Zwei Jahrzehnte erfolgreicher Wirtschaftsförderung

Der Leitungsrat der Banater deutschen Wirtschaftsstiftung: v.l.n.r. erste Reihe: Silvia Popovici, Barbara Thierjung; zweite Reihe: Susana Csonti, Norbert Francisc Taugner; dritte Reihe: Dr. Walter Ernst Schmidt (Vorsitzender), Horst Martin (Geschäftsführer), Dr. Karl Singer; vierte Reihe: Adam Csonti, Daniel Belejan, Michael Szellner, Helmut Weinschrott, Waldemar Günter König.
Die Banater deutsche Wirtschaftsstiftung BVIK BANATIA zieht Bilanz
 Das Jahr 1989 hat in das Leben der Gesellschaft Rumäniens und insbesondere in das der deutschen Gemeinschaft schwerwiegende Änderungen eingeleitet. Die fast sintflutartige Auswanderungswelle der Rumäniendeutschen aber auch vieler Rumänen, der Zusammenbruch mehrerer Wirtschaftszweige, die Auflösung der Landwirtschaftlichen und Handwerksgenossenschaften hat viele Lücken in der Versorgung der Bevölkerung gerissen.
Von den anfangs massiven humanitären Hilfen, insbesondere aus dem deutschsprachigen Ausland, ist man so langsam zu anderen, nachhaltigen Hilfsmaßnahmen übergangen. Das Konzept von „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist uns von Deutschland aus nahe gelegt worden. Damit das inzwischen gegründete Demokratische Forum der Deutschen im Banat dieses Hilfsangebot auch annehmen und unseren deutschen Landsleuten wie auch ihren Mitbürgern weiterleiten konnte. ist auf seine Initiative und durch Beteiligung von mehreren Forumsmitgliedern am 10. Juli 1991 der „Banater Verein für internationale Kooperation BANATIA“ amtlich ins Leben gerufen worden.
Das Bundesministerium des Inneren (BMI), wie auch das Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg, über ihre Träger in Deutschland „Baden-Württemberg International“/Stuttgart (gewesene GWZ), „Caritas“/Freiburg und „DLG-Agriservice“/Bonn, haben die Geldmittel wie auch Sachmittel zur Verfügung gestellt. Diese Hilfsmittel sind durch einzelne von deutschen Gutachtern empfohlene Projekte an die sogenannten „Begünstigten“ weitergegeben worden. Für die erhaltenen Sachmittel bzw. Gelder sollten diese im Laufe von 5 Jahren subventionierte Rückzahlungen in den Revolvingfonds tätigen, Fonds, aus dem weitere Begünstigte unterstützt werden konnten. Dadurch gab es die Möglichkeit, einen Multiplikationsfaktor zu erzielen. Es sollten ja wie nur möglich viele Privatinitiativen unterstützt werden. Dies ist auch tatsächlich geschehen.
Wir bedanken uns bei der Bundesrepublik Deutschland, bei seinen Institutionen und auch bei allen Faktoren die durch ihren Beitrag zum guten Gelingen dieses großen Hilfsprojektes mitgewirkt haben. Wir bedanken uns aber auch bei der Regierung Rumäniens, bei ihren Institutionen, einschließlich bei denen auf lokaler Ebene, die uns im Laufe der Jahre auch den gesetzlich günstigen Rahmen geschaffen haben, damit diese Projekte durchgeführt werden konnten und auch weiterhin durchgeführt werden können.
Das zu Beginn gesetzte Ziel, unseren rumäniendeutschen Landsleuten „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu gewähren, damit diese sich in ihrer angestammten Heimat eine gute, solide Existenzgrundlage aufbauen können, auch als Alternative zur Aussiedlung, stand immer im Vordergrund. Eine solche, nachhaltige Existenzgrundlage ist die Voraussetzung für eine glückliche Zukunftsgestaltung eines jeden, einschließlich für Bildung und Freiheit.
Wir können heute auf 20 Jahre intensiver Arbeit zurückblicken, Zeit, in der sich sehr viel verändert hat. Das Wichtigste ist die Wiedererlangung von physischer und geistiger Freiheit, der unternehmerischen Freiheit, der Demokratie, die Aufnahme in die freie Völkergemeinschaft der Welt mit dem Höhepunkt der Aufnahme Rumäniens in die Europäische Union gewesen. Was vor 20 Jahren für uns noch unvorstellbar gewesen ist, wie z.B. visumsfreie Reisen oder zollfreier Warenverkehr, elektronische Informationen über Satellit mit unzähligen Fernsehprogrammen aus der ganzen Welt einschließlich vieler deutschsprachiger Sender, Zugang zu internationalen Messen bzw. technischen Informationen, Beteiligung an internationaler Arbeitsteilung usw. ist heute eine absolute Normalität.
Mit der Aufnahme Rumäniens in die Europäische Union hat sich noch nicht alles getan. Der Weg zum wirtschaftlichen Erfolg ist schwieriger geworden, die Ansprüche aller Beteiligten sind gestiegen. Andererseits bieten sich durch die teilweise Öffnung des Arbeitsmarktes neue Alternativen für junge Menschen.
