Zu Besuch auf dem Roten Planeten

Rumänisches Forscherteam simulierte Leben auf dem Mars
Von Raluca Nelepcu
Im Weltraum Tausende Planeten erforschen zu können: Davon haben sicherlich viele Menschen in ihrer Kindheit geträumt. Die meisten haben jedoch ihren Traum von der Erkundung des Universums schon relativ früh aufgegeben. Virgiliu Pop aus Temeswar/Timisoara nicht. Der 37-Jährige verwirklichte seinen Kindheitswunsch, nachdem er eine Ausbildung zum Weltraumforscher absolvierte. Heute ist Virgiliu Pop Fachmann in Sachen Weltraum-Eigentum und Mitarbeiter der Rumänischen Weltraumgesellschaft.
Ab diesem Jahr kann sich der Weltraumforscher mit einer neuen Errungenschaft rühmen: Er war auf dem Mars! Besser gesagt: So gut wie auf dem Mars. Virgiliu Pop koordinierte Ende Januar eine zweiwöchige Expedition junger Weltraumforscher in die Colorado-Wüste, da, wo die Mars Society eine Forschungsstation betreibt. In der Desert Research Station simulieren Spezialisten die Lebensbedingungen auf dem Roten Planeten.
Positives Feedback von der Mars-Gesellschaft
Sie lebten in einer Kapsel, ernährten sich von dehydriertem Essen, duschten einmal in drei Tagen und gingen ihren Forschungen nur im speziellen Astronauten-Kostüm nach: Fünf Rumänen hielten sich vom 14. bis am 29. Januar in der Colorado-Wüste auf und lebten so, als befänden sie sich tatsächlich auf dem Mars. RoMars 2011 hieß die Expedition unter der Leitung von Virgiliu Pop – eine Premiere für Rumänien. Nach der NASA und der Europäischen Weltraumbehörde ESA war es nun auch für die 1991 gegründete Rumänische Weltraumgesellschaft an der Zeit, eine solche Mission zu organisieren. Seit diesem Jahr ist auch Rumänien Mitglied der Europäischen Weltraumgesellschaft. „Ziel der Expedition war, die Weltraummissionen unter der Bevölkerung Rumäniens populär zu machen. Auf wissenschaftlicher Ebene konnten wir verschiedene Proben aus der Umgebung entnehmen und sie analysieren“, sagt Virgiliu Pop. Auch wenn die fünf Forscher nicht wirklich auf dem Mars waren, seien die Lebensbedingungen in der Colorado-Wüste jenen auf dem Mars sehr ähnlich, meint der Leiter der Crew. Gleichzeitig lernten sie das Equipment kennen, das zur Erforschung des Roten Planeten genutzt wird.
Die sechs Rumänen, die von der Mars Society ein äußerst positives Feedback erhielten, sind Florin Mingireanu, Dragos Bratsanu, Iulia Jivanescu, Haritina Mogosanu, Beatrice Gîlea und Virgiliu Pop. Fünf von ihnen flogen in den US-amerikanischen Staat Utah, während der Weltraumforscher Florin Mingireanu mit dem Controlling der Expedition von zu Hause aus beauftragt war. Die Mitglieder der Crew mussten unterschiedliche Aufträge erfüllen: Die Astronomin Haritina Mogosanu war die stellvertretende Expeditionsleiterin, Beatrice Gîlea fungierte als Biologin, Iulia Jivanescu war die Geologin der Mission, während Dragos Bratasanu, Spezialist in der Bearbeitung von Satelliten-Fotos, die Expedition fotografisch und journalistisch zu dokumentieren hatte.
