Tourismus geht auch über Finanzmittel und Animositäten

Gebäudefassaden haben in Herkulesbad Udrea-Initiativen dringend notwendig.
In Rumänien einzigartige Kolonnade: Sanierungsgelder wurden verweigert.
Ehemalige Renommier-Kurbäder leben von Rentnern und Kassenpatienten
Von Siegfried Thiel
Sie haben sich geschichtlich bereits vor langer Zeit einen Namen gemacht, sind jedoch in den letzten Jahrzehnten nach und nach stark herabgekommen. Die Kurorte Herkulesbad/Baile Herculane und Busiasch/Buzias im Banat haben zwar derzeit vielversprechende Konzepte, doch Angebot und Kundenpräsenz sind eng miteinander verflochten. Grob gesehen (über) leben beide vom Sozial-Tourismus, den das Arbeitsministerium sichert. Doch damit ist im Zuge geringer werdender Summen aus dem Haushalt  immer weniger zu verdienen. Andererseits brauchen Unterhaltungs- und Freizeittourismus einen gehobenen Standard. Ein solcher ist aber nur mit finanzkräftigen Kunden zu halten und die brauchen ihrerseits Angebote. In diesem Teufelskreis drehen sich die beiden Kurorte, dazu kommen Sorgen der allgemeinen Infrastruktur und nicht zuletzt sind viele Eigentumsfragen in beiden Kleinstädten offen.
Verblasste Markenzeichen in Busiasch
Der Investmentfonds SIF Transilvania baut zwar in Busiasch ein Vier-Sterne-Hotel, Zwei- und Drei-Sterne-Einrichtungen wurden renoviert und der Behandlungstrakt hat gehobenen Standard. Eigentlich für jede Preisklasse etwas. Doch außerhalb der Hotels ist oft ein Minimum nicht gegeben. Kein Kino, gerade Mal ein Restaurant in der ganzen Stadt, in dem man außerhalb der Hotelwände so halbwegs vernünftig essen kann, von Nachtleben keine Spur und die alt-ehrwürdige Kolonnade im Stadtpark ist genau gesehen dem Verfall Preis gegeben – die Chance auf Gelder zur Renovierung schwebt zwar im Raum, ein erster Antrag dafür wurde jedoch abgelehnt.
Kein Wunder dann, wenn ein alteingesessener Busiascher von einem „Dorf mit Bahnhof, wo ab und zu der Zug hält“, spricht. Enttäuschung pur klingt aus seiner Stimme. Die Markenzeichen der Ortschaft: Das Mineralwasser, der Wein und der Kurort sind nicht ausreichend genutzt, sagen andere, die Nostalgie walten lassen. Nur ein Teil des anrainenden Zillascher Berges ist heute mit Reben bebaut, in der Weinkellerei gibt es nur zaghafte Versuche und in Busiasch finden es manche traurig, dass Lippa/Lipova den Busiaschern den Rang als führendes Abfüllunternehmen für Mineralwasser abgelaufen habe. An der Vermarktung würde es vor allem fehlen, heißt es. Lange vor der Wende hatte die Weinproduktion ihre Spitzenposition im Verwaltungskreis Temesch/Timis an Rekasch/Recas verloren, der Tourismus verfiel und Fabriken nahmen viele der Busiascher auf. Nach der Wende gingen auch diese unter. Heute wird Industrieproduktion von einer Dachprofile herstellenden Firma und einem Betrieb getragen, der Komponenten für Linearmotoren herstellt. Dass alte und neuen Industriehallen am Stadteingang aus Richtung Temeswar/Timisoara stehen, wird z.T. als falsch für eine Kurstadt angesehen. „Die Betriebe in unserem Ort verschmutzen die Umwelt nicht, deshalb passen sie auch ins Stadtbild“, sagt Bürgermeister Viorel Alger Ilas. Innerhalb einer Vereinigung zur Förderung des Kurortstädtchens gaben sich Stadtverwaltung und einige Unternehmer parteiübergreifend die Hand. Ergebnisse über rein finanzielle Aspekte stehen nun an.
Schon die Gebäudefassaden schrecken ab
Lang zieht sich am rechten Ufer der Cerna das massive Gebäude der ehemaligen Schwefel-Bäder hin. Abgeblättert ist der Verputz, Fenster eingeschlagen oder mit Brettern vernagelt, die  Türen verschlossen. Auch wenn das Gebäude es von seinen Ausmaßen her so erkennen lässt – imposant sieht anders aus. Auch am anderen Ufer der Cerna stehen verwahrloste Prunkbauten von einst, der Stadtpark ist fast menschenleer und sich zum Rathaus durchzufragen kostet einige Mühe – und das im Zentrum eines Kurortes. Es ist eben niemand da, den man nach dem Verwaltungsgebäude von Herkulesbad/B²ile Herculane fragen könnte. Die Oberschicht des Römischen Reiches pflegte den Kurort nahe der Grenze zwischen den Verwaltungskreisen Karasch-Severin/Caras-Severin und Mehedinti zu Heilzwecken, aber auch zur Entspannung zu besuchen, Kaiserin Sissi von Österreich verbrachte ebenfalls einen Teil ihre Urlaube im Kurort. Fast 2000 Jahre nach dem Besuch römischen Oligarchen ist das Image des Kurortes genauso abgeblättert wie der Verputz auf dem Gebäude der Schwefel-Bäder und der Stadtbibliothek. Um volles Haus zu haben, müssen die Inhaber und Betreiber von Hotels und Pensionen jährlich auf den April warten, wenn die Mitglieder der Misa-Sekte ihre Spirale drehen und gute Kundschaft abgeben. „Dann sind naturistische Gerichte sehr gefragt“, heißt es in der Pension „Casa Maria“.
