„Ich hatte Lust, etwas anderes zu machen”

Brigitte Röllig unterrichtet seit acht Jahren an der Deutschen Spezialabteilung der Nikolaus-Lenau-Schule.
Gespräch mit Brigitte Röllig, Lehrerin an der Deutschen Spezialabteilung in Temeswar
 Brigitte Röllig unterrichtet seit acht Jahren Geschichte und Deutsch an der Deutschen Spezialabteilung des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar/Timisoara. Die aus Erfurt stammende Lehrerin muss in diesem Jahr das Land, das in all diesen Jahren zu ihrem zweiten Zuhause geworden ist, verlassen. Über ihre Zeit in Rumänien, als auch über das Schulsystem, das sie hier kennengelernt hat, erzählt sie in folgendem Gespräch. Das Interview führten Maria Stoicuta und Simina Fernea.
 Sie sind schon seit acht Jahren in Temeswar. Welchen Eindruck hat Ihnen Rumänien in all diesen Jahren hinterlassen?
Acht Jahre waren ursprünglich nicht geplant gewesen, mein Vertrag war nur für drei Jahre und dann habe ich ihn verlängert. Schon allein das zeigt, dass ich die Jahre hier gut gefunden habe, dass ich mich gut gefühlt habe, sonst wäre ich sicherlich nicht so lang geblieben. Was mir an Rumänien insbesondere gefällt, ist vor allem die Herzlichkeit der Menschen, die mir hier begegnet sind, die Hilfsbereitschaft der Leute hier. Es ist ein schönes Land.
Wie ist es dazu gekommen, dass Sie nach Rumänien kamen, um zu unterrichten?
Ich hatte mich für den Auslandschuldienst beworben und eine Anfrage von dem damaligen Abteilungsleiter Karl-Ernst Friederich bekommen, ob ich nicht vielleicht hier arbeiten möchte. Dann habe ich in den Osterferien hier vorbeigeschaut und ich habe gesagt, warum nicht, es ist auf jeden Fall etwas anderes und ich hatte Lust, etwas aderes zu machen.
 Wie finden Sie das rumänische Schulsystem im Vergleich zu dem deutschen?
Ich unterichte an der Spezialabteilung, so dass der Unterschied nicht so groß ist, generell gibt es nicht so gewaltige Unterschiede, was das System angeht. Es gibt natürlich einige Unterschiede im Kleineren, im Detail. Zum Beispiel gibt es in Deutschland keine solchen Verhaltensnoten wie hier und mit anderen Dingen wird ein bisschen anders umgegangen, aber grundsätzlich ist Schule Schule.
 Wie groß sind die Unterschiede zwischen den Schülern hier und jenen aus Deutschland?
In meinen ersten Jahren habe ich empfunden, dass die Schüler hier „hungriger” sind, jetzt nicht im wörtlichen Sinne, sondern sie sind stärker interessiert daran gewesen, einen guten Schulabschluss zu machen, weil sie wussten, dass das für ihre Zukunft wichtig ist. Das empfinde ich inzwischen nicht mehr so, ich kann nun sagen, der Unterschied ist marginal.
 Werden Sie Rumänien vermissen?
Ja, sicherlich werde ich Rumänien vermissen, aber es ist ganz gut, wieder nach Hause zu gehen.
 Ganz bestimmt werden Sie dann die Beziehung zu Rumänien noch beibehalten… Unter welcher Form stellen Sie sich das vor?
Zunächst bleibt mir nur, meine Urlaubsreisen nach Rumänien zu verlegen, und ich denke, das werde ich auf jeden Fall tun. Ich habe Freunde hier, zu denen ich den Kontakt aufrecht erhalten möchte und ich glaube, ich werde in Zukunft meine Freizeit zu einem guten Teil in Rumänien verbringen.
 Wer wird an Ihrer Stelle Studienberater sein?
Das ist leider noch nicht ganz klar. Wir hatten darüber gesprochen, dass das Frau Schramm übernehmen wird, aber, wie gesagt, endgültig ist es noch nicht.
 Was sind denn die Aufgaben eines Studienberaters?
Zum Einen steckt es natürlich schon im Wort: Er berät Schüler in Fragen des Studiums und zwar betrifft es in erster Linie Fragen, wenn sie in Deutschland oder in Österreich studieren wollen. Ich unterstütze sie bei der Auswahl der Universität, ich helfe ihnen, ihre Bewerbung zu schreiben und die Homepages dieser Universitäten zu klären.
 Was glauben Sie: Wie wird es für Sie sein, nach einer so langen Zeit wieder in Deutschland zu unterrichten?
Darauf bin ich selber sehr gepannt. Ich bin jetzt acht Jahre weg gewesen und ich bin neugierig darauf, wie ich mich in Deutschland wieder eingewöhnen werde. Das kann ich also noch nicht beantworten.
 Sie haben uns schon gesagt, was Ihnen an Rumänien gefällt. Was hat Ihnen weniger gefallen?
Was mir gar nicht gefällt, ist der leichfertige Umgang mit der Umwelt, der nachlässige Umgang mit Müll, zum Beispiel.  Müll liegt an vielen Stellen in der Stadt herum und auch außerhalb der Städte ist es mancherorts schmutzig. Wenn die Menschen sich da ein bisschen mehr engagieren und interessieren würden für ihre eigene Heimat…
 Was würden Sie der Spezialabteilung zu Ihrem bereits zehnjährigen Bestehen wünschen?
Dass Sie weiterhin interessierte und lernbereite Schüler behält oder noch mehr davon bekommt.
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