Alles andere als Luxus
Die Weltraumforscher kamen recht schnell mit den Bedingungen auf der Simulierungsstation zurecht. Und das, obwohl Luxus in Colorado für die fünf Forscher ein Fremdwort war.  „Die Kapsel, in der wir leben mussten, erstreckt sich über 150 Quadratmeter. Unsere Zimmer waren etwa halb so groß wie ein Zugwaggon“, beschreibt Virgiliu Pop sein „Zuhause auf dem Mars“. Zu den kostbarsten Dingen zählte das Wasser. „Wir konnten nur alle drei Tage duschen, weil die Wassermenge beschränkt war“, sagt der Leiter der Crew. Die Verwendung von Rasierschaum war in der Kapsel verboten. Zähne putzen durften die Forscher nur mit Natriumbicarbonat, dem üblichen Backpulver, und das aus einem ganz bestimmten Grund. Auf der Station gibt es eine Anlage zur Wasserwiederaufbereitung. Das Wasser sollte nicht mit Rasierschaum oder Zahnpasta verschmutzt werden. „Haritina kam mit der Idee, auch den Müll zu recyclen. Sie wünscht sich eine Würmerfarm, die den Restmüll in Düngemittel umwandelt. Dies könnte auch auf dem Mars so umgesetzt werden“, sagt Virgiliu Pop.
Die Mission auf der Desert Research Station hatte vier Prioritäten: die Sicherheit der Crew, die Simulierung, die Wissenschaft und erst in letzter Linie den Komfort. „Vom wissenschaftlichem Standpunkt konnten wir untersuchen, wie ein Rover auf dem Mars-Gelände reagiert. Die Landschaft ist nämlich sehr ähnlich jener auf dem Mars“, erklärt Virgiliu Pop. Dem speziellen Ground Roving Vehicle (kurz: Rover) erteilten die jungen Forscher einen typisch rumänischen Hundenamen. Sie nannten ihn „Grivei“.
Das neue Zuhause: die Weltraumkapsel
Der Arbeitstag begann für die Wissenschaftler um 9-10 Uhr. Nach dem Frühstück stellte die Crew den Tagesablauf fest. Die Ingenieure überprüften, ob auch alle Geräte und Quads funktionstüchtig sind, danach gingen die Forscher auf Erkundung, wobei Bodenproben entnommen und analysiert wurden. Die Kapsel durften sie allerdings nur im speziellen Astronauten-Kostüm verlassen. „Simulierungen können auf der Desert Research Station nur im Winter stattfinden. Im Sommer wäre es viel zu heiß“, erklärt Virgiliu Pop. Was das Wetter angeht, so konnten die Forscher Winternächte wie in Rumänien erleben, tagsüber herrschten jedoch immer positive Temperaturen. Abends schickten die Forscher ihre Tagesberichte an die Mars Society. Die Forscher gingen recht spät schlafen – um etwa 2 Uhr – denn „Astronomie wird ja nachts gemacht“, erklärt Pop. 15 Tage lang ernährten sich die Forscher nur von dehydrierten Nahrungsmitteln, der typischen Astronautenkost. Das Essen aus der Dose musste nur mit heißem Wasser besprüht werden und schon lagen Käse oder Eier auf dem Tisch – ein absoluter Genuss. „Ich war da Captain Cook“, scherzt Crewleiter Virgiliu Pop.
Die Erfahrung auf der Simulierungsstation würde der Forscher aus Temeswar jeder Zeit wiederholen. Am Ende des zweiwöchigen Mars-Aufenthalts wollte keiner der fünf Rumänen die Station verlassen. Die Kapsel war zu ihrem neuen Zuhause geworden. „Falls mich jetzt jemand fragen würde, ob ich auf den Mars fliegen will, würde ich sofort mit ´Ja´ antworten. Ich fühle mich nun bereit“, sagt Virgiliu Pop.  Gleichzeitig aber weiß er, dass es zahlreiche Experten gibt, die viel qualifizierter sind als er und vielmehr berechtigt, ihren Traum von der Mars-Erkundung zu erfüllen. Simulierungen wie die des rumänischen Forscherteams müssen ständig unternommen werden.
Auf den Roten Planeten hat bisher noch niemand den Fuß gesetzt. Sogar auf dem Mond waren bislang nur zwölf Menschen im Laufe der Geschichte. Der einzige Rumäne, der im Weltraum war, ist Dumitru Prunariu.
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