„Gerhardinum – ein kleines Europa“

Seit 2009 am Gerhardinum: Pfarrer Kocsik Zoltán
Das Römisch-Katholische Theologische Lyzeum „Gerhardinum“ in Temeswar/Timisoara wurde im Jahre 1992 gegründet. Das Piaristengymnasium hat  eine  lange Tradition im Banat. Zunächst war sein Sitz auf dem heutigen Freiheitsplatz, 1909  wurde das neue Gymnasiumsgebäude gebaut – da, wo heute das Gerhardinum untergebracht ist. 1948 wurde die Schule verstaatlicht und die Mönche vertrieben. Danach gab es bis 1992 eine große Pause im Schulsystem unter kirchlicher Trägerschaft. Am Gerhardinum wird auf Rumänisch und Ungarisch unterrichtet. Momentan gibt es nur Gymnasialklassen, aber ab kommendem Schuljahr  soll auch je eine erste Klasse in den beiden Sprachen gegründet werden. Zum Werdegang dieser Bildungseinrichtung sprachen wir mit Pfarrer Kocsik Zoltán, Spiritual,  geistlicher Begleiter im katholischen Gymnasium, Diözesanjugendseelsorger, Studentenpfarrer und Kirchendirektor der Piaristenkirche. 
 Wie muss man sich den Alltag im katholischen Unterricht vorstellen?
Wir sind darauf bedacht, dass die Kinder nicht nur eine allgemeine Bildung bekommen, sondern auch eine christliche Erziehung. Es gibt bei uns Jahresexerzitien. Diese werden immer an Wochenenden gehalten. Dabei gibt es Meditation, heilige Messe, Diskussion. Alles wird auf unterhaltsame Art veranstaltet, damit diese Exerzitien für  Jugendliche, für unsere Schüler, attraktiv sind, aber trotzdem ihr Ziel erreichen.
Unsere Schüler nehmen auch an den Olympiaden teil: Deutsch, Englisch, Rumänisch, Ungarisch, Physik, dies zum Teil mit guten Resultaten.
 Wie viele Unterrichtsstunden gibt es pro Woche im Fach Religion?
 Fünf – sechs Stunden und diese beziehen sich je nachdem auf: Altes Testament, Neues Testament, Moraltheologie, Spiritualität, Kirchengeschichte, christliche Literaturgeschichte und Kirchenkunstgeschichte. Am meisten Interesse zeigen die Schüler für Moraltheologie, wo es um die zehn Gebote geht. Die Schüler brauchen immer eine Lebensweisung, sie brauchen einen Rat. Ich selbst habe hier ein weites Arbeitsfeld: Ich bin Religionslehrer, habe pro Woche sieben Unterrichtsstunden zu halten und dreimal pro Woche die Heilige Messe, mit den Schülern, zu zelebrieren. Außerdem muss ich die Abendgebete vorbereiten, Jahresexerzitien halten und bei der Bibellesung dabei sein. Als geistlicher Begleiter muss man immer unter den Kindern anwesend sein. Sie kommen kaum mit einer Frage – man muss immer auf sie zugehen und ihr Vertrauen gewinnen.
 Warum brauchen diese Kinder so stark Ihre Unterstützung? Fehlt eine solche in der Familie?
Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich denke, dass die Eltern oft zu wenig Zeit für ihre Kinder haben. Die Kinder kommen mit den heutigen Problemen, sie brauchen einfach Orientierung. Viele sind ganz offen und wir können über alles reden: über die Gebote, über christliche Ethik.
Wie viele ihrer Schüler besuchen nach dem Abitur auch ein Priesterseminar
Nur ganz wenige. In den letzten fünf Jahren wurde kein einziger unserer Schüler Priester oder studierte Theologie. Man muss immer beten, dass einer auch mal dem Priesterberuf nachgeht.
 Wie viele Schüler gibt es am Gerhardinum?
Wir haben insgesamt 137 Schüler. Jene  in der rumänischen Abteilung gehören zu unterschiedlichen Nationalitäten. Außer den Rumänen gibt es nur wenige Deutsche, dafür aber mehrere Kroaten, Bulgaren, Tschechen, Slowaken. Diese Schule ist eigentlich „ein kleines Europa“. Die Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten lernen zusammen und  kommen immer gut miteinander aus.
 Welche Fremdsprachen werden in dieser „Multinationalität“ vorgetragen?
Die 1.Fremdsprache ist Deutsch und die 2.Fremdsprache ist Englisch oder Französisch. Sie beginnen mit dem Studium der Fremdsprachen in der 9.Klasse. In Zukunft wollen wir bereits in der 1.Klasse Deutsch als Pflichtfach einführen.
Warum Deutsch?
 Auf kirchlicher Ebene hat Deutsch Tradition und die deutsche Sprache wird immer als eine der Sprachen der Diözese betrachtet. Natürlich wollen wir diese Tradition beibehalten bzw. fortsetzen.
Inwiefern kommen die Schüler ans Gerhardinum, weil sie keinen Platz an einem namhaften Gymnasium gefunden haben?
Es gibt auch solche, die aus diesem Grund an unsere Schule kommen. Die meisten aber schreiben sich gezielt am Gerhardinum ein. Dies wegen der christlichen Erziehung. Außerdem sind die Schüler bei uns in Sicherheit: Es gibt einen geschlossenen Hof  – Schule, Schulheim und Kantine sind in einem Gebäude und dieses liegt im Zentrum der Stadt. Gerade für die erste Klasse ist dies wunderbar – wir sind im Zentrum, aus jedem Stadtteil können Schüler problemlos zu uns kommen.
Von welchen Schulen kommen die Schüler, die hier inskribieren?
 40 Prozent sind aus Temeswar. 60 Prozent sind aus verschiedenen Teilen der Diözese – aus den Verwaltungskreisen Temesch/Timis, Arad, Karasch-Severin/Caras-Severin und einem Teil  des Kreises Mehedinti.
 Fühlen Sie sich wohl hier?
 Ja, ich fühle mich hier wohl. Es ist nicht immer einfach, wenn man mit den Problemen der Jugend und mit Schwierigkeiten konfrontiert wird, aber die Jugend kann mir viel Kraft geben, um weiter für sie etwas zu tun. Die Frau Direktor, Ilona Jakab, die Lehrer, die Pädagogen und ich – wir alle sind bemüht, ein Auge auf die Schüler zu haben und ihnen christliche Lehre und Liebe beizubringen.
Das Gespräch führte Maria Ungar.
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