Riegel für Goldgräber

Wer gelegentlich die rumänischen Zeitungen liest, wird bemerkt haben, dass die Goldgräber von Rosia Montana in den letzten Monaten eine aufwändige und sicher nicht billige Werbekampagne für Rosia Montana laufen hatten – wahrscheinlich in der Meinung, die Öffentlichkeit definitiv „aufzuklären“ über den Segen der Abtragung des goldhaltigen Cârnic-Bergs in der alten Bergbaustadt. Und der über 70 Kilometer Stollen in diesem Berg, die ununterbrochene Bergbaugeschichte belegen seit der Vorrömerzeit und bis nach 1948.
Dagegen, aber auch gegen die angedachte Technologie der Goldgewinnung mittels Quecksilber und gegen die Ablagerung des ausgelaugten Abraums, haben seit Jahren Umweltorganisationen (einschließlich Greenpeace) und umweltbewusste Bürger protestiert. Bis vor Kurzem vermeintlich vergeblich. Denn das Genehmigungsprozedere (und der öffentliche Druck der RMGC) schien sogar beim Umweltministerium in einem fortgeschrittenen Stadium – zumindest wenn man der breitgefächerten Werbekampagne in den Bukarester Zentralzeitungen und in einigen Siebenbürger Redaktionen glauben wollte. Diese führte schon in die Nähe zu einem Informationsembargo gegen alternative Nachrichten. Alternativ zur RMGC-Absicht.
Das Deus-ex-machina im Gold-Theater rund um Rosia Montana kam nun vom Ministerium für Kultur und Nationales Kulturgut. Zuerst hatte das Ministerium, 2004, den Cârnic-Berg (genauer: „Die römischen Stollen aus dem Cârnic-Massiv, Abbaustelle `Piatra Corbului` (Liste 2004)“) zum von archäologischen Zeugnissen freien Berg erklärt (!!!) und von der Liste gestrichen. Eindeutig: wider besseren Wissens. Der Verein „Alburnus Maior“ (Stadtname zur Römerzeit) klagte gegen die Entscheidung des Kulturministeriums und bekam 2008 vom Obersten Gerichts- und Kassastionshof Recht. Doch das Ministerium setze den Berg nicht sofort auf die Liste der Kulturgüter Rumäniens.
Vor zwei Wochen erschien nun die neue, aktualisierte Liste der Kulturgüter Rumäniens. Und siehe da: der gesamte Berg Cârnic, auf dem großteils Rosia Montana liegt, ist hier erfasst. Nebenbei bemerkt: die Liste stand schon im Oktober 2010 im Amtsblatt Rumäniens/Monitorul Oficial, was RMGC zu einer Intensivierung der Werbekampagne um die Abbaugenehmigungen motiviert hatte.
Diese Liste betrifft dringendst das Ministerium für Umweltschutz. Denn dieses kann und darf nun nicht mehr über eine Abbaugenehmigung des Goldes entscheiden. Alburnus Maior/Rosia Montana kann nicht mehr zum gierigen Geschäft der Goldgräber von RMGC werden, ganz einfach, weil es nationales Kulturgut ist. Daran ist nun nichts mehr zu rütteln.
Die gesamte Dokumentation, die dem Umweltministerium von RMGC vorgelegt wurde, bezieht sich auf den Cârnic-Berg als frei von Geschichtswert. Dem ist jetzt nicht mehr so. Also ist die RMGC-Dokumentation aktualisierungsbedürftig. Das Umweltministerium muss den Genehmigungsprozess abbrechen.
Werner Kremm
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