Die Königin als Bauernopfer

In der schier unendlichen Antikorruptionsshow, die uns und der internationalen Öffentlichkeit zwecks Nachweis der blütenweißen Weste der Politiker und des Staats präsentiert wird, nähern wir uns dem fabrizierten König. Die Verhöre der Grenzpolizisten und Zöllner aus Nord- und Westrumänien haben schmuddelige Basisnetzwerk und den modus vivendi von Grenzschutz und Schmuggel offengelegt – jedem, der im Grenzraum zur Ukraine, Ungarn und Serbien lebt, war das sowieso klar! – stand man vor der Frage: wohin ging das, was weitergereicht wurde?
Dass in einem streng pyramidal aufgebauten Staat immer „Rechte“ nach oben geschoben werden (müssen), liegt auf der Hand – ob das Steuern und Gebühren sind oder Schmiergeld für Schmuggel ist egal, denn nur das Ziel ist verschieden, Staatssäckel oder eigene bzw. Parteiensäcke. Die Frage war nur, wo in diesem System die Spitze ist, die „Königin“ im angedachten Schachspiel, wo man vom Bauern bis zu Läufer und Turm so ziemlich ahnte, wer sich dahinter verbirgt.
Die Frage war in den rumänischen Medien schon sehr nahe ihrer Lösung, als die Politik und der Machtapparat aufwachte. In routinierter Weise wurde ein Feindbild aufgebaut, sozusagen eine Königin als Bauernopfer. Unter dem Verwirrmantel der Wahrheitsfindung wurde Sand in die Augen des Volkes gestreut.
Aus dem Nichts tauchte eine Diana Severin auf. Die Dame war zwischen dem 25. Mai 2009 und dem 25. Mai 2010 Chefin des Zollamts Ploiesti – „mit einem Monat Unterbrechung, zwischen dem 15. Juli und dem 13. August 2009“. Abgesetzt wurde sie angeblich wegen Unbestechlichkeit. Von Sorin Blejnar, dem ANAF-Präsidenten, also dem obersten Zollamtschef. ´Laut der abgesetzten Zolldame soll dieser ihr wörtlich gesagt haben, nach ihrer Absetzung: „Na, wenn du nicht deinen Beitrag geleistet hast!“.
Blejnars rechte Hand, Stefanita Prisacaru, seinerzeit Leiter der Dienststelle Interne Überprüfungen beim Zoll, habe ihr kurz vor ihrer Entlassung aus dem Interimat der Zollamtsleitung gesagt, sie entspreche nicht den Anforderungen von ANAF, denn sie habe sich geweigert, Schmiergeld anzunehmen und weiterzureichen. Weshalb er sie aufforderte, ihren Rücktritt einzureichen, den Blejnar von ihr erwarte, denn es sei bereits jemand nach Ploiesti geschickt, um sie zu ersetzen.
Das Gespräch habe in Bukarest stattgefunden, wo sie hinbestellt worden sei. Um das Mafiöse des Ganzen zu unterstreichen: Prisacaru habe ihr gesagt, er sei einen Tag zuvor nach Ploiesti gefahren, um einen Autounfall zu verhindern. Dessen „Ziel“: Diana Severin.
Hollywoods Drehbuchschreiber hätten glaubhaftere Szenarien entworfen, um den obersten Zollchef als Königin des Korruptionsschachs in Rumänien hinzustellen. Cornel Costea, der verhaftete Interimschef des Zollamts Ploie{ti – der Ersatzmann von Severin – hat seit Mai 2010 keinen Wettbewerb zur Postenbesetzung bestanden. Madam Severin hingegen behauptet, sie habe den Posten per Ausschreibung besetzt. Wieso war sie dann „ad interim“.
Wen decken diese „Enthüllungen“?
Werner Kremm
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