12.000 Jahre Kommunikationsgeschichte

 Ein Novum: Die Besucher der Schau können alle Informationen zu den Exponaten über das eigene Mobiltelefon erhalten.
Ausstellung im Kunstmuseum kam durch schweizerisch-rumänische Zusammenarbeit zustande
Von Ana Saliste und Raluca Nelepcu
„Von den ersten Schriften zu Multimedia. Kurze Geschichte der Kommunikationsentwicklung und noch mehr“ betitelt sich die Ausstellung, die zur Zeit im Temeswarer Kunstmuseum am Domplatz besichtigt werden kann. Ungefähr 300 Exponate aus über 12.000 Jahren Menschheitsgeschichte sind zu sehen. Diese stammen aus insgesamt acht Museen in Rumänien. „Es wurden sowohl jene Objekte ausgewählt, die einen großen ästhetischen Wert haben, aber auch Exponate, die eine bedeutende geschichtliche Rolle gespielt haben“, erläutert der Archäologe Laurent Chrzanovski, der Schweizer Kustos der Ausstellung.
Etwa hundert Psychologen, Archäologen, Soziologen sowie Historiker aus Russland, Frankreich, Rumänien, Italien und aus der Schweiz haben über ein Jahr lang gearbeitet, um einen detaillierten Überblick der umfangreichen Kommunikationsgeschichte zu schaffen. Als absolutes Novum in Rumänien können die Besucher der Schau alle Informationen zu den Exponaten über das eigene Mobiltelefon erhalten. Dazu benötigen sie ein Handy mit Internetzugang und ein spezielles Programm zum Lesen von 2d-Barcodes. „Die Ausstellung richtet sich nicht nur an das gewöhnliche Museumspublikum, sondern an alle, die selbst entdecken wollen, was hinter Multimedia und dem Internet eigentlich steckt“, sagt Laurent Chrzanovski.. Dabei gilt Rumänien mit seinem „großen kommunikativen Reichtum“ als „Europa in Kleinformat“, wie Chrzanovski zu sagen pflegt.
Nachdem in Siebenbürgen die ersten Druckereien gegründet wurden, galt die Gegend als „ein Paradies der unabhängigen Druckereien“, so der Archäologe. Viele Schriftsteller aus Armenien, Georgien und anderen Ländern seien hierher gekommen, um ihre Werke zu veröffentlichen, die in ihren Heimatländern verboten waren. In der Ausstellung wird auch die bedeutende Rolle der hospites saxones, der „deutschen Gäste“ auf dem Königsboden, hervorgehoben, die die heutzutage wichtigen Termini wie „Logo“, „Brands“ und „Korporation“ in Rumänien entwickelt haben und somit die Basis der heutigen „Human Ressources“ ausbildeten.
„Wir bieten eigentlich auch eine Gedächtnisübung. Die jungen Generationen haben leider nicht die notwendigen kulturellen Wurzeln, um die Kommunikation richtig zu verstehen. Denn, Kommunikation ist ´alles außerhalb des Computers´, wie ein Harvard-Professor vor Kurzem erläuterte“, fügt Chrzanovski hinzu. Das Argument: Nur knapp ein Prozent des gesamten Weltwissens ist im Internet abrufbar, wie aus den neuesten Statistiken hervorgeht.
Als eines der wertvollsten Ausstellungsstücke erwähnt der Kurator die Grabstele, die im römischen Castrum Tibiscum bei Karansebesch/Caransebes entdeckt wurde. Hier stationierte die Legion von Palmyra im Rahmen des römischen Heeres. 159 starb hier ein Jugendlicher im Kampf gegen den Markomannen: „Die Inschrift auf der Grabstele des Jugendlichen ist ein Unikat in ganz Europa, da hier zum ersten Mal das palmyrische Alphabet erscheint. Das war kein offizielles Alphabet des römischen Heeres. Normalerweise werden die römischen Grabstelen entweder in Lateinisch oder in Griechisch beschriftet“, erläutert der Archäologe.
Die Ausstellung wurde vom Rumänisch-Schweizerischen Multimedia-Institut und dem Museum für Dakische und Römische Geschichte und Zivilisation in Diemrich/Deva in Zusammenarbeit mit dem rumänischen Außenministerium organisiert. Sie steht unter der Schirmherrschaft der Schweizer Botschaft in Bukarest. Bei der Vernissage war auch der Schweizer Botschafter, Livio Hürzeler, zugegen. „Die Ausstellung zeigt das historische Erbe Rumäniens. Im Mittelpunkt steht die Evolution der Kommunikation. Wir haben unsere Schirmherrschaft gegeben, weil diese Seite eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen dem Schweizerischen Multimedia-Institut und den verschiedenen Museen in Rumänien ist. Es ist auch ein sehr schönes Beispiel der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Rumänien“, sagte Livio Hürzeler, Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Rumänien. In diesem Jahr werden hundert Jahre bilaterale Beziehungen zwischen den beiden Staaten gefeiert. Zahlreiche Kulturereignisse stehen noch auf dem Programm, verriet der Botschafter. Zugleich handelt es sich hier um die erste Ausstellung in Rumänien, die direkt vom rumänischen Außenministerium gefördert wurde.
Das Kunstmuseum am Domplatz ist die letzte Kulturstätte, die die Wanderausstellung beherbergt. Bisher konnte sie in Hermannstadt, Diemrich/Deva, Schässburg/Sighisoara und Klausenburg/Cluj-Napoca sowie beim Sitz des Internationalen Telekommunikationsverbands in Genf besichtigt werden. Zu den Exponaten gehören unter anderen Schriften, Kleidungsstücke, Weine und technische Geräte. Der Besucher wird durch die Geschichte der menschlichen Kommunikation geführt und landet schließlich in der Gegenwart, wo das Internet die Oberhand hat. Der erste Computer, der an einer rumänischen Universität gebaut wurde und den Namen MECIPT trägt, ist ebenfalls zu sehen. Er wurde 1961 im damaligen Politechnischen Institut in Temeswar konstruiert. Marcel Tolcea, Leiter des Kunstmuseums, hebt die Bedeutung der Ausstellung hervor: „Es ist eine absolute Premiere. Es ist die erste Ausstellung, in der der künstlerische Aspekt von Kultur im Sinne von Technologie bereichert wird. Für die Amerikaner bedeutet Kultur alles, was mit der menschlichen Kreativität zu tun hat. Für den Europäer heißt Kultur Theater, Film, schöngeistige Kunst. Die Ausstellung beleuchtet die Kommunikation aus mehreren Blickwinkeln: Vom religiösen, künstlerischen, technologischen und wirtschaftlichen Standpunkt“.
Unterstützt wurde das kulturelle Unterfangen auch von privaten Sponsoren. Der Schweizer Unternehmer Peter Bayard von der Mattig Gruppe weiß, wieso solche Projekte finanzierenswert sind. „Es ist eine Ausstellung, die von Schweizern gemacht wird, mit Exponaten, die alle aus Rumänien stammen. Das ist eine wunderbare Zusammenarbeit“, sagt Peter Bayard. „Ich habe meinen ersten Computer in den 80er Jahren kennengelernt. Der Personalcomputer hat damals etwa 40.000 Schweizer Franken gekostet. Inzwischen hat natürlich eine gewaltige Evolution zugetragen“, fügt der Unternehmer hinzu. 
Wer also in die Geschichte der Kommunikation eintauchen möchte, der sollte dem Kunstmuseum am Temeswarer Domplatz einen Besuch abstatten. Die Ausstellung kann bis am 30. April von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr besichtigt werden.
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