiger Hürden – auch das Firmenschild des deutschen Lyzeums. Erst musste ein Fachausschuss aus der Stadtverwaltung die Anbringung genehmigen. Das Gebäude des ehemaligen Nopcea-Palastes steht nämlich unter Denkmalschutz.
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