Eher Zeichen setzen, als Nostalgie vermitteln

Im Kommunismus musste die Russlanddeportation ein Tabu-Thema bleiben.
Ehemalige Russlanddeportierte halten an ihren Treffen fest
Ich spüre förmlich die bedrückte Atmosphäre, die traurigen Gedanken und die Nostalgie, die auf den ehemaligen Russlanddeportierten lastet, die auch 66 Jahre nach ihre Deportation ein – zwei Mal pro Jahr zusammenkommen und mit Gedenkmessen sich an jene Zeit zurück erinnern. Der Vorsitzende des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten in Rumänien, Ignaz Bernhard Fischer, widerlegt z.T. meine Ansichten. „Es war kein Ausflug, kein Vergnügen, sondern ein Leidensweg“, sagt Fischer, doch mit Nostalgie haben solche Treffen weniger zu tun, meint der Vereinsvorsitzende, der selbst zu den Deportierten gehörte. „Es ist eigentlich eine Möglichkeit, menschliche Werte öffentlich zu machen, Werte, die damals verloren gegangen waren“, sagt Fischer.
Rhetorik, aber auch viel Gefühl und Wissen, lässt Fischer erkennen, als er in Erinnerung rief, was denn die Deportation ausgemacht und mit sich gebracht hatte. Über die Grausamkeit von Kriegen, über die Tötung von Zivilbevölkerung und über die politische Lage von damals sprach Ignaz Fischer. Konkret ging er auf die hohen menschlichen Verluste ein, die die beiden Weltkriege im vergangenen Jahrhundert zur Folge hatten.
Noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Deportation der Volksdeutschen – offizielle Begründung seitens der Sowjetunion: Sabotage hinter den Fronten. Eines einzigen Satzes bedarf es bei Fischer, um solche Anschuldigungen zu widerlegen: „Nie hätte eine Frau oder ein Mädchen eine Waffe in die Hand genommen und wäre zu Sabotageakten fähig gewesen“. Trotzdem wurden sie verschleppt. Der Vorsitzende des Vereins ging auch auf die Art ein, wie ihrerseits die rumänischen Behörden vorgegangen waren. Statt die Bevölkerung zu schützen, lieferten sie die Volksdeutschen der Sowjetunion aus. Allein schon, dass die Listen mit den zu Deportierenden bereits im Dezember 1944 vorlagen, gilt als untertänige Mittäterschaft der rumänischen Behörden von damals.
Eine andere Perspektive, aber ebenfalls vehement kritisch, ging  Karl Singer, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (DFDB), mit den Machthabern jener Zeit ins Gericht. Zunächst beleuchtete er die Situation jener Kinder, deren Eltern deportiert waren. Dies, eine Kategorie, die allgemein weniger beachtet wird, wenn es um Leiden aus jener Zeit geht. Der  DFDB-Vorsitzende ließ auch harte Kritik an der Öffentlichkeit von damals walten, da sich die anderen Siegermächte der Deportation gegenüber gleichgültig gezeigt hatten.
Heute leben in Rumänien noch etwa 1.500 ehemalige Russlanddeportierte. Im Kreis Temesch/Timis sind es 350, in Temeswar/Timi{oara etwa 150. Die Ehrenvorsitzende des Vereins, Elke Sabiel, unterstützt die Treffen der ehemaligen Russlanddeportierten und Ignaz Bernhard Fischer hofft zum Abschluss jeder Veranstaltung, dass es nicht die letzte gewesen ist. Ein Wunsch, der ihm so wichtig scheint, dass er ihn bei jedem Treffen wiederholt. (st)
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Eine Antwort zu Eher Zeichen setzen, als Nostalgie vermitteln

  1. madhu einsiedler schreibt:

    Sehr geehrte RedakteurInnen der Banater Zeitung online,
    meine Tante Lisa Kiefer wurde aus Mercydorf von den Russen verschleppt. Ich bin auf der Suche nach ihren Spuren. Könnten Sie mir bitte einen Kontakt zum Verein der ehemaligen Russlanddeportierten geben?! Die Emailadressen die auf der Website http://www.rosmarein.ro zu finden sind, funktionieren nicht mehr. Und sonst zu Vereinen, Menschen, die mir weiterhelfen könnten? Ich freue mich sehr, von Ihnen zu hören! Mit freundlichen Grüssen, Christa-Madhu Einsiedler geb. Kiefer aus Wien: christa-madhu@einsiedler.at

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