Vertrauen in Flair und vorhandenes Potential
In den Wintermonaten hat die Pensionbetreiberin Ana Maria Balaj reichlich Zeit für ihre wenigen Kunden, für den journalistischen Besuch und ihre nebenan laufenden Bauarbeiten an einem zukünftigen Vier-Sterne-Hotel. Auch die Lyrik-Bände ihrer ältesten Tochter kann sie dann mitbetreuen. Traditionelle Gerichte aus der Marmarosch/Maramures und ein Entspannungsraum sind die Vorzüge der Pension, deren Inhaber ständig vor Ort sind. Daneben rattern Baumaschinen: Ana Maria Balaj baut ein Vier-Sterne-Hotel. Sie vertraut auf die Zukunft, so wie sie es schon einmal getan hatte, als sie mit Familie nach Herkulesbad gezogen war, um sich ein Ferienhaus zu bauen – daraus resultierte die Pension und ein Daueraufenthalt.
Dass der gesamte Rahmen im Kurort fehlt, das bezweifelt in Herkulesbad kaum jemand. „Wir leiden vor allem unter dem Debakel der Eigentumsverhältnisse“, sagt Ionut Lalescu, stellvertretender Bürgermeister von Herkulesbad. Gelder in Höhe vieler Millionen peilt die Stadtverwaltung an, um die Stadt wieder halbwegs auf Vordermann zu bringen. Die Finanzierung soll jedoch aus Regierungs- bzw. EU-Fonds kommen. Aus Eigenmitteln ist wenig zu machen – „Es gab eine Zeit, da war die Stadtverwaltung mit den Stadtwerken der größte Arbeitgeber im Ort“, weist der Vizebürgermeister auf ein gesunkenes Wirtschaftspotential hin.
Gescheiterte Privatisierung, zaghafte Schritte, Ministerversprechen 
Das internationale Folklore- und ein Freilichttheater-Festival reichen nicht aus um die Attraktion für Herkulesbad zu sichern. Eine gute Mischung zwischen sozialem und gehobenem Tourismus streben alle an: die Hotelbetreiber aber auch die Stadtverantwortlichen. Harsche Töne kommen auf, wenn es um die letzten zehn Jahre im Ort geht. 2001 hat das Unternehmen Argirom die Mehrheitsanteile an der Firma „Hercules“ gekauft. Von da an ging es ständig bergab, sagt der stellvertretende Bürgermeister Lalescu. „Über den Sozialtourismus hat Herkulesbad eigentlich das Geld vom Staat wieder zurück bekommen, das der Kurbetreiber für die Hotels ausgegeben hat“, sagt der  Vizebürgermeister. Ein anderer Knackpunkt ist auch die Tatsache, dass zwar die meisten Gebäude in den Besitz von „Hercules“ übergangen sind, doch das Grundstück darunter weiterhin Staatseigentum ist. Hotelbetreiber aber auch der Vizebürgermeister glauben, dass Bürgermeister Nicusor Vasilescu den richtigen Weg geht und „Hercules“ unter Druck setzt. „Er war bisher der einzige, der den Mut hatte, an die Öffentlichkeit zu gehen und gegen den Unternehmer zu protestieren“. Angeblich unter dem Druck des Stadtvaters verkaufte der Kurbetreiber Herkules bisher drei seiner Hotels. Bewohner, Unternehmer und Stadtverantwortliche sind in etwa gleich schockiert, wenn die Sprache auf einen eventuellen Entzug des Stadtrechtes von Herkulesbad kommt. Werden nämlich die neuen Vorschläge aus der PDL umgesetzt, müsste Herkulesbad mit seinen 6.500 Einwohnern den Status einer Gemeinde erlangen. Dies finden die meisten als eine unglückliche Lösung, denn ein Kurort vom Rang und Namen eines Herkulesbads könne doch nicht den Rang einer Stadt verlieren. Einige denken daran, dass es Ausnahmeregelungen geben könnte. Allein Petrica Stolojescu, Direktor des Hotels Ferdinand, macht sich zu diesem Thema keine Sorgen: „Herkulesbad muss als  Brand angesehen werden, auch wenn der Ort bloß ein Dorf sein wird“. „Es fehle an Unterhaltung- und Entspannungsmöglichkeiten“, sagt Stolojescu, der derzeit das wohl nobelste Hotel in der Stadt leitet. Wären solche Möglichkeiten gegeben, würde es Touristen genug geben und die würden sich seiner Meinung nach kaum darum kümmern, ob sie in einem Ort mit Stadt- oder Gemeinderecht ihren Urlaub verbringen.
Herkulesbad verfügt über einen nicht zurückzuzahlenden Fonds in Höhe von 1,3 Millionen Euro von der EU, um das Projekt „Via Danubia“ durchzuziehen. Zwischen dem Hotelkomplex Roman und dem Stadtzentrum soll die Fußgängerzone neu gestaltet werden. Der Konflikt mit Iosif Arma{, Hauptaktionär der Firma „Hercules“, geht weiter. „Die Möglichkeiten sind gegeben, um Iosif Armas zu enteignen“, sagte die Tourismusministerin Elena Udrea. In Insiderkreisen wird vermutet, dass es sich dabei sowohl um Hotels als auch um die Rechte über Mineralwasserquellen handelt.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Wirtschaft und Umwelt abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s