Wenn man die Anzahl der vom „BVIK BANATIA“ geförderten Projekte in Betracht zieht – fast 1100 – hinter denen Menschen mit ihren Träumen und Hoffnungen standen und stehen, könnte gesagt werden, dass die Aktivität des Vereins ein Erfolg ist. In welchem Maße aber das damals gesteckte Ziel erreicht worden ist, durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ eine Chance zu erhalten oder eine Alternative zum Verlassen des trauten Umfeldes zu finden um so für sich und seine Familie die Grundlage zu einem gewissen Wohlstand schaffen zu können, sollte hinterfragt werden. Nach dem Informationsstand von heute, unter Nennung von unzähligen Beispielen, kann behauptet werden, dass wir uns alle auf einem guten Weg befinden, um diese Ziele zu erreichen. Folgende Nutznießer bieten die Argumente zu unserer Behauptung: Anton Groo mit seinen drei Söhnen – Landwirtschaft; „Westmetal“ – Ioan L²p²dat/Freckot und Söhne (beide Lenauschüler); „SK Management“ – Harald Singer bietet Arbeitsplätze für Banatdeutsche im IT-Bereich;“C.E.E.“-Leiterplattenherstellung – Nicolae Laz²r – mit „BVIK BANATIA“-Beteiligung; Dr. Dorin Grigoraş – Poliklinik mit hoher technischer Ausstattung; Dr. Ioan Sporea mit Ehefrau Iohanna – ebenfalls Poliklinik mit breiter medizinischer Dienstleistung; Dr. Edgar Herbeck und Sohn Edgar – Landwirtschaft auf moderner technologischer Grundlage; Friderica Cioară – Landwirtschaft, ebenfalls moderne technologische Grundlage, Landwirtschaftsverein „Timpuri Noi“ aus Ketfel unter Leitung von Deian Iorgovan; Zahnarztpraxis Dr. Andrea Kattesch, Gemüsebauer Heinz Wolf mit seinen drei volljährigen Kindern; Edwin Zaban – Spenglerwerkstatt und Obstbau, Roland Bernardin – Bäckerei und Handel – bekannt als „BANATIA“-Projekt 1000; Dorfschmied Martin Barth; Alois Weil – Traditionsbetrieb für Blumengärtnerei; Franz Jakoby – Landwirtschaft; Dieter Bortscher – Bäckerei, Patisserie, Mühlenbetrieb etc.; Helmuth Ludescher – Möbel-Handel, Brüder Pârvulescu/Braun mit Bäckerei und Lebensmittelhandel; „Memory Serv“ – Kfz-Werkstatt – Karina Parfenie/Geiswinkler; Judith und Ioan Pau – „Pau Pan“- Bäckerei; „Heidenwalt“- Kfz-Reparaturwerkstatt – Jürgen-Alfons Walter; Brüder Botorog – „Compas Group“ – Kfz-Werkstatt, Andreea Kremm – „Netex Consulting“ – Call center, Arthur-Friedrich Krotz – Konditorei „Krotz“, Anton Kochut-Galla – Flugzeugmodelle-Herstellung „Naveta“, Horst Korek – Bäckereiausstattung und Service „Afra“ und viele, viele andere.
Alle diese Unternehmer haben sich mit kleinen Schritten und harter Arbeit empor gewirtschaftet, indem sie die vom „BVIK BANATIA“ angebotene Hilfe effizient und verantwortungsbewusst genutzt haben. Als Ergebnis ihrer erfolgreichen Arbeit können sie auch ihren Kindern gute Bildungsmöglichkeiten gewährleisten, wie auch den jeweiligen Lebensstandard verbessern. Des Weiteren haben alle diese erfolgreichen Unternehmer eine positive Wirkung auf die Entwicklung der ganzen Gesellschaft und Wirtschaft des Banats gehabt; durch Schaffung von Arbeitsplätzen, wie z.B. „Netex Consulting“ SRL/Temeswar – Andreea Kremm, 330 Arbeitsplätze, „Di & Si Panif“ SRL/Perjamosch – Dieter-Siegfried Bortscher-Zaiak, 89 Arbeitsplätze, „Norbela“ SRL/Pankota – Roland Bernardin, 80 Arbeitsplätze, „Memory Serv“ Reschitza-Karina Parfenie/Geiswinkler, 40 Arbeitsplätze, „Westmetal“ SRL/Temeswar – Ioan L²p²dat 28 Arbeitsplätze und andere, durch bessere Versorgung mit Lebensmitteln, durch bessere medizinische Betreuung, durch vielfache Dienstleistungen. Die Unternehmer selber, wie auch alle Arbeitnehmer sind Steuerzahler und können letztendlich im Rahmen ihrer Familien leben und wirken. Wir wollen auch zugeben, dass sich nicht alle Unternehmer erfolgreich entwickelt haben; einige davon haben den Betrieb altersbedingt aufgelöst, andere haben ihren Markt verloren – sicherlich auch wegen einer ungesunden Unternehmensstrategie. Nicht zuletzt  muss eine private Unternehmensführung und -gestaltung gekonnt sein. Die Wirtschaftskonjunktur hatte natürlich auch ihren Einfluss, mal positiv, mal negativ.
