Adoption, Euthanasie oder Sterilisation

 
 
 
 
Alltag der eingezwingerten
 
 
 
 
StraßenhundeStreicheleinheiten an der frischen Luft: Nach zwei Stunden mussten einige zurück ins Hundeheim.
Verordnungen und Kampagnen zur Bekämpfung des Straßenhunde-Problems
Von Raluca Nelepcu und Olivian Ieremiciu
Ein neuer Gesetzentwurf zum Umgang mit Straßenhunden beschäftigt seit nahezu einem Monat die rumänische Öffentlichkeit. Anfang Februar hatte der Präfekt von Bukarest, Mihail Atanasoaei, angekündigt, Massentötungen von Hunden wieder legalisieren zu wollen und somit den Zorn der Tierschutzvereine auf sich gezogen. Ein paar Tage später korrigierte er sich und meinte, dass die Kasernierung der Straßenhunde das Problem lösen könnte. Kranke oder aggressive Hunde wolle er gleich töten lassen, auch auf alle übrigen wartet die Euthanasie, wenn sie nicht binnen sieben Tagen von tierliebenden Bürgern adoptiert werden. Doch auch damit kommen Tierschützer in Rumänien nicht klar. In zahlreichen rumänischen Städten gehören die herrenlosen Hunde zum Stadtbild. In Temeswar/Timisoara und der unmittelbaren Umgebung sollen ungefähr 10.000 Streuner auf den Straßen unterwegs sein. Dass die Spaziergänge für die Bürger manchmal in Stress ausarten, ist nicht wegzudenken.
Der Hundezwinger „Danyflor“ vor der Einfahrt in Schag/Sag. Eine lange, düstere Halle. Nur wenig Licht dringt durch die kleinen Fenster. Ein penetranter Gestank, ein Gemisch von Urin und Hundekot, durchdringt alle Poren des Besuchers. Eingekerkert. Feuchte Augen, die einen beim Vorbeigehen von hinter den Gittern anschauen. Sie flehen. Das Bellen – ein verzweifelter Hilferuf. Das Wasser, das ihnen vorgesetzt wird, ist eine gelblich-braune Brühe, während das Futter auf den ersten Blick vom untersten Niveau zu sein scheint.
Das Geschäft mit dem Tierelend
So sieht das „Leben“ der streuenden Hunde aus, die vom Temeswarer Unternehmen, das sich mit Hundefang beschäftigt, eingesammelt und in sogenannten Hundeunterkünften untergebracht wurden. Einer der Streuner ist bereits seit zwei Jahren bei Danyflor untergebracht. Ob dies noch ein Leben ist, sei dahingestellt.
Die Hundeliebhaber, die immer wieder vehement gegen das Einschläfern protestieren, scheinen lediglich moralische Unterstützung für die Vierpfoter zu leisten. Konkret tun nur wenige etwas, abgesehen davon, dass sie den Streunern ein Halsband als angebliches Zeichen des Besitztums anlegen. „Pro Monat kommen vielleicht Mal drei Leute, die einen Hund mit nach Hause nehmen. Dies ist dann ein guter Monat. Normalerweise schaut keiner vorbei, um von hier einen Straßenhund zu adoptieren“, bedauert der Leiter des vom Stadthaushalt finanzierten Hundeheims Danyflor, Ionel Pusca{. Ein Besuch des Hundezwingers ist mit Kindern jedoch nicht unbedingt zu empfehlen: Die Bilder, die sich einem Besucher vor den Augen abspielen, das Gebell und der Gestank könnten den Einen oder Anderen vielleicht traumatisieren.
„Wir haben hier zur Zeit ungefähr 215 Hunde. Die Maximalkapazität liegt bei 270,“ sagt Puscas. Seinen Aussagen nach werden pro Monat 80-100 Hunde von den Temeswarer Straßen aufgefangen. Und wohin mit allen, wenn lediglich ein Bruchteil (sogar etwas übertrieben gesagt, da normalerweise fast keiner adoptiert wird) von hier aus ein neues Zuhause findet? „Ungefähr 20 werden gleich eingeschläfert. Weitere 20 sterben an verschiedenen Krankheiten. Übrigens: Fast alle leiden an irgendwelchen Krankheiten. Etwa zehn behalten wir. Den Rest geben wir an Tierschutzvereine aus Temeswar ab“, so der Leiter von Danyflor.
Ungehemmte Vermehrung
In den letzten drei Jahren vervierfachte sich die Zahl der Straßenhunde in Temeswar. 2008 sollen es 2.000 herrenlose Hunde gewesen sein, nun liege ihre Zahl bei 8.000 – 10.000. Und das Problem wird mit der Zeit immer komplizierter – vom gesetzlich-moralischen Standpunkt her, aber auch für die Bürger der Stadt Temeswar. „Ich ging zur Arbeit. Gleich 20 Hunde umzingelten mich und bellten mich an und fletschten die Zähne. Wenn ich, die selber zwei Hunde hat, es mir ernsthaft überlegte, eine Hundefangfirma anzurufen, dann stimmt wohl etwas nicht“, sagt eine vor Kurzem von Straßenhunden angegriffene Temeswarerin. „Ich habe schon zwei Mal bei Danyflor angerufen. Mir wurde gesagt, dass das Heim voll ist und dass die Hundefänger nachts sowieso nicht arbeiten“, sagt A.C. (27), der es im Stadtteil Dâmbovi]a mit aggressiven Straßenhunden zu tun hatte.
In der Weststadt ist die Lage nicht einmal so dramatisch wie in anderen Städten Rumäniens. In Bukarest werden täglich mehrere Bukarester von Hunden gebissen. In Arges erlag vor Kurzem eine Frau den Bissen der streunenden Hunde.
