„Ich bin für Transparenz in unserer Arbeit“

Bernhard Krastl (rechts) und Peter-Dietmar Leber
Gespräch mit Peter-Dietmar Leber, dem neuen Vorsitzenden der Landsmannschaft der  Banater Schwaben
Die Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V. in Deutschland hat seit vergangener Woche einen neuen Vorsitzenden. Der aus Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare stammende Peter-Dietmar Leber (52) wurde mit 86 von 91 möglichen Stimmen zum Nachfolger von Bernhard Krastl (61) gewählt (die ADZ berichtete). Was sich Peter Leber für die kommenden Jahre vornimmt, erzählt er Raluca Nelepcu in folgendem Gespräch. Das Interview erfolgte per Email.
 Was hat Sie dazu bewogen, den Posten des Geschäftsführers für einen Ehrenposten aufzugeben?
Ich bin nach wie vor Geschäftsführer der Landsmannschaft der Banater Schwaben, habe aber auf Vorschlag meines Amtsvorgängers Bernhard Krastl für das Ehrenamt des Bundesvorsitzenden kandidiert und bin von den Delegierten mit breiter Mehrheit bestätigt worden. Davon versprechen wir uns schlichtweg mehr Effizienz in der landsmannschaftlichen Arbeit.
Zu Beginn seines Mandats erklärte Ihr Vorgänger, er wolle engere Beziehungen zur „alten Heimat“ schaffen. Welche Pläne haben Sie zu Beginn Ihres Mandats? Wie werden Sie diese umsetzen?
Viele Gliederungen der Landsmannschaft pflegen intensive Beziehungen zum Banat, zu ihrem Heimatort. Die Heimatortsgemeinschaften Hatzfeld, Sanktanna, Lenauheim, Billed, Birda sind nur einige, die vorbildlich arbeiten, immer wieder Projekte umsetzen, die sowohl für die Landsleute in Deutschland als auch im Banat von Bedeutung sind. Die Landsmannschaft mit sämtlichen Gliederungen unterhält ein enges Netz von Beziehungen mit dem Forum und seinen Einrichtungen, mit den Sozialeinrichtungen, mit der Diözese Temeswar, aber auch mit einigen Schulen. Das wird bei uns leider nicht so öffentlichkeitswirksam präsentiert und vermittelt, hier herrscht gewiss Nachholbedarf. Bei den Kulturtagen der Deutschen im Banat werden auch diesmal wieder Jugendgruppen der Landsmannschaft und eine Blaskapelle teilnehmen. Konkrete Vorhaben werden wir in unserer ersten Sitzung diskutieren und dann auch beschließen. Bezogen auf das Banat fände ich persönlich zum Beispiel die Herausgabe eines Banater Reiseführers Banat wichtig, die Erstellung einer Dokumentation der Kulturgüter im Banat, die im Laufe unserer Geschichte erstellt wurden, oder aber auch die Herausgabe einer kurzen Geschichte der Banater Schwaben in rumänischer Sprache. Ich bin für Transparenz in unserer Arbeit, für kurze Entscheidungswege und eine breite Mitwirkung aller, die sich für uns, unsere Geschichte und unsere Kultur interessieren. Und die sind sicher nicht nur in den landsmannschaftlichen Verbänden zu finden. Wir müssen uns in alle Richtungen stärker öffnen.
Wie sieht die Zukunft der Landsmannschaft der Banater Schwaben aus?
Wissen Sie, im Jahre 1990, unmittelbar nach der Wende, als sich der große Schwabenzug Richtung Deutschland in Bewegung setzte, sagte mir ein Verbandsvertreter in München: In zehn Jahren sind sie in Deutschland eingegliedert und dann ist alles vorbei, womit er die Landsmannschaft meinte. Heute stellen wir fest, dass auch zwanzig Jahre nach der Wende nichts vorbei ist. Sicher ist die Landsmannschaft älter geworden, was das Durchschnittsalter ihrer Mitglieder betrifft, aber es gibt immer wieder hoffnungsvolle Ansätze, die darauf hinweisen, dass selbst die erste Generation, die in Deutschland geboren ist, Interesse für die Herkunft der Eltern und Großeltern aufbringt. Diejenigen, die heute zu uns kommen, machen dies ganz bewusst, weil sie etwas suchen, was sie nur bei uns finden. Die Zukunft der Landsmannschaft liegt in der Vielfalt, in dem Bemühen, für jeden, der zu uns kommt, ein Angebot bereit zu halten. Das sind Schüler, die Arbeiten über die Familiengeschichte im Banat schreiben, das sind Familienforscher, die auf der Suche nach ihren Vorfahren sind, das sind Blasmusikkapellen und Volkstanzgruppen, Chöre, Laiendarsteller und Jugendgruppen aber natürlich auch die ältere Generation, die einfach nur die alte Gemeinschaft pflegen will.
Wie lange wollen Sie das Mandat ausfüllen?
Mein Mandat gilt für drei Jahre. Dann werde ich mich mit meinen Kollegen im Vorstand wieder dem Votum der Vertreter der Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften stellen müssen.
Was bindet Sie an Ihre Geburtsortschaft Großsanktnikolaus?
Obwohl ich fast zwei Drittel meines bisherigen Lebens in Deutschland verbracht habe, liegen meine Wurzeln in Großsanktnikolaus. Diese Wurzeln bergen die Erinnerungen an Kindheit und Jugend, die mit fortschreitendem zeitlichem Abstand immer schöner werden. Sie liegen in dem Wissen, dass dort die Kirche steht, in der ich getauft wurde und der Friedhof, auf dem die Familienmitglieder beerdigt sind, aber auch in Beziehungen zu ehemaligen Schulfreunden und Nachbarn, die in Großsanktnikolaus geblieben sind.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Neuigkeiten abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s