Schwabe kehrt als Handballtrainer nach Temeswar zurück

Uwe Bittenbinder spielte in seiner aktiven Zeit vor allem Linksaußen und Kreisläufer, nun hat er Traineraufgaben.
Uwe Bittenbinder soll beim Kampf um den Klassenerhalt beisteuern
Von Siegfried Thiel
Nedeljko Vuckovic und Uwe Bittenbinder können entweder Geschichte schreiben oder nach nur wenigen Wochen ausgepfiffen werden. Seit zehn Tagen sind die beiden nämlich als Trainer bzw. technischer Beirat beim Banater Handball-Erstligisten Poli Temeswar/Timisoara verpflichtet. Vuckovic und Bittenbinder sollen in den kommenden Wochen die Mannschaft vor dem Abstieg retten, ein Team, das in 18 Spielen gerade Mal sechs Punkte erzielt hat und auf dem vorletzten Wertungsplatz liegt, ein Rang der unweigerlich in die zweite Liga führt. „Besonders viel können wir im Moment eigentlich gar nicht tun“, sagt Uwe Bittenbinder, „eventuell die Spieler näher zusammenbringen, ihnen wieder Vertrauen geben“.
Werte und Erfahrung „Made in Germany“
Der technische Beirat ist eigentlich ein Heimkehrer. Vor drei Jahren kam der gelernte Elektriker nach fast zwei Jahrzehnten in Deutschland wieder nach Rumänien. Er gründete eine Elektrofirma für die Baubranche, mittlerweile auch einen Weinladen und nicht zuletzt kam er seiner alten Liebe, dem Handball, wieder näher. Bereits vor der Wende hatte der in Warjasch/Varias (Verwaltungskreis Temesch/Timis) geborene Bittenbinder Handball gespielt: Temeswarer Sportschule, ASA Ploiesti, Multim Temeswar waren die Stationen, bis er auswanderte. Nach kurzer Anfangspause spielte er bei mehreren Vereinen in den Landes- und Oberliga in Baden-Württemberg (Deutschland), danach begann er seine Trainerlaufbahn, spielte aber gleichzeitig auch noch selbst. Mit der Trainerlizenz der Kategorie B kehrte er nach Rumänien zurück und wurde Anfang Februar 2010 ins Trainerteam bei Poli Temeswar aufgenommen. Bereits damals arbeitete er kurze Zeit mit dem  Serben Vuckovic zusammen. Auch heute machen die beiden den Eindruck eines guten Teams. Innerhalb weniger Minuten ist es klar, dass sie nicht nur Ahnung vom Handballspiel haben, sondern auch von der Mentalität her ähnlich denken. Ihre Hinweise bei einem Trainingsspiel auf ein Tor sind so gut wie immer im Einklang. Eines hat beide schon zusammengebracht, als sie sich noch gar nicht kannten: Vuckovic trainierte ebenfalls in Deutschland und daher sind beide „Kämpfernaturen“, sagt Bittenbinder.
Zwischen Trainingseinheiten und Sportstudium…
Uwe Bittenbinder verteilt nun seinen Tag auf die Arbeit mit der ersten Mannschaft von Poli, auf das Training beim zweiten Team des Vereins – wo er Cheftrainer ist – und auf sein Studium an der Temeswarer Sporthochschule. Im Sommer d.J. macht er seinen Abschluss. Ein entscheidender Grund für den Beginn des Sportstudiums im Alter von 40 Jahren dürfte auch gewesen sein, dass seine Lizenz aus Deutschland vom Rumänischen Handballverband nicht anerkannt wurde.
Es wird ein steiniger Weg, zumindest an einer der beiden Mannschaften im Wertungskeller (Baia Mare und/oder Steaua Bukarest) vorbeizuziehen. Fenici und Stan sind im Winter zur Mannschaft gestoßen und weil sie von der damals mit Stars gespickten Mannschaft UCMR Reschitza/Resita kamen, hatten bereits die Vorgänger von Vuckovic und Bittenbinder sich viel von den beiden erwartet. „Stan war jedoch in Reschitza nicht gerade erste Wahl, deshalb ist es für ihn ein wenig fremd, nun mehr Verantwortung übernehmen zu müssen“, sagt der Trainerbeirat. Nicht nur die Tatsache, dass es nur wenige Punkte bis zu den Nicht-Abstiegsplätzen sind, sondern auch vom Niveau her glaubt Uwe Bittenbinder, dass die Mannschaft den Klassenerhalt noch schaffen kann. „Die letzten vier Spiele (Anm: Vor der Partie in Konstanza/Constanta) gingen mit einem Unterschied von je einem Tor verloren. Bei besserer Konzentration hätten das auch zumindest Unentschieden sein können“.
Abstiegskampf und Nostalgie
Zeit hat sich Uwe Bittenbinder für dieses Interview reichlich genommen: Ein bisschen Nostalgie lässt er aufkommen, als sich das Gespräch um Handball-Turniere im Kreis Temesch dreht und unweigerlich kommt er auch auf die Situation des bekannten deutschen und im Banat geborenen Trainers Herbert Müller zu sprechen. Dieser war bei der Frauenmannschaft Rulmentul Kronstadt/Brasov nicht so recht glücklich geworden. „Es besteht jedoch kein Zweifel, Herbert Müller ist ein sehr guter Trainer. Aber in diesem Job sitzt du immer auf gepackten Koffern“, sagte der gebürtige Warjascher. Er selbst würde liebend gern auch in Zukunft als Trainer arbeiten, aber für den Anfang muss er zusammen mit Vuckovic das Kämpferische aus dem serbischem Handball und den Siegeswillen aus Deutschland auf die Poli-Handballer übertragen. Bei HCM Konstanza/Constanta ging ihr Einstand am vergangenen Wochenende in zwei symmetrisch ablaufenden Halbzeiten 24:30 (12:15) nicht nach Wunsch auf. Im Vorfeld der Begegnung gegen den amtierenden Landesmeister von der Schwarzmeerküste hatte Uwe Bittenbinder noch leise Hoffnung geschöpft: „Wenn die uns vielleicht unterschätzen…“. Wichtig findet er jedoch, „dass die Spieler wieder Gefallen am Handball bekommen, denn in solchen Situationen tut auch eine Verletzung gleich weniger weh“.
Sechs Punkte und Platz 13 in der Liga: So schlecht war es um die Temeswarer Erstligisten lange nicht bestellt.
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