„Die Sterilisation eines Hundes kostet zwischen 50 und 200 Lei. 50 Lei kosten allein die Materialien. Wenn man eine Massensterilisation durchführen will, sollten Tierärzte ausfindig gemacht werden, die das unentgeltlich machen. Na ja, vielleicht nicht ganz unentgeltlich, sie sollen ja auch was von ihrer Arbeit haben. Zumindest aber nicht zu horrenden Preisen“, meint Ionel Puscas. Seiner Meinung nach ist es eher ein Städtemythos, dass jene Hunde, die sterilisiert werden, danach nicht mehr aggressiv sind. „Sie werden vielleicht etwas träger, etwas fauler. Wenn sie jedoch im Vorhinein aggressiv waren, bleiben sie auch im Nachhinein aggressiv“, sagt Puscas.
Wie er zur Euthanasie steht? „Ich bin dafür. Man sollte nicht gleich alle  Straßenhunde töten. Schöne und brave Exemplare sollte man behalten und versuchen, für sie ein neues Zuhause zu finden. Andere aber sollte man einschläfern“, ist Puscas der Meinung.
Tierschutzvereine fordern Massensterilisation
Vehement gegen die Einschläferung von Straßenhunden wehrt sich der Temeswarer Tierschutzverein Pet Hope. Diese Organisation riefen letztes Jahr zehn Anwälte und vier Zahnärzte, alle Tierliebhaber, ins Leben. „Wir bemühen uns seit Monaten, mit der Kommunalverwaltung einen Zusammenarbeitsvertrag im Sinne der Massensterilisation von Straßenhunden zu schließen“, sagt die Anwältin Ruxandra Bizera, Gründungsmitglied von Pet Hope. Nach ihrer Sterilisierung sollen die Straßenhunde wieder an dem Ort ausgesetzt werden, wo sie eingefangen wurden. Sein Ziel hat der Tierschutzverein beinahe erreicht. Pet Hope bot der Kommunalverwaltung ein profitables Deal: „Wir bringen einen Tierarzt hierher, der in Großwardein bei der Massensterilisation der Straßenhunde mitgewirkt hat und professionell arbeitet. Die Kosten der Sterilisation übernehmen wir“, sagt Ruxandra Bizera. Außerdem sollen Mitarbeiter der internationalen Tierschutzorganisation Vier Pfoten nach Temeswar kommen, um eine Zählung der Straßenhunde durchzuführen. Wie die notwendigen finanziellen Mittel eingesammelt werden, sei dem Verein überlassen. „Wir setzen auf Spenden und auf die zwei Prozent von der Einkommenssteuer“, sagt die Anwältin. Im Falle einer Massensterilisation würden die Kosten nicht so hoch ausfallen: ungefähr sieben Lei pro Hund. Eine Einschläferung mit der Spritze koste rund 24 Lei.
Der Vermehrung der Straßenhunde könne nur durch eine Massenkastration ein Ende gesetzt werden, behauptet Pet Hope. In Großwardein/Oradea, Klausenburg/Cluj und Pitesti hätte dieses Unterfangen deutlich zur Reduzierung der Straßenhundezahl geführt. Sogar in der Hauptstadt Bukarest sehe man bereits die positiven Folgen des von Vier Pfoten durchgeführten Kastrationsprojekts. „Tierärzte behaupten, sterilisierte Hunde seien nicht mehr angriffslustig. Außerdem würden sich keine Rudel mehr bilden“, erklärt Ruxandra Bizera. Dadurch, dass die kastrierten Hunde wieder in ihr angestammtes Revier zurückgebracht werden, soll das Nachrücken von Tieren aus dem Umland verhindert werden.
Die Stadt Lugosch/Lugoj im Verwaltungskreis Temesch sei dafür ein gutes Beispiel. Hier wurden fast alle Straßenhunde kastriert, mit Mikrochips versehen und in ihr Revier zurückgebracht.
Trendy: Messen für herrenlose Hunde
Danyflor und die Stadt Temeswar veranstalteten am Samstag zum ersten Mal eine Messe, wo die Temeswarer einen Hund adoptieren konnten. Von den 20 Hunden, die zum Trajansplatz gebracht wurden, fand knapp die Hälfte ein neues Zuhause.
Nur die schönsten, bravsten und gesunden Exemplare wurden zur Adoptionsmesse gebracht. Geimpft und mit Mikrochip. Ob jene, die sich hier einen vierbeinigen Freund angeschafft haben, sie nicht auch nach einiger Zeit wieder auf die Straße aussetzen? „Die Hunde haben Mikrochips. Man weiß also genau, wem der Hund gehört. Falls der Hund wieder auf der Straße landet, wird dem Besitzer, der den Hund adoptiert hat, eine Strafe auferlegt“, sagt Adrian Orza, Vizebürgermeister der Stadt Temeswar.
Eine weitere Hundemesse soll am Sonntag, dem 3. April, in der Temeswarer Universität für Landwirtschaftswissenschaften und Veterinärmedizin stattfinden. Veranstalter ist der Temeswarer Tierschutzverein Pet Hope. Wer einen Hund mit nach Hause nehmen möchte, der kann zwischen 10 und 18.30 Uhr bei der Messe vorbeischauen. Ungefähr 70 Hunde werden ausgestellt. Eine Tombola mit Preisen für jene, die einen Hund adoptieren, steht ebenfalls auf dem Programm.
In Lugosch wurden fast alle Straßenhunde kastriert. Man erkennt sie an der gelben Plakette am Ohr.

