Bürowechsel fürs Foto: „Ich muss auf das Image der Polizei achten“

Gheorghe Popescu: „Wir haben gute Resultate bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung“.
Interviewbericht mit Hauptkommissar Gheorghe Popescu, Chef der Temescher Kreispolizei  
Von Siegfried Thiel
Seit Juni 2010 ist Hauptkommissar Gheorghe Popescu Chef der Temescher Kreispolizei, zuvor war er Stellvertreter des Leiters und Interimschef. Sein Job fällt in eine Zeit großer Umwälzungen in der Polizei, wo Stellen gestrichen und Gehälter gekürzt werden. Popescu vermittelt das Bild eines Polizisten, der dem ständigen Wechsel an der Spitze der Temescher Polizeibehörde ein Ende setzen will. Mit diesem Gedanken hatte jedoch auch sein Vorgänger gespielt.
Foto ist auch Imagesache
Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das einen beschleicht, wenn Chefkommissar Gheorghe Popescu sich die Zeit für ein Interview nimmt. Zum einen erweist er sich als allgemeiner Typ: Obwohl der Termin angesagt war, nimmt er keine Managerallüren an und bleibt in einem Alltagsanzug, ohne sich nur wegen dem anstehenden Fotoshooting eine Krawatte umzubinden und seine Uniform legte er auch nicht an. Das Einzige, worum er bittet, ist, die Fotos nicht in seinem Büro, sondern im Konferenzraum zu schießen. „Ich muss doch auf das Image der Polizei achten“, erklärt er. „Sie können immer drauf los fotografieren, denn ich gestikuliere ohnehin ständig, also muss ich für ein gutes Foto gar nicht erst in Pose gehen“. Ein überdimensionales Foto von der Außenaussicht der Polizeibehörde in Temeswar/Timisoara nimmt einen Großteil der Wand hinter ihm ein. Im Konferenzraum – gleich drei Telefone auf dem Tisch, in seinem Büro steht ein einziges,  religiöse Motive schmücken die Wände. Cristinn Lapadat, Ioan Dascalu und Alexandru Palade lösten sich  in eine Zeitspanne von fünf Jahren an der Spitze der Temescher Polizei ab – Gheorghe Popescu war immer die Nummer zwei. Den „ewigen Zweiten“ hatten wir ihn schon hinter vorgehaltener Hand genannt, bis er dann den Sprung an die Spitze machte. „Man hat den Wunsch, beruflich nach vorne zu kommen und dann habe ich mich mit meinem Wissen und Erfahrung aus 25 Jahren Polizeiarbeit der Prüfung gestellt“, sagt der Chefkommissar, auf eine Zeit hinweisend, als die Stelle des Polizeichefs wieder einmal frei geworden war. „Mit der Note 8,25 habe ich den Wettbewerb geschafft“.
Von den Vorgängern das Gute übernehmen
Er habe von jedem seiner Chefs „das Gute übernommen“. Schlechte Eigenschaften misst er keinem seiner Vorgänger zu und nimmt eventuelle Fehlentscheidungen auf die Kappe des Leitungsgremiums, dem er ebenfalls angehörte. „Die Entscheidungen wurden immer im Managerteam getroffen und immer der Schluss gefasst, den wir für richtig hielten“.
Es muss derzeit für einen Manager – auch wenn er bei der staatlichen Polizei arbeitet – ein komplexes Unterfangen sein, in Mentalitäts- und Verständnisfragen für seine Mitarbeiter eine adäquate Erklärung auf Lager zu haben. Es ist nämlich so, dass der Reformdruck in der Polizei ansteht: Neue Herausforderungen durch Stellenstreichungen, durch Verlegung des Arbeitsplatzes, aber auch Gehaltskürzungen drücken wohl auf den Gemütszustand der Polizisten. Allein schon die Nachricht zur Auflösung von Polizeiwachen auf den Dörfern hat aufhorchen lassen: Man wolle nur Geld sparen, und das zum Nachteil der Bürger, heißt es allgemein in der Bevölkerung und auch Wachmeister in den Gemeinden sind nicht überall glücklich, dass sie ihren Sonderstatus verlieren. Für Gheorghe Popescu hingegen ist es klar, dass die Gründung von Polizeirevieren – zuständig für mehrere Ortschaften – dazu führt, dass mehr Polizisten da sind, dass diese besser ausgestattet sind und auch effizienter eingreifen können. Es werden darüber Studien verfasst und man wird eine der vorliegenden Varianten umsetzen.  „Die Kommunikation ist für mich sehr wichtig“, sagt der Polizeichef. Kommunikation heißt hier, mit den 40 direkt untergeordneten Chefs sprechen und mit den 88 Dienststellenleitern der Polizeiwachen in den Gemeinden.
Konzept der Bürgernahen Polizei – eher ein Umsetzungsproblem
Auch mit den Bürgern sucht Gheorghe Popescu, eigenen Aussagen nach, die Kommunikation. „Ich halte Sprechstunden sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag, denn die Leute arbeiten oft in Schichten“. Um auch nahe zu der Bevölkerung in den entfernten Ortschaften des Kreises zu sein, will er nach Fatschet/Faget und Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare fahren, um so die Bürger, die zu einem Gespräch mit dem Polizeichef viele Kilometer weit fahren müssten, zu entlasten. Ob das gleich auch eine Kontrolle für die Polizeichefs in den Kleinstädten ist, war aus den Aussagen von Gheorghe Popescu nicht zu erfahren. Seine Haltung lies eher erkennen, dass er solche Kontrollen lieber mit Überraschungseffekt durchführt. Und weil von Bürgernähe die Rede war: Die Bürgernahe Polizei als Struktur hat für ihn scheinbar erheblichen  Nachholbedarf. Umgesetzt und angewandt wurde sie zwar, doch der Polizeichef lies erkennen, dass nicht immer die richtigen Leute dafür eingesetzt wurden. „Das Konzept muss vom jeweiligen Revierleiter richtig umgesetzt werden. Wir überlegen uns, im neuen Kontext, einem Bürgernahen Polizisten zusätzliche Aufgaben zuzuordnen“. Popescu sagt auch, dass die Gewaltverbrechen zuletzt stark abgenommen haben. Weiterhin hoch ist die Zahl der Diebstähle aus Firmen und Wohnungen, aber auch die Anzahl der geknackten Autos. Trotz Gehaltsreduzierung um 25 Prozent ist Gheorghe Popescu überzeugt, dass seine Polizisten ihren Job nicht schlechter versehen als zuvor. „Nach direkten Gesprächen haben die Polizisten verstanden, welche die Situation im Land ist“.
Erst, als unser Interview zu Ende ist, nimmt er einen Handyanruf entgegen. „Es hat sich also nicht bestätigt“, sagt er seinem Gegenüber. Warum er denn zuvor am Telefon und auf Türklopfen nicht geantwortet habe: „Ich will mich auf meine Arbeit voll konzentrieren, lasse mich deshalb nicht gerne stören. So tue ich es auch, wenn ich in einer Sitzung mit meinen Mitarbeitern bin“. Und dann verdient sich Gheorghe Popescu auch noch einen Bonus bei den Journalisten: „Aus Respekt vor euch wollte ich nicht telefonieren“.
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