Der „BVIK BANATIA“-Werdegang ist auch nicht ohne Hindernisse verschiedener Art gewesen. Mit Hilfe des Bundesministeriums des Inneren und des Auswärtigen Amtes und ihrer Träger in Deutschland: der „Caritas“-Verein/Freiburg, die damalige „Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ (GWZ) Stuttgart und heute unter dem Namen „Baden-Württemberg International“ (BWI) bekannt – auch unser „Lehrmeister“, die „DLG-Agriservice Bonn“, wie auch von Privatpersonen, insbesondere Dipl. Ing. Paul A. Rohkst aus Kolbermoor/Bayern und mit  Unterstützung durch das DFD Rumänien bzw. Banat, konnten viele Hürden genommen werden. Hauptsächlich die inkohärente Gesetzgebung Rumäniens, wie auch die Auslegung der Gesetze und Verfügungen hat viel Ärger gebracht; die Überwindung dieser Schwierigkeiten hat uns alle viel Mühe gekostet. Letztendlich konnte der gesetzliche Rahmen für die Tätigkeit des „BVIK BANATIA“  gefunden werden, so dass heute die spezifische Hilfstätigkeit durch Kreditvergabe in einem legalen Rahmen abgewickelt werden kann. Das großzügige Raumangebot im „Adam Müller-Guttenbrunn“-Haus, Sitz des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, durch den Zuwendungsgeber  Bundesministerium des Inneren Deutschland bzw. den Träger „Hilfswerk der Banater Schwaben in Deutschland“ und durch das DFD Banat hat die Arbeitsbedingungen der ganzen „BVIK BANATIA“-Belegschaft auf ein sehr gutes Niveau gebracht. In der Überlegung, der Banater Jugend entsprechende Räumlichkeiten im AMG-Haus zu überlassen, hat „BVIK BANATIA“ mit finanzieller Hilfe des Bundesministeriums des Inneren bzw. Bundesverwaltungsamtes  eine Immobilie erworben, in der sich die ganze Verwaltungsarbeit des „Banater Vereins für internationale Kooperation BANATIA“ zurzeit abwickelt. Die Arbeitsbedingungen sind sehr gut. Einer nachhaltigen Wirtschaftsförderung durch den „BVIK BANATIA“ mittels Darlehen, projektbezogener Beratung und gemeinschaftsbezogener Förderung steht nichts mehr im Wege.
Die Gestaltung einer Gesellschaft zu einer Wohlstandsgesellschaft kann nur durch Leistung, Innovation, Kreativität bei einer nachhaltigen sozial-ökonomischen und kulturellen Entwicklung  gelingen. „BVIK BANATIA“ bzw. seine Mitarbeiter und Gestalter stehen auch weiterhin seinen Mitbürgern mit Rat und Tat und mit finanzieller Unterstützung zur Seite, in der Überzeugung, dass die Tüchtigen auch zum Erfolg kommen werden.
Die Finanzierung von gemeinschaftsfördernden Projekten im Auftrag des BMI bzw. BVA aus direkten Zuwendungen oder indirekten Zuwendungen (Revolvingfonds) ist im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Arbeitsbereich geworden. So konnten die nötigen Ersatzteile für die Forumsfahrzeuge in all den Jahren beantragt, bezahlt und verwaltet werden; es konnten Renovierungsmaßnahmen und Ausstattungen für Begegnungsstätten finanziert werden, wobei das größte Projekt die Finanzierung des Jugend- Dokumentations- und Kulturzentrums in Reschitza gewesen ist.
Der „BVIK BANATIA“ sah sich auch verpflichtet Kultur- und Sozialprojekte zu unterstützen bzw. zu finanzieren. So wurde im Jahre 1995 die „Stefan Jäger“-Stiftung ins Leben gerufen die sich als Aufgabe gesetzt hat, durch die Vergabe des jährlichen „Stefan Jäger“-Preises, Jugendliche, die sich besonders bei der Pflege der deutschen Sprache und des banatdeutschen Brauchtums hervortun, zu fördern, wie auch hilfsbedürftige Schüler die den Unterricht in deutscher Muttersprache besuchen, durch monatliche Stipendien aus privaten Mitteln unseres ehemaligen Landsmannes Dr. Knud- Wolfgang Klingler, zu unterstützen.  Für seine langjährige selbstlose Unterstützung hat das DFD Banat Dr. Knud-Wolfgang Klingler im Jahre 2009 die „Ehrennadel in Gold“ verliehen.
Der erste „Stefan Jäger“-Preis ist an die Schauspielerin und Universitätsassistentin Ecaterina Căprariu, bekannt unter dem Pseudonym Karina Reitsch, vergeben worden.
Als Einrichtung des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat sieht sich der „Banater Vereins für internationale Kooperation BANATIA“ in der Pflicht, gemeinschaftsbezogene Projekte weiterhin zu unterstützen und auch in der Zukunft der Forumstätigkeit beizustehen.
Horst Martin,
Geschäftsführer
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