Ohne Worte
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2 Antworten zu Adoption, Euthanasie oder Sterilisation

  1. Simon Peters schreibt:

    Betreff: Adoption, Euthanasie oder Sterilisation

    Es wäre fair gewesen, mal zu beschreiben auf welche Art und Weise die Hunde in Rumänien getötet werden. Man braucht nur die Begriffe „Hunde“ und „Rumänien“ bei Google einzugeben, dann bekommt man mit, auf welche bestialische Weise die Tiere dort getötet werden. Einschläfern ?? Nein, erschlagen, mit Heugabeln erstechen, vergasen, mit Säure übergießen und anzünden, das ist die Realität. Man sollte sich mal fragen, wo die Hilfsgelder für die Tollwutimpfungen abgeblieben sind ? Schaut man sich den Umgang mit Tieren insgesamt in Rumänien an, dann zweifelt man daran im modernen Europa zu sein – Tierquälereien als Volksbelustigung sind mir als Deutschen fremd. Ich bekomme auf Facebook jeden Tag Berichte über Tierquälereien in Rumänien mit, als Fotos, Augenzeugenberichten undVideos, hier wurde im Fernsehen und der Presse darüber berichtet. Ich kann alle die verstehen, die sich fragen, was so ein Land in der EU macht, es kann doch auch nicht sein, dass in dem Land die Gelder der EU nicht bei den Menschen und den Tieren ankommen, weil es sich andere Leute dort in die eigene Tasche stecken ?! Hat Rumänien nicht eine Auflage der EU bekommen, die Korruption zu unterbinden ?
    Ich denke, dass Rumänien kein Interesse daran hat die Hunde kastrieren zu lassen, da werden lieber Geschäfte mit dem Leid dieser armen Tiere gemacht – ich hörte von Premien von 25 Euro pro toten Hund, kein Wunder, dass Rumänien mittlerweile den Beinamen „Land of Animal Cruelty“ trägt !
    Rumänien sollte sich für seine Tierquälereien schämen !

  2. Babs schreibt:

    Und leider snd sie doch mit dem Gesetz Euthanasie ( Pl 912) durchgekommen!
    Jetzt müssen wir dagegen kämpfen1
    Habe eine Petition erstellt!!!

    http://www.thepetitionsite.com/1/rumnien-euthanasie-gesetz-pl-912/

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