Gesundheitsreform mit vielen Gegnern

Frauenklinik „Dr. Dumitru Popescu“ in Temeswar: Auch sie wird dem Kreiskrankenhaus angeschlossen
Tauziehen um Krankenhäuser auf allen Ebenen
Von Siegfried Thiel
182 Einrichtungen mit Krankenhaus-Status werden entweder mit anderen Spitälern zusammengelegt oder in Altenheime oder Einrichtungen für den Bereitschaftsdienst der Hausärzte umgewandelt. Insgesamt gibt es 435 dieser Art in Rumänien. Die Frage stellt sich, ob die Reform der Krankenhäuser in Rumänien allen gerecht wird. Die Stimmen dazu sind jedenfalls äußerst kritisch, nicht zuletzt deshalb, weil Zweifel bestehen, ob damit der Reform wirklich gedient ist. Nicht nur in der breiten Bevölkerung, sondern auch in Medizinerkreisen werden Proteste laut, auch wenn die Streichung von Stellen zumindest nach Aussagen von Gesundheitsminister Cseke Attila ausbleiben wird.
Erhebliche Summen sollen nämlich trotzdem eingespart werden, wenn manch eine Direktorenstelle wegfällt. Man könne auch Verwaltungsstellen streichen, ohne Krankenhäuser aufzulösen – so die Meinungen einiger. Andere weisen darauf hin, dass es an Plätzen in Altenheimen derzeit mangelt. So kommen im Kreis Karasch-Severin/Caras-Severin in den zwei derzeit bestehenden Altenheimen insgesamt 300 Personen unter. Die Nachfrage liegt jedoch angeblich bei 1.000.
 Gefährdet: Drei Spitäler pro Kreis
 Neun Krankenhäuser stehen in den drei Banater Verwaltungskreisen, Arad, Karasch-Severin/Cara{-Severin und Temesch/Timis auf der Liste derer, die ihren Status ändern sollen. Insgesamt droht landesweit 71 Einrichtungen eine solche Statusänderung. Konkret geht es im Banat um das städtische Krankenhaus in Sanktannna/Sântana, das Kommunale Krankenhaus in Gurahon] und das medizinische Zentrum in Chisineu-Cris (alle in Verwaltungkreis Arad). Im Banater Bergland betrifft es die städtischen Krankenhäuser in Ferndinandsberg/Otelu Rosu und Anina sowie das Krankenhaus für chronische Leiden in Bokschan/Bocsa. Im Verwaltungskreis Temesch verlieren, derzeitigen Daten nach, die beiden medizinischen Zentren in Busiasch/Buzias bzw. Tschakowa/Ciacova und das städtische Krankenhaus in Fatschet/F²get ihren Status als Spital. Alle sind derzeit unter Obhut der jeweiligen Kommunalverwaltung.
Umgestaltung vom Haushalt finanziert
Die Umgestaltung der 71 Krankenhäuser lässt sich das Gesundheitsministerium insgesamt 230 Millionen Lei kosten, 65 Millionen davon werden in diesem Jahr zur Verfügung gestellt. Minister Cseke Attila betonte, dass das Geld dazu nicht aus dem Kommunalhaushalt erwartet wird, sondern ausschließlich vom Ministerium kommt.
Auch wenn durch die Reform im rumänischen Gesundheitswesen angeblich keine Stellen gestrichen werden sollen, ist mit dem Statuswechsel so gut wie keiner glücklich: Weder das medizinische Personal, noch die Kommunen und längst nicht die Patienten. Die Ärzte und Krankenschwestern könnten so ihre Stellen verlieren. („Was soll eine Kinderkrankenschwester in einem Altenheim“, fragt sich rhetorisch eine betroffene Person), Patienten vom Land befürchten nun, nicht mehr ein Krankenhaus in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes zu haben, was sie unter der Kategorie „Strapazen und Geld“ werten und Bürgermeister sagen ihren Wählern wohl auch ungern, dass sie machtlos zusehen müssen, wie das seit Jahrzehnten bestehende Dorfkrankenhaus nun zum Altenheim wird.
Protestgedanken und Präfektenentwarnung
„Wir werden dazu ein Referendum veranstalten“, hatte dazu der Bürgermeister Viorel Alger Ilas im Temescher Kurort Busiasch vor kurzem der Banater Zeitung gesagt. Innere Medizin, chronische Krankheiten und Pädiatrie, das sind die Abteilungen der Krankeneinrichtung im Kurortstädtchen Busiasch. Dazu kommt eine Notaufnahme. Etwa 20.000 Bürger aus Busiasch und den umliegenden Dörfern wenden sich in Krankheitsfällen an das Spital, offiziell „Medizinisches Zentrum“ genannt. Dazu kommen die Patienten aus dem Kurunternehmen, das keine eigene Poliklinik hat.
Während also die übergeordneten Behörden eine Auflösung des Krankenhauses planen, denkt in Busiasch der medizinische Leiter, Liviu D²escu, an den Ausbau des Krankenhauses und die Gründung einer Abteilung für Mikrochirurgie. Auch unter bisherigen Gegebenheiten war das bloß gut gemeinte Makulatur, denn nur 48 der im Stellenplan verankerten 95 Posten – vom Türsteher bis zum Chefarzt – sind derzeit belegt.
20 Millionen Lei sollen laut Gesundheitsminister Cseke pro Jahr allein durch die Streichung von Leitungs- und Verwaltungsstellen in Krankenhäusern eingespart werden, wenn die 111 auf der Liste stehenden Krankenhäuser anderen Spitälern untergeordnet sind. Bedroht, ihren Rechtsstatus zu verlieren, sind im Banat die Frauenklinik „Dr.S.Vuia“ und das städtische Krankenhaus (beide in Arad), im Verwaltungskreis Temesch sind es das Krankenhaus für Infektionskrankheiten „Victor Babes„ und die Frauenklinik „Dr. Dumitru Popescu“ – beide in Temeswar/Timisoara und das Psychiatrie-Krankenhaus in der Kleinstadt Gataja/Gataia. Im Kreis Karsch-Severin ist kein Zusammenschluss von Spitälern vorgesehen. Noch mehr: Der Präfekt des Kreises, Octavian Sundrea, gab Entwarnung, was die Auflösung von Krankenhäusern in seinem Amtsbereich betrifft. Das Krankenhaus in Anina werde keine Veränderungen erfahren, jene in Bokschan und Ferdinandsberg könnten Abteilungen der Krankenhäuser in Reschitza/Resita bzw. Karansebesch/Caransebes werden, so der Präfekt. Er habe mit dem Minister gesprochen und:  „Im Kreis Karasch-Severin wird kein Krankenhaus geschlossen“. Etwa gleichzeitig zu diesen vielversprechenden (oder beruhigenden?) Aussagen des Präfekten kam heftige Kritik aus den Reihen der Betroffenen in den verschiedenen Ortschaften. Der Arzt Nicolae Rambu aus Anina sieht so einiges auf die Patienten zukommen: Durch die Auflösung der Krankenhäuser müssen diese ständig mit dem Rettungswagen hin und herfahren und die, die nicht interniert werden, seien gezwungen, per Anhalter wieder nach Hause zu fahren. Niemand habe an diese Unzulänglichkeiten gedacht, sagt Rambu in der Lokalpresse. Der Bürgermeister von Bokschan, Mirel Patriciu Pascu, ist dagegen radikal: Er spielt mit dem Gedanken, bei Auflösung des Krankenhauses in seiner Stadt, das Gesundheitsministerium vor Gericht zu zitieren. Immerhin hat das Bürgermeisteramt Bokschan in dieses Krankenhaus seit Juli 2010 bereits mehr als 200.000 Lei in Ausstattungen investiert – recht viel, im Verhältnis zur Größe der Stadt und zu ihrem Haushalt.
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Eine Antwort zu Gesundheitsreform mit vielen Gegnern

  1. Beleut Rosemarie schreibt:

    Die von Ihnen veröffentlichten Bilder zeigen eine blühende Stadt.Diese Stadt haben wir letzte Woche besucht,genauer gesagt einen alten Mann in der Psichiatrischen Klinik in der Str.Vacarescu.Wir können auch jetzt,wieder daheim nicht begreifen wie so etwas in einer Stadt die etwas auf sich hält möglich ist,20 Jahre nach der Revolution, 7 Jahre EU Mitglied.Mir fehlen die Wörter zum beschreiben:7 Betten in einem Zimmer dick mit Staub bedeckt.Die Betten werden NIE gewaschen.Die Matratzen sind einfacher Schaumstoff ohne Bezug,darüber ein löcheriges Laken.Ist ein Patient inkontinent läuft es durch,am dritten Tag ist die Pfütze darunter trocken.Wird ein Patient entlassen kommt ein frisches Laken auf die gleiche Matratze und fertig.Es wird keine Möbel,kein Boden kein Waschbecken gewischt,von sanitären Anlagen ganz zu schweigen.Es befällt einen an der Tür ein Würgereiz und erst wieder auf der Straße kann man durchatmen. Zusammenfassend:unmenschlich

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